03.02.2007 · Die neuen Öffnungszeiten sorgen für Verwirrung. Denn bei etlichen Häusern ist wieder Schluss mit dem Einkaufen bis in den späten Abend. Andere hingegen halten ihre Pforten geöffnet.
Von Jochen RemmertNeue Freiheit beim Einkaufen? Maximale Verwirrung trifft es wohl eher. Beispielsweise in den Frankfurter Häusern der Hagener Douglas-Gruppe – Appelrath & Cüpper, Pohland und Parfümerie Douglas – ist erst einmal Schluss mit dem Einkaufen bis in den späten Abend. Wie viele andere Einzelhändler der Zeil auch hatte die Gruppe die Ladenöffnung bis 22 Uhr im Weihnachtsgeschäft und im Januar von Donnerstag bis Samstag getestet. Nun schließen die Geschäfte wieder um 20 Uhr. Das, so heißt es aber aus der Gruppe, könne sich auch wieder rasch ändern.
Wenn große Messen viele Menschen nach Frankfurt locken, sollen die Häuser ohnedies wieder länger öffnen, wie es bei Douglas heißt. So will es auch Galeria Kaufhof an der Frankfurter Hauptwache halten, dort bleibt es allerdings bis auf weiteres auch bei der Öffnung bis 22 Uhr von Donnerstag bis Samstag. Bei Peek & Cloppenburg und beim Schuhhaus Goertz steht der Kunde nach 20 Uhr dagegen schon wieder vor geschlossenen Türen.
Nicht gerade kundenfreundlich
Bei Lebensmitteln geht das Verwirrspiel munter weiter: Lidl macht es nicht, Aldi auch nicht, Tegut öffnet zwar schon um sechs, schließt aber auch um 20 Uhr, nur bei Rewe kann man bis 22 Uhr einkaufen – allerdings auch nicht überall. Der Kunde muss sich vieles einprägen. Dass Kaufleute erst einmal testen und dann genau nachrechnen müssen, ob es sich unterm Strich lohnt, die neue Freiheit auch zu nutzen, ist plausibel. Der Kunde könnte allerdings alsbald die Nase voll davon haben, sich vor dem abendlichen Einkaufsbummel zu notieren, welches Geschäft nun geöffnet hat und bei welchem er vor verschlossenen Türen stehen wird. Dass die nun auch wieder in der Innenstadt auseinanderdriftenden Geschäftsöffnungszeiten alles andere als kundenfreundlich sind, weiß auch Heinz Schmitz von
In Berlin dürfen die Läden ab Freitag werktags rund um die Uhr geöffnet sein. Auch in Nordrhein-Westfalen kann man bald von Montag bis Samstag ununterbrochen einkaufen.
der Marketing-Initiative „Cityforum pro Frankfurt“ nur zu gut. Und er weiß auch, dass die täglich aktualisierte Liste der unterschiedlichen Öffnungszeiten in der Frankfurter Innenstadt nur eine notdürftige Hilfe, aber keine Lösung sein kann (www.cityforum-profrankfurt.de). Gerhard Baur, Leiter des Main-Taunus-Zentrums, sagt, neue Öffnungszeiten müssten mindestens ein halbes Jahr lang ausprobiert werden, vorher ließen sich über die Resonanz beim Kunden keine verlässlichen Aussagen treffen.
Das habe er auch seinerzeit bei der Einführung der Öffnung bis 20 Uhr so gehalten, und nach anfänglicher Skepsis sei diese alsbald zur Selbstverständlichkeit geworden. Allerdings hat auch Baur nach wie vor harte Überzeugungsarbeit zu leisten. Beispielsweise zieht die Jugendkleider-Kette H&M derzeit bei den von Donnerstag bis Samstag bis 22 Uhr verlängerten Öffnungszeiten im Zentrum nicht mit, Anson, Appelrath & Cüpper und Peek & Cloppenburg sind nur freitags und samstags dabei. Es werde weitere Gespräche geben, sagt Baur. Während das Hessen-Center dieselben Öffnungszeiten testet und im Frühjahr eine Bilanz ziehen will, wie Leiterin Brigitte Schmitt berichtet, schließt das Isenburgzentrum nach wie vor um 20 Uhr.
Kopfzerbrechen über verkaufsoffene Sonntage
Das Nordwestzentrum hat derweil den alten Dienstleistungsabend wiederbelebt und am Donnerstag bis 22 Uhr geöffnet. Darmstadt hält es ähnlich, während der Wiesbadener Handel sich 20 Uhr als Schlusszeit gesetzt hat. Den Donnerstag hatten Schmitz zufolge auch die Einzelhändler in Frankfurt für besonders umsatzstark gehalten. Tatsächlich sei es aber nach wie vor der Samstag.
Frank Albrecht, Präsident des hessischen Einzelhandelsverbands und erklärter Skeptiker, was das Rund-um-die-Uhr-Einkaufen betrifft, ist sich sicher, dass von der Abendöffnung nur wenige profitieren. Gerade für viele kleinere Händler sieht er keinen ökonomischen Nutzen in der zusätzlichen Öffnung. Die Kundenfrequenz fehle, und die Personalkosten müssten erst einmal erwirtschaftet werden. Der Facheinzelhandel binde seine Kundschaft vielmehr durch guten Service.
Noch mehr Kopfzerbrechen als die Öffnung an Werktagen bereiten Schmitz aber derzeit die vier erlaubten verkaufsoffenen Sonntage in Frankfurt. Denn das neue Ladenschlussgesetz hat in diesem Punkt nicht mehr, sondern weniger Freiheit gebracht: Nun müssen sich nämlich sämtliche Stadtteile inklusive Innenstadt vier Sonntage teilen, bisher konnte jeder Stadtteil vier für sich beanspruchen. Am Montag soll es ein Gespräch mit der Stadt und allen Beteiligten geben. Es wird nicht das letzte zu diesem Thema gewesen sein.
Öffnungszeiten - eine Orientierungshilfe
Schon allein in der Frankfurter Innenstadt ergibt sich ein uneinheitliches Bild, was die Öffnungszeiten betrifft. Den Angaben des „Cityforums pro Frankfurt“ zufolge haben von Donnerstag bis Samstag folgende Geschäfte bis 22 Uhr geöffnet: Bijou Brigitte, Conrad Electronic, C & A, Esprit, Galeria Kaufhof, Hugendubel, Karstadt, Promod, Saturn, Sportarena und Woolworth. Bei Juwelier Christ trifft dies nur für die Dependancen in Zentren oder Kaufhäusern zu. Andere Niederlassungen schließen um 20 Uhr, wie es gestern hieß. Montags bis samstags um 20 Uhr schließen außerdem: Appelrath & Cüpper, Innovation Strauss, Parfümerie Douglas, Peek & Cloppenburg, Pohland, Schuhaus Görtz, Wormland, Zeilgalerie. Der Frankfurter Laufshop ist bei seinen bisherigen Öffnungszeiten geblieben: Montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr. Galeria Kaufhof an der Hauptwache öffnet aber in diesem Jahr während großer Messen, beispielsweise der Ambiente, der IAA und der Buchmesse täglich bis 22 Uhr.