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Katastrophensommer Den Kinos bleiben die Besucher aus

25.09.2003 ·  Für die Kinos ist der Sommer offenbar außerordentlich schlecht verlaufen. Einen Umsatzeinbruch um 12,1 Prozent meldet die Filmförderanstalt in Berlin, die bundesweit Statistik führt, bei den Frankfurter Lichtspielhäusern für das erste Halbjahr 2003.

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Für die Kinos ist der Sommer offenbar außerordentlich schlecht verlaufen. Einen Umsatzeinbruch um 12,1 Prozent meldet die Filmförderanstalt in Berlin, die bundesweit Statistik führt, bei den Frankfurter Lichtspielhäusern für das erste Halbjahr 2003. Der Rückgang ist noch stärker als im ohnehin katastrophalen Bundesdurchschnitt. Die Zahl der Besucher sank um 6,9 Prozent, auch der Durchschnittspreis für in Frankfurt verkaufte Kinokarten gab den Angaben zufolge um 5,5 Prozent auf 5,89 Euro je Stück nach. Ein Grund für den Preisverfall mag der starke Wettbewerb im Rhein-Main-Gebiet gewesen sein: Seit 1999 hat die Zahl der Kinosäle in der Stadt von 42 auf 61 zugenommen. Mehrere Jahre lang stieg mit dem größeren Angebot auch die Besucherzahl: von 1,5 Millionen im Jahr 1999 auf 2,4 Millionen im vorigen Jahr. Zum ersten Mal kam es jetzt zum drastischen Einbruch.

"Der Mai und der Juni sind immer eine schwierige Zeit", sagt Jan Oesterlin von der Kinokette "Kieft und Kieft", die in Frankfurt das "Metropolis" im früheren Volksbildungsheim am Eschenheimer Tor betreibt. "Wenn das schöne Wetter kommt, machen die Leute lieber etwas draußen. Aber wir hatten gehofft, daß es zumindest von Juli an besser werden würde." Vergeblich: Weder "Terminator III" noch "Drei Engel für Charly" hätten die dringend benötigten Eintrittsgelder in die Kassen gebracht. Das operative Ergebnis der Gruppe zum 30. Juni soll um 50 Prozent eingebrochen sein, in der Verwaltung wird Personal abgebaut, mit den Vermietern wird über niedrigere Raummieten verhandelt. Wieviel Stellen in Frankfurt gestrichen werden sollen, dazu wollte Oesterlin nichts sagen, deutete aber an, der Standort sei nicht besonders betroffen. "Karlsruhe und Frankfurt sind unsere beiden stärksten Objekte." Eine Schließung stehe nicht zur Diskussion. Bei den Ufa-Kinos, zu denen auch der Turmpalast an der Großen Eschenheimer Straße mit seinem originalsprachlichen Programm gehört, habe man die Kosten schon bei der Übernahme im April gesenkt, bei den Mieten nachverhandelt und 50 Leute entlassen.

Auch beim Offenbacher Kino der "Cinemaxx"-Gruppe des Filmtheaterkönigs Hans-Joachim Flebbe, das 1999 eröffnet worden war, hat man den schlechten Kinosommer gespürt. "Wir verhandeln überall mit den Vermietern über niedrigere Mieten", sagt Cinemaxx-Sprecher Arne Schmidt. Personal entlassen wie Kieft & Kieft müsse man jedoch nicht. "Das Cinemaxx in Offenbach hatte einen schlechten Start", sagt Schmidt. Das Zentrum, in dem es untergebracht sei und zu dem auch die Discothek "Oberbayern" gehöre, sei zunächst nicht so gut angenommen worden. Das habe sich aber gebessert. Während der Vorbereitungszeit zum Irak-Krieg und während der Sommermonate habe man aber deutliche Dellen bei den Besucherzahlen gespürt. "Eine Schließung oder ein Verkauf stehen aber nicht zur Diskussion", sagt Schmidt.

