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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Konsumgütermesse Du bist Koch, toll

10.02.2007 ·  Auf der Konsumgütermesse „Ambiente“ schwärmen alle von Jamie Oliver. Kochen bleibt in Mode, bloß Töpfe verkaufen sich schlecht. Um drei Prozent ist 2006 der Jahresumsatz im Fachhandel für Hausrat zurückgegangen.

Von Jacqueline Vogt
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Wenn heute Nachmittag der britische Koch Jamie Oliver in der Frankfurter Jahrhunderthalle mit seiner Show auf die Bühne geht, hat er in der Stadt schon einiges getan. Gestern hat er die Konsumgütermesse „Ambiente“ eröffnet, heute Morgen in Ardi Goldmans „25 hours“-Hotel an der Hanauer Landstraße Bücher signiert. Oliver hat ungezählte Fans und einen gehörigen Anteil am noch immer wachsenden Markt rund um Pastakurse, Weinabende und Seafood-Seminare. Die Haushaltswarenbranche, die sich gerade auf der „Ambiente“ versammelt, profitiert vom anhaltenden Boom des Themas „Essen“ aber wenig.

Ob Fernsehkoch oder lokale Größe – mit einem ambitionierten Gastronomen zu sprechen, der nicht Unterricht gibt, ist schwerer, als einen zu finden, der sich öffentlich für Convenience-Produkte stark macht. Ketten und Individualisten, alle wollen dabei sein, alle können etwas bieten. Der Sterne-Koch etwa einen Einblick in eine Küchenpraxis, die den meisten daheim viel zu aufwendig ist. Angebote in Hotelküchen sind beliebt, weil in diesen meistens sehr großzügig mit der Ware umgegangen wird. Manche Köche, wie Franz Keller von der „Adlerwirtschaft“ in Eltville-Hattenheim, haben lange nicht mitgemacht bei dem Kursus-Hype. Doch seit ein paar Monaten macht auch er seine Küche auf. „Kochtage“ nennt Keller die Treffen, bei denen Hobbyköche unter Anleitung acht Gänge gemeinsam zubereiten.

Jamie Oliver als Leitbild

Auf dem Flugplatz Egelsbach landet einmal im Monat der Bayer Alfons Schuhbeck, und von seinen Kochkursen bezieht das nach ihm benannte Lokal dort („Schuhbeck’s Check Inn“) einen großen Teil seiner Attraktivität. In Mainz hat Frank Buchholz, der in Unna als einer der ersten bekannten Köche in Deutschland eine Kochschule betrieb, vor gut anderthalb Jahren eine zweite eröffnet. In Küchenstudios wird gekocht, sogar in Möbelhäusern. Für die Veranstaltungen bei Meiser in Hanau gibt es ein ganzes Heft.

„Die Gäste sind viel interessierter als noch vor ein paar Jahren“, sagt André Großfeld, Küchenchef im Lokal „Leib & Seele“ in Friedberg. Kochkurse bei ihm seien fürs ganze Jahr ausgebucht. Seine Teilnehmer, sagt Großfeld, der 2006 einen ersten Michelin-Stern bekam, schwärmten alle von Jamie Oliver. Prominente Köche, meint der Friedberger, der seit kurzem ebenfalls im Fernsehen kocht (im HR), nutzten der ganzen Branche. Ctefan Wohlfeil, Präsident des Verbands der Köche (in seinem Namen ist kein Schreibfehler enthalten, sondern ein von ihm gewähltes „Alleinstellungsmerkmal“), sieht das ähnlich. „Vor 20 Jahren traute man sich in Kochklamotten nicht vor die Tür. Heute heißt es: ,Du bist Koch, toll.‘“

An Jamie Oliver schätze er dessen soziales Engagement für benachteiligte Jugendliche und für das Essen in Schulkantinen, sagt Wohlfeil. „Es wäre gut, wenn sich bei uns jemand als Leitbild für dieses Thema zur Verfügung stellte.“ Zu tun gebe es auf diesem Feld mehr als genug. Köche, die nicht Oliver-Fans sind, gibt es ebenfalls, vielleicht auch mehr als genug.

Umsatz rückläufig

Gleichwohl hört man über ihn seltener böse Worte als etwa über seinen deutschen Freund und Kollegen Tim Mälzer, der heute in der Jahrhunderthalle mit von der Partie ist. Helmut Weber, der in Frankfurt im „Cri-Cri“-Haus nahe der Hauptwache die Kochbuchhandlung führt, spricht im Zusammenhang mit Oliver von einem hohen Aufmerksamkeitswert. Den ganz großen Ansturm auf die Bücher des Briten gebe es nicht mehr. Stark beachtet würden sie aber nach wie vor. Gerne würden sie von Frauen gekauft, auch älteren, „meistens von Leuten, die etwas vom Kochen verstehen“.

In die Jahrhunderthalle geholt hat Jamie Oliver der Konzertveranstalter Argo, der bisher vor allem in Süddeutschland und in den neuen Ländern aktiv ist. Die Zusammenarbeit mit dem Management des Briten sei Teil des Plans, „uns überregional zu etablieren“, sagt Argo-Mitarbeiter Klaus Fischer. Professionell sieht er solche Kochshows als Teil des Veranstaltungs-Marktes. Als Privatmann vermutet er hinter der Bereitschaft des Publikums, jemandem zuzujubeln, der auf der Bühne Nudeln macht und Essig und Öl zu Vinaigrette mischt, Sehnsucht – nach dem Atmosphärestiftenden, das dem Kochen innewohnt und das zunehmend weniger Leute erlebten, weil sie dafür keine Zeit hätten.

Im Winter 2005 war Jamie Oliver schon einmal in Frankfurt, damals mit einer Show für geladene Gäste in der Commerzbank-Plaza und in einem Kaufhaus, in dessen Geschichte dieser Tag als ein besonders besucherstarker eingegangen ist. Oliver warb und wirbt für Tefal-Produkte, und die sollen sich gut verkaufen. Für Töpfe, Pfannen und andere Küchenutensilien insgesamt gilt das offenbar nicht. Um noch einmal drei Prozent war 2006 der Jahresumsatz im Fachhandel für Hausrat und Glas, Porzellan, Keramik rückläufig. Dieser Tage endet wieder ein Räumungsverkauf eines alteingesessenen Händlers: Kein Hausrat mehr, heißt es jetzt auch bei „Bürsten Schmidt“ in Neu-Isenburg.

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Jahrgang 1962, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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