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Jahresbilanz Messe Frankfurt wächst auch im Inland wieder

Dieses Jahr hat die Messe Frankfurt so viel umgesetzt wie noch nie. Der Ertrag hält mit den Erlösen aber nicht Schritt. Deshalb will der Vorstand das Unternehmen profitabler machen.

© Hoang Le, Kien Vergrößern Exportschlager: Die Zulieferermesse Automechanika findet 2013 erstmals auch in Indien statt.

Wenn ein Unternehmen davon schwärmt, eine „Schallmauer“ durchbrochen zu haben, dann ist meist eine runde Zahl gemeint. So verhält es sich auch im Fall der Messe Frankfurt. Das Unternehmen, hinter dem die Stadt und das Land Hessen stehen, wird bis Jahresende nicht nur erstmals mehr als 500 Millionen Euro umsetzen - und damit mehr als jemals eine Messegesellschaft aus Deutschland erreicht hat. Die Erlöse dürften sich sogar auf 540 Millionen Euro summieren. Das sind 15 Prozent mehr als im Vorjahr und 40 Millionen Euro mehr als erwartet, wie Wolfgang Marzin, der Vorsitzende der Geschäftsführung, und Finanzchef Klaus Münster-Müller am Donnerstag bei der Vorlage der vorläufigen Bilanz hervorhoben.

Aufwärts ist es binnen Jahresfrist auch mit der Zahl der Mitarbeiter im Messe-Konzern gegangen: Sie stieg um 166 auf 1891. Auf den ersten Blick ist auch der Gewinn aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit geklettert: von 34,5 Millionen Euro auf rund 42 Millionen Euro. Allerdings zieht das Unternehmen selbst zum Vergleich das operative Ergebnis aus dem Jahr 2010 heran, in dem es ebenso wenig wie in diesem Jahr die Automobilmesse IAA gab. Und 2010 erwirtschaftete die Messegesellschaft ebenfalls rund 42 Millionen Euro.

29 Millionen Euro Gewinn vor Steuern

Zudem belastet in diesem Jahr eine Sonderzahlung den Gewinn. Die Messe Frankfurt hat sich für 13 Millionen Euro aus einem sogenannten Cross-Border-Leasing-Geschäft mit einem Investor aus den Vereinigten Staaten und den beteiligten Banken herausgekauft. Im Jahr 2000 hatte die Messe laut Münster-Müller von dem Partner 28 Millionen Euro erhalten, der von ihr Hallen zuzüglich Gelände übernahm und durch dieses Geschäft Steuern sparen konnte. Der Finanzchef wies darauf hin, dass die Messe in Summe mit einem Plus von 15 Millionen Euro aus diesem Geschäft gegangen sei. Diese 15 Millionen Euro verteilen sich jedoch auf 13 Jahre. Die nun zu verbuchende Sonderbelastung drückt den Gewinn vor Steuern auf 29 Millionen Euro.

Angesichts dessen könne die Messe ihre Gesellschafter wieder am Gewinn beteiligen, falls diese es beschließen sollten, meinte der Finanzchef lächelnd. Tatsächlich geht die Geschäftsführung davon aus, dass das Unternehmen wieder eine Dividende zahlen wird. Es seien 13 Millionen Euro eingeplant, so wie in den Vorjahren. Trotz der guten Ertragslage will die Geschäftsführung den Fokus darauf legen, künftig mehr Gewinn zu erwirtschaften.

Umsatz in Nord- und Südamerika stieg um fast ein Viertel

Wie Marzin und Münster-Müller weiter ausführten, bleibt das Ausland der Wachstumstreiber. Die Tochterfirmen der Messe steuerten demnach insgesamt 169 Millionen Euro an Erlösen bei - ein Plus von 28 Prozent oder 37 Millionen Euro im Vergleich zum vergangenen Jahr. Allein die Messe Frankfurt Asia Holding sei auf 105 Millionen Euro gekommen nach 82 Millionen Euro im Vorjahr. Der Umsatz in Nord- und Südamerika wuchs demnach um fast ein Viertel auf 21 Millionen Euro. Die Messe profitierte dabei von der zwischenzeitlichen Abwertung des Euro zum Dollar und zu asiatischen Währungen, durch die bei der Umrechnung mehr Euro anfielen. Geschäftsführer Detlef Braun, zuständig für Konsumgüterschauen und die Zulieferermesse Automechanika, sagte, das Amerika-Geschäft sei hochprofitabel.

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Wie Marzin betonte, schreibt jede Auslandstochter schwarze Zahlen. Finanzchef Münster-Müller ergänzte auf Nachfrage, der Gewinn der Messe verteilte sich in etwa zu gleichen Teilen auf das Inlands- und das Auslandsgeschäft. Anders gesagt: Die Auslandstöchter sind profitabler als das Inlandsgeschäft, das aber nach Jahren der Stagnation wieder leicht zulegen kann. Der Umsatz wird laut Prognose bis Jahresende etwa 369 Millionen Euro erreichen, das sind 34 Millionen Euro mehr als 2011. Das Frankfurter Stammhaus verbesserte sich von etwa 270 Millionen Euro auf rund 295 Millionen Euro - auch dank neuer Schauen wie der Solarmesse namens EU PVSec und der von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) im Frühjahr erstmals angebotenen Land & Genuss.

Während die DLG im nächsten Jahr wieder zu ihrer Veranstaltung einladen will, verabschiedet sich die Messegesellschaft von der Maintier. Marzin begründete den Rückzug mit dem mangelnden Interesse an der Messe, die zuletzt nur 9000 Besucher angezogen habe. In einer Vorschau auf 2013 sagte Braun, die Leitmesse Heimtextil werde mehr Fläche und Aussteller bieten als zuletzt. Die Frühjahrsmesse Ambiente sei „pickepackevoll“. Die schwächelnde Herbstmesse Tendence soll dagegen wie berichtet von fünf auf vier Tage verkürzt werden. Von einer Konzentration auf Wachstumsmärkte in Nord- und Osteuropa und auf den gehobenen Mittelstand an den Messeständen erhofft sich Braun einen wieder steigenden Zuspruch.

Quelle: F.A.Z.

 
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