25.02.2010 · Deutschlands zweitgrößte Bank kämpft an allen Fronten der Finanzkrise mit. Commerzbank-Vorstandschef Martin Blessing muss viel Optimismus aufbringen, wenn er 2010 das Jahr des Umschwungs nennt.
Von Tim KanningIn Frankfurt steht der Umzug noch bevor. Überall sonst in der Welt, wo die Commerzbank Investmentbanking betreibt, sind die Mitarbeiter schon mit jenen der übernommenen Dresdner Bank zusammengezogen, wie das für das Segment zuständige Vorstandsmitglied Michael Reuther auf der Bilanz-Pressekonferenz des Hauses in Frankfurt sagte.
In keiner anderen Geschäftssparte ist die Integration beider Häuser schon so weit fortgeschritten. Die Zahl der Mitarbeiter wurde von 3200 auf 1900 runtergeschraubt, die Mammutaufgabe der IT-Zusammenführung ist schon zu 70 Prozent abgeschlossen, und aus dem Markenauftritt sind Dresdner Bank und Kleinwort schon komplett verschwunden. Große Aufgaben stehen der Bank allerdings noch bevor, insbesondere die Zusammenlegung der Filialen, einiger Abteilungen in den Frankfurter Zentralen und der Computersysteme.
Talfahrt im Privatkundengeschäft
Dennoch wurden von den insgesamt für die Integration veranschlagten Kosten von 2,4 Milliarden Euro bereits für 2009 rund zwei Milliarden Euro angesetzt. Allein das operative Ergebnis im Privatkundengeschäft, das bei vielen anderen kleineren Geldhäusern im vergangenen Jahr beste Ergebnisse erzielt hat, ist bei der Commerzbank von 2008 auf 2009 um vier Fünftel eingebrochen. Zum einen wurde das mit der Zurückhaltung vieler Privatanleger bei Kapitalmarktgeschäften erklärt, zum anderen aber auch mit den hohen Integrationskosten. Dabei steht die tatsächliche Zusammenlegung der Geschäftsstellen von Commerzbank und Dresdner Bank, die einer der größten Kostenpunkte sein dürfte, zum großen Teil noch bevor. Der Eindruck entsteht, dass hier Kosten vorgezogen wurden, um im nächsten Jahr weniger Ausgaben in der Bilanz verbuchen zu müssen.
Wenn man drei schlechte Quartale hatte und für das vierte mit einer erhöhten Risikovorsorge rechnen muss, ist die Motivation, alles andere möglichst gut aussehen zu lassen, relativ gering, sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing. Hat Deutschlands zweitgrößtes Kreditinstitut sich mit seinem ausgewiesenen Verlust von 4,5 Milliarden Euro also ein bisschen schlechter gerechnet, um in diesem Jahr besser darstehen zu können?
Mittelstandsbank am profitabelsten
Wenn die Commerzbank dereinst wieder schwarze Zahlen ausweist, muss sie auch anfangen, die stillen Einlagen, die der Bund ihr zugestanden hat, zu bedienen. Allein die Zinszahlungen beliefen sich auf 1,5 Milliarden Euro. Da würde die Strategie, ein richtig schlechtes und dann wieder ein gutes Geschäftsjahr auszuweisen, Sinn ergeben.
Doch die Baustellen und Fallgruben rund um die Commerzbank bleiben vielfältig. Nahezu an allen Fronten, die sich in der Finanzkrise aufgetan haben, kämpft die Bank am Kaiserplatz mit. In Griechenland ist sie über die Eschborner Tochter Eurohypo mit 3,1 Milliarden Euro allein in Staatsanleihen investiert. Das Portfolio von amerikanischen Gewerbeimmobilien, die in der Rezession weiter an Wert verlieren, ist beachtlich. In der Ukraine macht die Beteiligung an der Bank Forum Sorgen, die von der Wirtschaftskrise dort hart getroffen ist. Und das große Buch an Schiffsfinanzierungen, das die gelbe Bank mit der Übernahme der grünen Bank ins eigene Haus geholt hat, dümpelt mit dem Welthandel vor sich hin.
Und dann ist da auch noch die Mittelstandsbank, die nach Worten des Vorstandschefs auch 2009 „unsere mit Abstand profitabelste Einheit“ war. Ob sie das auch bleiben wird, wenn in der andeuernden Wirtschaftskrise die Zahl der Insolvenzen steigen wird, steht dahin.
„Die Antwort ist: ja.“
Martin Blessing musste schon sehr viel Optimismus aufbringen, als er sagte: „2010 wird für uns das Jahr des Umschwungs.“ Einen Gewinn stellte er nur für den unwahrscheinlichen Fall in Aussicht, dass die „Entwicklung der Konjunktur und der Finanzmärkte sehr positiv verlaufen“ werde. Mit der Rückzahlung der Staatsgelder wolle man spätestens 2012 beginnen – und dann auch wieder ein operatives Ergebnis von vier Milliarden Euro erzielen. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.
Die Frage, ob ihm der Job als Commerzbank-Chef noch Spaß mache, beantwortete er so knapp und zerknirscht, dass der Tonfall mehr sagte als die Worte: „Die Antwort ist: ja.“