Ein Mann tritt an eine junge Frau heran und fragt, ob neben ihr auf der Bank noch Platz sei. „Natürlich“ antwortet sie. Einen Wimpernschlag später sagte eine andere Männerstimme aus dem Hintergrund. „Zugegeben, das ist eine Bank - aber würden sie dort ihr Geld liegen lassen?“ Die naheliegende Antwort ist klar: natürlich nicht. Schließlich wäre es fahrlässig, Scheine und Münzen auf einem Sitzmöbel in aller Öffentlichkeit zu deponieren. Aber wenn der Sparer sicher sein könnte, auf eine Bank zu treffen, die ihn persönlich berate, sicher sei und direkt zu erreichen? Diese kleine Geschichte läuft derzeit als Radiowerbung in Hessen über den Äther. Geschaltet hat sie ein kleines Kreditinstitut, das bisher nicht im Massengeschäft tätig ist: die PSD Bank Frankfurt mit Sitz in Eschborn.
Der Zweck der Werbespots ist klar: Die Bank will sich verstärkt ins Gespräch bringen und „Vertrauen aufbauen“, wie ein Sprecher sagt. „Wir sind in der breiten Bevölkerung doch noch recht unbekannt“, fügt er hinzu. Dies liegt nicht an einem Mangel an Geschichte. Die PSD Bank ist keineswegs eine Neugründung.Vielmehr handelt es sich bei der ihr durchaus um ein traditionsreiches Institut. Als sie ins Leben gerufen wurde, dachten die Gründungsväter indes noch nicht an den aktuellen Namen: Das Kreditinstitut wurde 1872 als Post-, Spar- und Darlehensverein Frankfurt am Main gegründet. Erklärtes Geschäftsziel war, den Bediensteten der damaligen Reichspost eine soziale Absicherung zu gewährleisten.
1999 begann ein neues Kapitel
Die Reichspost ging in die Deutsche Bundespost über, doch der Post-, Spar- und Darlehensverein Frankfurt am Main überlebte als solcher zwei Weltkriege und Währungsreformen. Bis die Deutsche Bundespost privatisiert und in Tochter- und Nachfolgeunternehmen mit der Deutschen Telekom, der Deutschen Post World Net und der Postbank an der Spitze aufgespalten wurde, war das Institut eng mit dem früheren Staatskonzern verbunden.
In dieser Zeit stand sie im Ruf, bei den Sparzinsen immer etwas mehr zu zahlen als Banken oder Sparkassen und bei Kreditzinsen und der Baufinanzierung weniger stark hinzulangen als diese. Allerdings konnte nicht jedermann Kunde bei ihr werden. Nicht von ungefähr trug das Institut jahrzehntelang den Spitznamen „Pumpverein“ für Postler. Und auch deshalb ist die Kundenzahl überschaubar gewesen und heute mit gut 94.000 recht klein. Zum Vergleich: Die Frankfurter Sparkasse betreut rund 1,5 Millionen Kunden und hat mit 13,8 Milliarden Euro (am Stichtag 30. Juni) eine Bilanzsumme, die mehr als zehnmal so groß ist wie jene der Frankfurt-Eschborner.
1999 begann dann ein neues Kapital in seiner Geschichte. Der Verein wurde umbenannt in PSD Bank Frankfurt am Main und firmiert als eingetragene Genossenschaft, mit der natürliche Personen Geschäfte machen kann. Zwar ist sie das Etikett „Pumpverein“ nicht los, schon weil viele ihrer Kunden eben Postler sind oder waren. Gleichwohl ist der Imagewechsel längst eingeleitet. Die PSD Bank tritt verstärkt aus ihrer angestammten Nische und sieht sich heute als „beratende Direktbank“. Gemessen an dieser Bezeichnung konkurriert sie nicht mit Volksbanken oder Raiffeisenbanken, deren Bundesverband sie angehört, sondern eher mit anderen Direktbanken wie der ING-Diba, die lange Zeit mit ihrem attraktiven „Extra-Konto“ monatlich rund 100.000 Neukunden anlockte. Gleichwohl sieht die PSD selbst sich weder in der einen noch in der anderen Ecke.
Verzicht auf Filialnetz - Kontakt per Brief, Fax, Telefon oder Internet
Die Bank pflegt weiterhin die altbekannte Regel, bei den verschiedenen Spar-Produkten und bei Krediten etwas attraktiver zu sein als andere. Das kann sie, weil sie wie die ING-Diba auf ein teures Filialnetz verzichtet. Sie unterhält an ihrem Stammsitz in Eschborn einen Schalter sowie in Erfurt ein reines Beratungsbüro. Wer als Kunde nicht nach Eschborn kommen kann, tritt per normalem Brief oder Fax, telefonisch oder über Online-Banking mit der PSD Bank in Kontakt. Wer bei ihr ein Giro- oder Sparkonto hat, kann mit der dazugehörenden Karte bei allen Volks- und Raiffeisenbanken, die am sogenannten Bankcard-Servicenetz hängen, am Automaten Geld ziehen. Zwar wird dabei eine Gebühr fällig, doch diese von der PSD Bank umgehend erstattet, wie der Sprecher versichert. Wieviel sich auf dem Giro-Konto befindet, teilt die Bank monatlich mit, wenn Geld abgehoben oder eingezahlt wurde; ansonsten viermal im Jahr. Zu Sparkonten verschickt sie zweimal im Jahr einen Auszug.
Ein Konto eröffnen, einen Sparbief zeichen oder einen Kredit aufnehmen werden kann bei ihr übrigens nicht jeder. Vielmehr ist ist das Geschäftsgebiet der PSD Bank Frankfurt klar abgegrenzt: Es umfaßt Hessen und Thüringen. Wenn zum Beispiel ein Sparer in Hamburg nach einem Streifzug über die Internetseiten des Instituts meint, dort richtig zu sein, und in Eschborn anfragt, wird er weitergereicht: an die PSD Bank Nord. Denn nicht nur in Frankfurt war seinerzeit ein Post-, Spar- und Darlehensverein ins Leben gerufen worden. Und im Verbund der Nachfolgeinstitute gilt bis heute das Regionalprinzip.
Dessenungeachtet hat die PSD Bank Frankfurt gute Gründe, an die Öffentlichkeit zu treten. Anders als das Eigenkapital, die Bilanzsumme und das Volumen der Einlagen, die zuletzt jeweils um knapp fünf Prozent wuchsen, ist die Zahl der Kunden rückläufig. Sie ging laut Geschäftsbericht von 2002 auf 2003 um knapp zwei Prozent von 98.733 auf 96.922 zurück und liegt aktuell niedriger. Auch verliert das Institut an Mitgliedern, die Anteile an der Genossenschaft halten. So bemüht sich die Bank, das Kürzel PSD per Radio- und auch Fernsehwerbung als Marke aufzubauen: „persönlich-sicher-direkt“. Mit dem Ziel, mittelfristig den Aderlaß zu stoppen und sich neue Kundenschichten zu erschließen.

