Für Berufspendler in Frankfurt bietet sich dieser Tage ein seltsames Bild. Überall zeugen Plakatwände davon, dass die Internationale Automobilausstellung ihre Pforten geöffnet hat. Aber von verstopften Einfallstraßen und Staus rund um das Messegelände – wie sonst üblich zu IAA-Zeiten – ist kaum etwas zu spüren. Bei der Verkehrszentrale Hessen ist von „deutlich weniger Verkehr als vor zwei Jahren“ die Rede. Dies habe sich in geringeren Staus und weniger Autos zu den Spitzenzeiten niedergeschlagen.
So zeigt sich die schwere Krise der Automobilindustrie nun auch auf Frankfurts Straßen. Die Ausstellerzahl auf der Messe ist um ein Drittel geschrumpft. Etwa 16 Prozent weniger Besucher meldete der veranstaltende Verband der Automobilindustrie nach der ersten Woche.
Erste Messetage sind die wichtigsten
„Selbst zur Rush hour lief auf den Straßen alles glatt“, sagt auch Albert Schmidt, einer der drei Geschäftsführer von Taxi-Frankfurt. Doch des Pendlers Freud ist ein Leid für viele Dienstleister, die mit dem Messegeschäft, und insbesondere der großen IAA, einen Teil ihrer Umsätze bestreiten. Zum Beispiel Taxi-Frankfurt: Die 1.200 Fahrzeuge aus Schmidts Fuhrpark sind weniger unterwegs als ihm lieb ist. Mit Sicherheit habe man bisher 20 Prozent weniger Umsatz als zur letzten IAA 2007 gemacht, sagt der Geschäftsführer.
Und gerade die ersten Messetage mit Fachbesuchern und Journalisten sind für Taxifahrer, aber auch für Hotel- und Gastronomiebetriebe die wichtigsten. Dann reisen Unternehmensvertreter aus aller Welt an, die mit Kunden oder Kollegen teure Geschäftsessen veranstalten, teilweise mit ganzen Abteilungen in Hotels übernachten.
Zimmer zum Normalpreis
Die Hotelbranche spürt die neue Sparsamkeit deutlich. Von Unterkünften, die lange im voraus ausgebucht sind, ist nichts zu hören – im Gegenteil. Um etwa ein Viertel sei die Hotelauslastung im Vergleich zur vorherigen IAA vor zwei Jahren zurückgegangen, schätzt Petra Winter von der städtischen Tourismus und Congress GmbH. In diesem Jahr habe man selbst nach Messebeginn noch Zimmer buchen können.
In Vier- und Fünf-Sterne-Häusern, die über den Zusammenschluss Frankfurt Hotel Alliance vermarktet werden, sind derzeit Zimmer für 209 Euro zu haben – das Ibis-Hotel verlangte dieser Tage für seine einfacheren Zimmer nur zehn Euro weniger. „Viele Hotelbetreiber haben angesichts mangelnder Nachfrage beschlossen, Zimmer zum Normalpreis zu vermieten“, sagt Winter. „Das gab es früher nicht.“ Die Tourismus-Gesellschaft ist Partner des Verbandes der Automobilindustrie und der Messe Frankfurt, viele Firmenkunden buchen hier Zimmerkontingente. Zumindest in guten Zeiten, wie dem Rekordjahr 2007, als zur IAA noch eine Million Besucher kam.
Umsatzrückgang von rund einem Viertel
Von diesen Zeiten kann auch Kerstin Junghans nur träumen. Die Geschäftsführerin des hiesigen Hotel- und Gaststättenverbands sieht die Misere zum Teil jedoch als hausgemacht. Frankfurt habe bereits jetzt 36.000 Betten, in den nächsten zwei bis drei Jahren kämen noch einmal 4.000 hinzu. „Nur Betriebe in unmittelbarer Nähe der IAA sind weiterhin zufrieden“, sagt Junghans.
Das gelte auch für die Gastwirte, die ohnehin schon stark von der Wirtschaftskrise betroffen seien. Sie könnten mit einem Umsatzrückgang von rund einem Viertel rechnen, verglichen mit der letzten Ausstellung 2007. „Wenn die Budgets der Firmen einmal gekürzt sind, dauert es lange bis zu einer Aufstockung“, sagt Junghans. Das Gastgewerbe merke von solchen Besserungen immer zuletzt etwas. „Wir brauchen den nächsten Aufschwung.“
Keine allzu hohe Erwartungen
Keinen Grund zur Klage hat Eva-Maria Silbernagel. Gebratene Rindswurst im Brötchen und dazu ein frisch gezapftes Pils – die Besucher der Internationalen Automobil-Ausstellung greifen gerne auf diese Kombination an Silbernagels Stand vor Halle 5 zurück. Bislang hat die resolute Dame aus Wetter bei Marburg, die seit den neunziger Jahren mit einem Bierwagen auf der Messe vertreten ist, erst eine schlechte IAA erlebt: 2001, als Terroristen das World Trade Center attackierten. „Wir sind nicht unzufrieden“, sagt Silbernagel zum bisherigen Ergebnis 2009.
Auch der Frankfurter Einzelhandelspräsident Frank Albrecht gibt sich gelassen. Die neue Einkaufspassage auf der Zeil hat seit Anfang der Woche die Öffnungszeiten auf 22 Uhr verlängert. Trubel habe am Montag zwar nicht geherrscht, sagt Albrecht, aber allzu hohe Erwartungen habe man ohnehin nicht gehegt. Wichtiger für den Handel sei die Bundestagswahl – und mögliche Steuererhöhungen danach.

