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Körperscanner Wiesbadener suchen die Bombe am Körper

04.01.2010 ·  Mit Smiths Heimann ist in Wiesbaden ein weltweit aktiver Anbieter von Technologien für Sicherheitskontrollen an Flughäfen und Seehäfen ansässig. Auch Körperscanner bieten die Wiesbadener an.

Von Jochen Remmert, Wiesbaden
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Das Wort Nacktscanner hören die Experten von Smiths Heimann in Wiesbaden nicht gerne. Doch angesichts des seit dem vereitelten Attentat von Detroit sprunghaft gestiegenen Interesses an einem ihrer neuesten Produkte nehmen sie die umgangssprachlich verkürzte Umschreibung des Abtastens von Personen mit Millimeterwellen, die Kleidung ungehindert durchdringen, gelassen in Kauf.

Vor ziemlich genau einem Jahr hatte die Smiths Detection Group, zu der die Wiesbadener seit der Eingliederung der Heimann Systems in die britische Gruppe im Jahr 2002 gehören, erstmals ihr Produkt Eqo, so der Name des Personenscanners, präsentiert. Damals gab es aber in allen politischen Parteien in Deutschland eine tiefe Skepsis, von einer inakzeptablen Überschreitung der Schamgrenzen war die Rede, das Thema schien zumindest für Deutschland beendet.

Intimsphäre der kontrollierten Passagiere

Mit dem Attentatsversuch des mutmaßlichen Al-Qaida-Anhängers aus Nigeria, der am ersten Weihnachtstag Komponenten für eine Bombe am Bein und in der Unterhose unentdeckt an Bord eines Passagierflugzeuges bringen konnte, ist die Diskussion um die flächendeckende Einführung solcher Geräte bei der Fluggastkontrolle nun auch hierzulande wieder in Gang gekommen, vehementer als je zuvor. In den Vereinigten Staaten, in Russland und in Australien sind die Scanner schon verbreitet im Einsatz, die Niederlande, Großbritannien, Nigeria und Italien planen inzwischen eine schnelle Einführung.

Video: Schiphol will Körperscanner für Amerika-Reisende einführen

Smiths Detection macht sich dabei Hoffnungen, ein Gutteil der Aufträge von Flughäfen zu bekommen, denn außer der Gruppe sind nur mehr zwei Anbieter weltweit in der Lage, solche Geräte alsbald zu liefern, nämlich Rapiscan und L-3, beides amerikanische Häuser. Zurzeit hat Smiths Detection noch keine großen Stückzahlen dieser Eqo-Scanner produziert, wie der für Strategie und Kommunikation zuständige Manager Bernhard Semling der F.A.Z. sagte. Zusammen mit dem Werk im irischen Cork seien die Wiesbadener aber in der Lage, innerhalb weniger Wochen nach Ordereingang zu liefern. Den Wiesbadenern fällt dabei, neben der Produktion einiger Bauteile, die Endmontage dessen zu, was die Kollegen in Cork hergestellt haben. Vor allem aber sind in Wiesbaden die Softwareentwickler der Gruppe tätig. Deren Programme können interpretieren, was die Geräte mit Hilfe von Millimeterwellen erfassen, wie Semling sagt. Smiths Detection habe sich bei der Entwicklung mehr Zeit als die Konkurrenz genommen, weil man das Thema der Intimsphäre der kontrollierten Passagiere rasch als heikel erkannt habe. Deshalb habe man ein System entwickelt, das selbständig verdächtige Dinge erkenne.

Wellen vom Körper reflektiert

Der Sicherheitsmitarbeiter bekommt den Angaben zufolge so nur die Silhouette einer Person zu sehen, an der die auffällige Körperpartie beispielsweise mit einem roten Rahmen gekennzeichnet wird. Erst wenn ein solcher Rahmen auftaucht, muss sich der betreffende Fluggast einer weiteren Kontrolle unterziehen.

Eine Strahlenbelastung entsteht dabei nach Auskunft der Sicherheitsexperten weder für den Passagier noch für den Mitarbeiter an der Kontrollstation. Das sei nur bei Systemen der Fall, die auf Röntgenstrahlen basierten, sagt Semling. In seinem Haus verwende man wegen dieser Belastung für Personenkontrollen keine Röntgentechnologie. Bei Smiths Detection erhalte das System die Informationen als Echo eines elektromagnetischen Signals, dessen Intensität weit unter dem eines Handys liege. Die Wellen würden vom Körper des Fluggastes reflektiert. An ihm befestigte Gegenstände ebenfalls, aber mit anderer Frequenz. So würden diese als Fremdkörper erkannt. Entscheidend ist dabei die Software, die diese Signale interpretiert, wie Semling weiter erläutert.

Ganze Sattelschlepper durchleuchtet

Die Scanner von Smiths Detection sind zurzeit in der behördlichen Prüfungsphase. Ob es schon Bestellungen aus Deutschland gibt, sagt der Manager nicht. Gleichwohl ist von großen deutschen Flughäfen zu hören, dass man auch in dieser Sache in ständigem Kontakt mit den Wiesbadener Sicherheitsexperten stehe. Das ist schon deshalb selbstverständlich, weil beispielsweise auch am Frankfurter Flughafen überall dort Geräte von Smiths Heimann im Einsatz sind, wo es um die Kontrolle von Fracht und Gepäck geht. Smiths liefert Technologie, mit der man Briefe auf möglichen explosiven Inhalt untersuchen kann, wie auch Anlagen, mit denen ganze Sattelschlepper sozusagen durchleuchtet werden können.

Um genug dieser weltweit nachgefragten Röntgenprüfsysteme bauen zu können, hat die Gruppe erst im Sommer 2008 in Wiesbaden eine weitere Produktion auf 4.000 Quadratmetern in Betrieb genommen. An nun drei Standorten in der Landeshauptstadt arbeiten zurzeit rund 600 Männer und Frauen. Weltweit zählt Smiths Detection 2.400 Mitarbeiter.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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