Selbst den Marktführer im Rhein-Main-Gebiet, das "Kinopolis" im Main-Taunus-Zentrum (1,6 Millionen Besuchern in guten Jahren), verschont die Krise nicht. "Wir haben Federn gelassen, aber die Situation ist nicht existenzbedrohend", sagt Marcel Kurth von der Betriebsleitung. "Einen so starken Rückgang wie bei Kieft & Kieft kann ich für unsere Häuser allerdings nicht bestätigen." Er glaube, es mache sich stark bemerkbar, daß viele junge Leute die neuen Filme aus dem Internet herunterladen. "Das war ein Phänomen, das zuerst die Musikbranche getroffen hat, aber nun auch bei uns spürbar wird." Das Kinopolis müsse auch sparen. Es werde aber keine "einschneidenden Maßnahmen" geben: "Wir werden die Kosten für Energie senken, und über einen möglichst vernünftigen Personaleinsatz nachdenken."

Der Verdrängungswettbewerb hat längst eingesetzt. Dabei siegt nicht Groß gegen Klein, sondern Neu gegen Alt - die Zeit der theaterartigen Kinopaläste scheint ebenso vorbei zu sein wie die der mittelständischen Kleinstadtkinos. Nach der Eröffnung des Cinemaxx schloß in Offenbach das Gloria-Kinocenter. In Frankfurt wurde das Traditionskino "Royal" an der Schäfergasse, einst Flaggschiff der Ufa im Rhein-Main-Gebiet, nach der Übernahme durch die Betreiberin der "E-Kinos" an der Hauptwache, Gabriele Jäger, wegen Besuchermangels aufgegeben. Nach und nach hatte sich die Ufa auch vor der Insolvenz schon aus Frankfurt zurückgezogen: Das Olympia am Willy-Brandt-Platz, das seit längerem umgebaut wird, das Cinema am Roßmarkt und die Zeil-Kinos hatte der frühere Berliner Imax-Chef Frederik Hohrath übernommen. Er eröffnete auch das "Imax" in der Zeilgalerie unter dem Namen "Skylight" als Blockbuster-Kino.

Im Rheingau soll von 13 Kinos noch eines überlebt haben. Für die Programmkinos steht oft die Frage einer Unterstützung durch die jeweilige Gemeinde oder Stadt im Vordergrund der Finanzierungsüberlegungen - in Zeiten leerer Kassen häufig auch eine mehr als wackelige Grundlage.

In der Branche ist es ein beliebtes Spiel, zu orakeln, wen es wohl als nächstes treffen wird. Die einen wollen von besonderen Schwierigkeiten des "Metropolis" wissen. Den Film "Hollywood Cop" habe Kieft & Kieft in der ersten Runde aus Geldgründen gar nicht zeigen können und sei erst bei der billigeren Spätverwertung eingestiegen, heißt es. Andere berichten, das Griesheimer Cineplex an der Mainzer Landstraße habe es besonders schwer. Acht Säle mit 1900 Plätzen müsse man erst einmal füllen. Wieder andere in der Branche behaupten, Hohrath mit seinem Imperium aus nicht mehr ganz neuen Frankfurter Kinos bekomme nur noch Filme geliehen, wenn er im voraus zahle. Vieles davon mag übertrieben sein - es zeigt aber die Nervosität in einer Branche, in der in den vergangenen Jahren viel investiert worden ist - zu viel, sagen einige.

Auf die Filmverleiher ist in der Branche ohnehin niemand so richtig gut zu sprechen - sie hätten den Anteil an jeder Kinokarte, den sie beanspruchten, in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach oben getrieben. "So hoch wie in Deutschland ist der Anteil in keinem anderen Land", heißt es bei einer Kinokette. Zwischenzeitlich gab es gegen dieses Geschäftsgebahren sogar eine Art "Streik": Als "Hulk" anlief und der Verleiher 55 statt 51 Prozent haben wollte, boykottierten Cinemaxx und Cineplex den Film deshalb zunächst auf breiter Front. CHRISTIAN SIEDENBIEDEL

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