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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Längere Lieferfristen Heizöl-Kunden brauchen Geduld

 ·  Gegenüber dem Sommer kostet Heizöl nur noch gut die Hälfte. Nach dem Preissturz ist die Nachfrage regelrecht explodiert. Bei den Brennstoffhändlern stehen die Telefone kaum mehr still. Zum Teil müssen Kunden rund acht Wochen warten.

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Mögen die Kursstürze bei Aktien ungezählte Anleger das Gruseln lehren – manche Talfahrt an den Börsen hat auch ihr Gutes. Wer mit Öl heizt, kann sich freuen: Röhol der Nordseesorte Brent kostete gestern zeitweise weniger als 70 Dollar je Fass mit 159 Litern. Zum Vergleich: Für dieselbe Menge mussten vor Jahresfrist rund 85 Dollar und im Juli sogar 145 Dollar gezahlt werden. Mit dem Rohöl ist auch Heizöl deutlich günstiger geworden. Dies hat sich umgehend in der Nachfrage niedergeschlagen: Wurden die Brennstoffhändler in den Sommermonaten nur kleinere Mengen los, so stehen bei ihnen derzeit die Telefone kaum still.

„Wir bräuchten dreimal so viele Tankwagen, wie wir zur Verfügung haben“, heißt es etwa bei AKR Brennstoffe in Friedrichsdorf vor den Toren Frankfurts mit Blick auf die in die Höhe geschossene Nachfrage. „Weil alle auf einmal bestellt haben“, kann AKR Heizöl erst rund acht Wochen nach Eingang des Auftrags ausliefern. Bis dahin bestätigt das Unternehmen die Order. „In etwa sieben Wochen rufen wir dann den Kunden an und nennen ihm den Preis, zu dem er die gewünschte Menge erhalten kann. Ist er einverstanden, liefern wir“, beschreibt ein Sprecher das Procedere angesichts der Lieferengpässe.

Händler raten zu kaufen

Die Nachfrage nach Heizöl hat sich in zwei Schüben nach oben enwickelt, wie es beim Frankfurter Esso-Partner Becker heißt. Der erste Schub sei vor etwa sechs Wochen zu beobachten gewesen. Seinerzeit rutschte der Preis für leichtes Heizöl in Frankfurt merklich unter die Marke von 90 Cent einschließlich Mehrwertsteuer bei einer Abnahme von 1501 Litern oder mehr – in dieser Woche stellte sich dann der zwei Schub ein, wie es heißt. Wiederum ist ein Preisverfall der gestiegenen Nachfrage vorausgegangen: Nach der Notierung an der Heizöl- und Produktenbörse der Industrie- und Handelskammer Frankfurt vom Mittwoch kostet ein Liter leichtes Heizöl knapp 84 Cent, wenn der Kunde bis zu 1501 Liter kauft. Wer 5000 Liter erwirbt, zahlt nur noch knapp 77 Cent, nach 80,75 Cent vor einer Woche. Besonders beeindruckend nimmt sich der Vergleich mit den Preisen von Ende Juni aus: Mit 93,18 Cent war dabei, wer 5000 Liter bestellte.

Angesichts dieser Talfahrt raten Händler, Öl zu bunkern. Denn in ein paar Wochen könnte der Preis wieder nach oben drehen: Experten wie Dora Borbély rechnen mit einer Kürzung der Rohöl-Fördermenge durch das Kartell der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). In einem Monat dürfte die Opec bekanntgeben, fortan eine Million Fass weniger am Tag zu fördern als derzeit, wie die Rohstoffanalystin der Deka-Bank in Frankfurt, meint. „Dies dürfte preisstimulierend wirken.“ Zumal die Talfahrt bei den Ölnotierungen aus ihrer Sicht eine „Übertreibung nach unten“ ist. Zwar könnte es kurzfristig noch weiter nach unten gehen, aber mittelfristig wird Rohöl wieder auf die Marke von 100 Dollar zulaufen, wie sie kalkuliert. Begründung: Der Ölmarkt ist nach wie vor eng, und China meldet steigende Importe.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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