06.06.2010 · Am nächsten Mittwoch gehen wieder zehntausende Läufer in Frankfurt beim J.P. Morgan Corporate Challenge an den Start. Die Commerzbank stellt die größte Gruppe. Der schnelle „Eifel-Runner“ unter den Bankern tritt auch an.
Von Christian PalmSportlich gesehen hat die Commerzbank einen Ruf zu verlieren. Wie im vergangenen Jahr stellt sie am nächsten Mittwochabend die zahlenmäßig größte Mannschaft bei der J.P. Morgan Corporate Challenge, dem Firmenlauf in der Frankfurter Innenstadt. Knapp 2000 Läufer werden dort im Commerzbank-Dress an den Start gehen. Jörg Alffs Ziel ist es, wie schon dreimal zuvor, der schnellste Commerzbanker sein.
Der 46 Jahre alte IT-Experte ist es gewohnt, Leistung zu bringen. Seine Abteilung ist dafür zuständig, dass die Firmencomputer laufen, auch am Wochenende. Nebenbei ist Alff ehrgeiziger Läufer. Seine Marathon-Bestzeit liegt bei 2:37 Stunden. Der kurze Firmenlauf über 5,6 Kilometer ist für ihn aber mehr als eine Zwischenstation auf dem Weg zum Frankfurt-Marathon Ende Oktober. Gerade befindet er sich in einer Regenerationsphase, was aber nicht heißt, dass er nicht regelmäßig im Laufschritt am Mainufer unterwegs ist. Alff – Spitzname „der Eifel-Runner“ – möchte seine Bestzeit über die 5,6 Kilometer verbessern und seine Mannschaft weit nach vorne bringen.
70.000 Läufer
Weiter hinten im großen Getümmel der mehr als 70.000 Läufer wird Allfs Kollegin Olga Trokhina starten. Im Alltag sorgt sie mit dafür, dass die Bank jederzeit eine angemessene Liquiditäts- und Risikosteuerung zur Verfügung hat. Nach Feierabend geht sie nach Lust und Laune laufen, bevorzugt bei gutem Wetter, gerne auch mit Kollegen. Innerhalb der Bank dient der gemeinsame Sport dem Zusammenhalt und der Integration von Neueinkäufen. Trokhina zum Beispiel wird den Frankfurt-Marathon in einer Staffel mit früheren Dresdner-Bankern bestreiten. Ohne Ziele läuft auch sie nicht los: Drei Minuten schneller als im vergangenen Jahr möchte sie die Corporate Challenge bewältigen.
Wie die Commerzbank haben viele Unternehmen ein Interesse daran, dass ihre Mitarbeiter gemeinsam Sport treiben. Das fördert den Team-Geist und die Gesundheit der Angestellten, weiß Wirtschaftswissenschaftler Guido Friebel von der Universität Frankfurt zu berichten. Dass dadurch übermäßiger Leistungsdruck auf die Mitarbeiter ausgeübt wird, glaubt er hingegen nicht: „Im Allgemeinen ist ,Peer-Pressure‘ im Bezug auf Sport gesund, denn er hilft, den inneren Schweinehund zu überwinden,“ meint er.
Feier gut fürs Betriebsklima
Im Beruf wie auf der Strecke entwickeln die Führungskräfte den größten Ehrgeiz. Eine Befragung von Marathon-Läufern durch die frühere Investmentbank Dresdner Kleinwort ergab, dass die Bestverdienenden im Schnitt auch die Schnellsten sind. Das deckt sich mit Friebels Erfahrungen: „Mitarbeiter höherer Hierachiestufen sind tendenziell physisch stärker,“ sagt er. Beim Frankfurt-Marathon gibt es gar eine eigene Chef-Wertung für die Alpha-Tiere unter den Startern.
Außer dem Ehrgeiz, so schnell zu laufen, wie möglich, schätzt Alff am Firmenlauf die Gesellschaft seiner Kollegen: „Es macht einfach Spaß, mit ihnen zusammen zu laufen“, sagt er. Und auch die gemeinsame Feier danach sei dem Betriebsklima zuträglich.