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Ladenschluß Die Großen gewinnen

20.06.2006 ·  Im Main-Taunus-Zentrum ist abends viel los, in der Frankfurter Innenstadt schon weniger: Die Kunden nutzen die längeren Ladenöffnungszeiten während der WM, aber nicht immer und nicht überall.

Von Manfred Köhler und Christian Siedenbiedel
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Freitag abend im Main-Taunus-Zentrum an der Autobahn 66: reger Fußgängerverkehr auch um 21 Uhr, selbst noch eine halbe Stunde später. Wer bei Minimal einkauft, muß an der Kasse warten wie am Nachmittag. Wer bei Breuninger nach Anzügen schaut, muß warten, bis ein Verkäufer Zeit für ihn hat. Die unbekannte Freiheit, auch noch am Abend, am Sonntag, gar am Feiertag einkaufen zu können - in dem riesigen Einkaufszentrum in Sulzbach wird sie gut angenommen. „Wir haben ein wunderbares Wochenende hinter uns“, schwärmt Centermanager Gerhard Baur. „Fronleichnam war ein Supertag, Freitag, Samstag und Sonntag waren hervorragend.“ Baur gibt zu, es gebe Händler in seinem Zentrum, die sich mehr erhofft hätten - „aber die Mehrzahl ist auf der Gewinnerseite“.

Das ist die eine Seite der neuen Freiheit, die die weitgehende Aufhebung der Ladenschlußzeiten während der Fußball-Weltmeisterschaft gebracht hat. Die andere sieht so aus: „Das war ein totaler Flop“, sagt Ernst Schmid, Chef der Hifi-Profis am Eschenheimer Tor am Rande der Frankfurter Innenstadt, über die beiden vergangenen Sonntage, an denen das Geschäft geöffnet hatte. Auch der Versuch, an den Samstagen länger als bis 18 Uhr geöffnet zu bleiben, endete kläglich. Es kam einfach niemand mehr.

Wenn, dann haben die Großen geöffnet

Doch Schmid weiß auch den Grund, warum es im Main-Taunus-Zentrum brummt und in seinem Geschäft nicht: „Die Leute kommen nicht, weil es keine homogene Regelung gibt.“ Tatsächlich können die Einkaufszentren damit werben, daß alle Geschäfte die gleichen Öffnungszeiten haben - sie sind dazu vertraglich verpflichtet. In der Frankfurter Innenstadt aber entscheidet jedes Geschäft für sich - und da ist Einigkeit nicht zu erzielen. Hinzu mag das Sommerwetter der vergangenen Tage kommen, das nicht jeden gleich auf die Idee brachte, die Abende in Geschäften zu verbringen, und überhaupt die fehlende Gewöhnung an derartige Ladenöffnungszeiten - so argumentiert jedenfalls Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbands des Einzelhandels.

Montag abend in der Innenstadt: Auf der Zeil haben vergleichsweise viele Geschäfte auch nach 20 Uhr noch geöffnet - Kaufhof und Karstadt, Pohland, Douglas, Hako. Eckerle hat geschlossen. In den Nebenstraßen sieht es ganz mau aus. Hugendubel ist auf, Carolus zu. Auf der Goethestraße sind nur wenige Türen geöffnet. Generell gilt: Wenn, dann sind es die größeren und großen Handelsketten, die geöffnet haben. Die wenigen selbständigen Einzelhändler, die Frankfurt in der Innenstadt noch hat, nutzen die neuen Möglichkeiten an diesem Montag samt und sonders nicht: Lorey, Helberger, die Weinhandlung Dr. Teufel, das Geschäft CDs am Goethehaus.

