Die Frankfurter müssen sich keine Sorgen machen, dass im Gebäude von Karstadt an der Zeil eines Tages Leerstand droht. So jedenfalls sehen es die auf Vermietung von Einzelhandelsgeschäften spezialisierten Makler. Sie heben hervor, dass die Frankfurter Fußgängerzone nach wie vor zu den attraktivsten Einkaufsmeilen Europas zählt und von den Händlern Spitzenmieten gezahlt werden. Selbst wenn das Kaufhaus geschlossen werden sollte, ließen sich an einer solch exponierten Stelle neue Nutzungen finden, heißt es.
In der Branche wird angenommen, dass sowohl der Kaufhof an der Hauptwache wie auch das Karstadt-Haus in der Mitte der Zeil in ihren jeweiligen Konzernen nicht nur zu den umsatzstärksten, sondern auch zu den rentabelsten Filialen zählen. Karsten Burbach, Head of Retail Deutschland beim Maklerunternehmen CB Richard Ellis, kann sich daher sogar vorstellen, dass bei der Gründung einer „Deutschen Warenhaus AG“ beide Kaufhäuser erhalten bleiben. Schließlich gebe es auch von anderen Ketten mehrere Dependancen im Stadtkern. „Ich wäre sehr überrascht, wenn einer der beiden Standorte kurzfristig geschlossen würde“, sagte Burbach gestern über die Kaufhäuser. Auch Andreas Völker, Geschäftsführer von Atis Real Consult, hält ein Fortbestehen unter einem Konzerndach für möglich, sofern die Sortimente beider Häuser voneinander abgegrenzt werden, etwa dadurch, dass in dem einen Haus Premiummarken zu finden sind, im anderen günstigere Artikel.
Anderweitige Nutzung für Immobilie denkbar
Sollte das Karstadt-Haus aber doch aufgegeben werden, so würde sich für die Immobilie sicherlich eine andere Nutzung finden, meinen Burbach und Völker. Allerdings wird in Maklerkreisen hervorgehoben, dass dies dann lediglich für das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss gilt, vielleicht auch noch für das Untergeschoss und die zweite Etage – keinesfalls aber für die oberen Stockwerke. Für diese Ebenen komme beispielsweise ein Fitness-Studio in Frage oder der Umbau in Büroräume.
Außerdem sei es möglich, dass auch das Erdgeschoss in mehrere Ladenlokale aufgeteilt würde. Zwar sei die Nachfrage nach größeren Ladenflächen von mehr als 800 Quadratmetern nach wie vor hoch, doch selbst ein Esprit-Flagshipstore benötige nur 3500 Quadratmeter. Karstadt hat heute über mehrere Etagen eine Verkaufsfläche von 33 000 Quadratmetern. Karstadt eine Bauruine? „Das wäre doch Verschwendung“, meinte gestern ein Makler. Völker versicherte, es gebe durchaus noch Handelsketten, die in Frankfurt nicht vertreten seien, die auch nicht in ein Einkaufszentrum gehen wollten. Das Karstadt-Haus gehört Völker zufolge einer britischen Fondsgesellschaft.
Langlebiges Gerücht: Sortimente sollen höherwertiger werden
Übereinstimmung herrscht in der Branche, dass der Kaufhof-Bau in einem besseren Zustand ist als das von Karstadt genutzte Gebäude. Der Kaufhof ist erst kürzlich modernisiert worden, für Karstadt hingegen war es bei Ankündigungen geblieben. Der Plan, es zu einem Luxuskaufhaus aufzuwerten, wurde nicht verwirklicht. Zudem gilt die Lage des Kaufhofs an der Hauptwache als besser. Für das Karstadt-Haus wiederum spricht die Verbindung mit einem Parkhaus, außerdem die größere Verkaufsfläche. Traditionell machen die Konzerne keine Angaben über die Umsätze, geschweige denn über den Gewinn der einzelnen Häuser.
Kaufhof soll nicht zuletzt durch das „Galeria“- Konzept stärker sein, also die Hergabe von Ladenflächen für Produkte bestimmter Marken. Damit nähert sich der Kaufhof schon dem Konzept eines Einkaufszentrums an. Seit langem war sowohl bei Kaufhof wie auch bei Karstadt an der Zeil zu hören gewesen, dass die Sortimente höherwertiger werden sollen. Das ist zum Beispiel bei den Lebensmittelabteilungen auch gelungen. Bei der Bekleidung scheint eine Schwierigkeit darin zu bestehen, dass hochwertige Marken bereits in den zahlreichen Textilkaufhäusern der Fußgängerzone angeboten werden und die Hersteller daher nicht geneigt sind, auch noch deren Konkurrenz zu beliefern.

