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Kreditinstitute Commerzbank schafft Stellen und wirbt um Privatkunden

14.02.2007 ·  Die Commerzbanker erhalten eine Sonderzahlung, weil 2006 das beste Jahr in der Geschichte der Bank war. Bis 2009 will das Kreditinstitut rund 800.000 neue Privatkunden gewinnen. 700 neue Vertriebsstellen sind geplant und eine Filiale in Dubai.

Von Christian Siedenbiedel
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Die Commerzbank will am 17. März, einem Samstag, bundesweit möglichst flächendeckend ihre Filialen öffnen. Das gab das Unternehmen bei der Jahrespressekonferenz bekannt. Man befinde sich zur Zeit in Gesprächen mit den örtlichen Betriebsräten, sei aber zuversichtlich, eine Einigung zu finden, sagte Vorstandsmitglied Achim Kassow. Die Bank betrachte das als einen Testlauf. Eine regelmäßige Samstagsöffnung ließen die tarifvertraglichen Regelungen derzeit nicht zu. Dem Manteltarifvertrag entsprechend werde man den Mitarbeitern einen Lohnzuschlag von 50 Prozent für diesen Tag zahlen, sagte Kassow.

„Wir werden gucken, wie Betriebsräte, Mitarbeiter und Kunden reagieren“, kündigte Kassow an. Zunächst sei der Tag als „Überlaufventil“ gedacht, weil die Bank so viele Anfragen für Beratungstermine habe, dass sie diese gar nicht mehr von Montag bis Freitag abarbeiten könne. „Wenn das Ganze ein Erfolg wird, werden wir das öfter anbieten“, sagte Kassow. An Vorschriften für Ladenöffnungszeiten seien die Banken als Dienstleister ohnehin nicht gebunden. Eine Öffnung an Adventswochenenden schloss Kassow gleichwohl schon jetzt aus: „Dann wollen die Leute ihr Geld lieber ausgeben, da geht keiner zur Beratung zur Bank.“

Mehr Wettbewerb bei den Öffnungszeiten

Über die genauen Öffnungszeiten für den 17. März solle an jedem Standort getrennt entschieden werden. Bundesweit wolle man das Projekt aber mit Fernsehspots bewerben. Bislang gebe es zwischen den Banken wenig Wettbewerb bei den Öffnungszeiten, auch die Liberalisierung beim Ladenschluss habe daran wenig geändert: „Die meisten Banken öffnen immer noch von 8.30 Uhr bis 16 Uhr und donnerstags bis 18 Uhr, selbst die Mittagspausen machen viele parallel.“ Lediglich die Postbank und einige Bankshops in Supermärkten öffneten seines Wissens bislang an Samstagen: „Aber bei der Postbank müssen Sie dann in einer Schlange mit den Paketabholern stehen, das will auch nicht jeder.“

An eine Verlängerung der Öffnungszeiten an Wochentagen abends denke die Commerzbank derzeit nicht. „Das hat sich ohnehin entkoppelt“, sagte Kassow. „Die Berater kommen natürlich längst auch schon abends zu Ihnen nach Hause.“ Die Öffnungszeiten in der Filiale seien deshalb vor allem für die Laufkundschaft wichtig. Auch Geld abheben am Automaten könne man ja längst rund um die Uhr.

Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller konnte für das abgelaufene Geschäftsjahr das beste Ergebnis in der Geschichte der Commerzbank vorstellen, auch den bisherigen Rekord aus dem Jahre 2000 habe man überbieten können. Der Konzernüberschuss betrage nach vorläufigen, noch nicht testierten Zahlen 1,597 Milliarden Euro. Das seien rund 35 Prozent mehr gewesen als im Vorjahr. Dem Aufsichtsrat werde der Vorstand vorschlagen, die Dividende von 50 Cent um die Hälfte auf 75 Cent je Aktie zu erhöhen. „Das entspricht einer Dividendensumme von 493 Millionen Euro, die, abgesehen von dem Sonderfall des Jahres 2000, unsere bislang höchste Ausschüttung darstellt“, sagte Müller. Im Jahr 2000 hatte die Commerzbank ihre Direktbanktochter Comdirect an die Börse geführt und die Aktionäre an den erzielten Erträgen beteiligt, zu 80 Cent Dividende gab es damals 20 Cent Bonus.

Bonus für die Angestellten

Für die Mitarbeiter will die Commerzbank wegen des guten Ergebnisses einen höheren Bonus ausschütten. Dieser werde leistungsbezogen verteilt, so Müller. Im bankweiten Durchschnitt soll es sich um ein dreiviertel Monatsgehalt handeln. Die einzelnen Tarifangestellten könnten jedoch bis zu zwei Monatsgehälter zusätzlich erhalten.

Auch der Commerzbank hat, wie anderen Instituten am Finanzplatz, das Abflachen der sogenannten Zinsstrukturkurve Schwierigkeiten bereitet. Damit ist gemeint, dass die Zinsen für langfristige Anlagen nicht mehr deutlich über denen für kurzfristige Anlagen liegen und die Bank damit aus der sogenannten Fristentransformation, dem Sammeln und längerfristigen Anlegen von Kundengeldern, zumindest auf einigen Geschäftsfeldern nicht mehr so viel verdienen konnte wie früher. Einschließlich der übernommenen Eurohypo habe sich der Zinsüberschuss im sogenannten Pro-forma-Vergleich aber zumindest auf dem Vorjahresniveau gehalten, sagte Müller. Er lag bei 3,92 Milliarden Euro. Kräftig gewachsen ist hingegen der Überschuss aus Provisionen etwa für Wertpapiere. Er lag bei 2,86 Milliarden Euro, 18,5 Prozent über dem Vorjahresergebnis.

Im Privatkundengeschäft will die Commerzbank in den nächsten Jahren kräftig zulegen. Bis 2009 sollten im Filialgeschäft und für die Direktbank Comdirect rund 800.000 neue Kunden gewonnen werden. Der Auftakt dafür sei schon vielversprechend, meinte Müller: Seit Mitte Oktober vorigen Jahres habe die Bank allein im Filialgeschäft durch Produkte wie das Null-Euro-Konto netto mehr als 90.000 Kunden gewinnen können. Die Gesamtkundenzahl habe zum Jahreswechsel bei 5,15 Millionen gelegen, allein im Januar seien 32.000 weitere hinzugekommen.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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