Es ist schwer, sich ein Bild davon zu machen, wie die Geschäfte in den Abendstunden und an den Sonntagen laufen. Diejenigen, die die Möglichkeiten auf der Zeil oder an der Hauptwache nutzen, geben an, nicht unzufrieden zu sein. Kaufhof-Chef Günter Biere spricht von einer Steigerung von Tag zu Tag, nach 20 Uhr seien die Umsätze genauso hoch wie tagsüber. Von der Geschenkartikel-Kette Butlers heißt es etwas weniger begeistert, jedenfalls an spielfreien Tagen seien die Umsätze in der Filiale an der Hauptwache „ganz okay“. Kai-Uwe Hampel, Leiter der Hugendubel-Filiale, hebt hervor, die Öffnung in den Abendstunden verstehe man vor allem als Service für die Kunden. Bei der Schuh-Kette Hako heißt es, in Frankfurt entsprächen die Umsätze den Erwartungen - an anderen Standorten sehe es viel schlechter aus. Bei der Parfümeriekette Douglas mauert man: Der Erfolg lasse sich noch nicht beurteilen.

Wo bekommt man abends noch ein Bier?

Der Präsident des hessischen Einzelhandelsverbands, Frank Albrecht, zieht aus dem widersprüchlichen Bild seine eigenen Schlüsse. „Die Gewinner sind die Wachleute“, meint Albrecht. Er habe noch nie so viele von ihnen vor und in den Warenhäusern gesehen. Sonst ist er eher skeptisch und wirft den Kaufhausketten „Zweckoptimismus“ vor: „Haben Sie schon mal gehört, daß die etwas Negatives mitteilen?“ Während der Übertragungen der Fußballspiele seien die Geschäfte menschenleer. Die Auslastung der Parkhäuser in der Frankfurter Innenstadt sei die meiste Zeit sehr niedrig. Statt dessen seien Fans aus aller Welt in der Stadt. Aber auch die kauften nicht viel ein. „Selbst an dem Abend, als die Hochhäuser mit Bildern angestrahlt wurden, haben die Leute nicht wirklich viel gekauft - wer wollte schon Tüten mitschleppen, wenn er an den Main ging?“

Für seine Parfümerie an der Goethestraße habe er mit den Mitarbeitern vereinbart gehabt, daß man die Türen länger offenlasse, wenn genug los sei, sagt Albrecht. Das sei aber an keinem der Tage der Fall gewesen. Andere Geschäfte hätten sich einzelne Tage herausgesucht, an denen sie länger geöffnet hätten. „Nach der Sommerpause wird es darum gehen, ob wir in Hessen die Ladenöffnungszeiten dauerhaft verlängern oder sogar freigeben“, deutet Albrecht die Brisanz des Themas an. Er kündigt an, dagegen kämpfen zu wollen, weil er eine solche Liberalisierung für „mittelstandsfeindlich“ halte. Gemeinsam mit Gewerkschaften, Kirchen, Sportverbänden und Frauenvereinen wolle der Einzelhandelsverband eine „Plattform“ schaffen mit dem Ziel, daß es bei vier verkaufsoffenen Sonntagen im Jahr bleibe und bei einer Schließung der Geschäfte in der Woche um 20 Uhr.

Bei den Lebensmittelmärkten bietet sich ebenfalls ein uneinheitliches Bild. „Ob es läuft oder nicht, hängt offenbar sehr vom Standort ab“, sagt Wolfram Schmuck vom Handelskonzern Rewe, zu dem auch die Minimal-Geschäfte gehören. Im Moment lasse der Konzern die Märkte relativ einheitlich bis 22 Uhr geöffnet: „Wir warten noch ein bißchen, dann muß man wohl irgendwann entscheiden, ob man einige wieder früher schließt.“ Werbung und Informationen für die Kunden scheinen bei der Frage des Erfolgs der längeren Ladenöffnungszeiten nicht unwichtig gewesen zu sein. Aldi etwa hatte eigens Listen verbreitet, welche Filialen länger offenblieben. Entsprechend hört man, zumindest in einigen Filialen sei viel los. Die Tankstellen könnten darunter leiden, daß man auch anderswo abends noch Bier bekommt - machen aber offenbar wegen des speziellen WM-Durstes auch so genug Geschäft.

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