30.01.2009 · Die Löhne und Gehälter sind zuletzt hierzulande so stark geklettert wie seit 1996 nicht mehr. Dies dient dem Handel. Er erlebt einen Imagewandel hin zur Stütze der Konjunktur, obwohl der Umsatz stagniert. Doch Hessens Einzelhandelspräsidenten Frank Albrecht wundert das nicht.
Die Löhne und Gehälter sind zuletzt hierzulande so stark geklettert wie seit 1996 nicht mehr. Dies dient dem Handel. Er erlebt einen Imagewandel, obwohl der Umsatz stagniert. Doch Hessens Einzelhandelspräsidenten Frank Albrecht wundert das nicht, wie er im folgenden Interview sagt.
Vor einem Jahr galt der Einzelhandel als Wachstumsbremse, nun preisen Volkswirte ihn als Konjunkturstütze. Was fällt Ihnen zu diesem Imagewandel ein?
Das ist einfach zu erklären. Der Einzelhandel hat etwa zehn Jahre mit Umsatzrückgängen oder Stagnation hinter sich. Wir haben am zurückliegenden Wirtschaftsaufschwung nicht teilgenommen. Das erreichte Niveau ist nichts, was man bejubeln kann – aber es kann kaum noch weiter absinken, weil Verbraucher viele Dinge brauchen und eben auch kaufen.
Die Bodenbildung, wie es so schön heißt, ist beim Umsatz also erreicht?
Ja genau. 2008 ist dank des guten Weihnachtsgeschäfts für den Handel glimpflich verlaufen. Jetzt lautet die spannende Frage, wie die Zahlen für den Januar und den Schlussverkauf ausfallen werden.
Sind Sie optimistisch?
Dieser Januar ist ein sehr schwieriger Monat, weil er wegen des Kälteeinbruchs niemanden zum Flanieren eingeladen hat. Das bedeutet einen Rückschlag.
Aber profitieren denn nicht Textilverkäufer von der Kälte?
Ja, aber die hatten ja zuvor erhebliche Rückgänge beim Umsatz zu beklagen. Vielleicht gibt dieses Wochenende noch einen Schub, so dass der Januar letztlich nicht zum Jubeln war, aber wir auch nicht am Abgrund stehen. Unter dem Strich ist der Einzelhandel eine der ganz wenigen Branchen, in denen derzeit Stabilität vorherrscht. Und es wird investiert.
Wie in der Region derzeit zu sehen ist!?
Richtig, in Weiterstadt entsteht ein Einkaufszentrum, auf der Zeil in Frankfurt wird eines gebaut. Es gibt eine gewisse Aufbruchstimmung. Denn man hat erkannt, dass man Innovationen bringen muss, damit die Kunden Spaß am Konsum haben. Und die neuesten Zahlen zur Verbraucherstimmung weisen darauf hin, dass es keine Kaufzurückhaltung gibt. Die jüngsten Lohnzuwächse und der Rückgang von Benzin- und Gaspreisen begünstigen dies. Hinzu kommt die Preissteigerungsrate von 0,8 Prozent in Hessen. Da muss man lange zurückblicken, um eine solch niedrige Zahl zu sehen.
Mit Blick auf den Einzelhandel ist stets vom Umsatz die Rede, aber selten vom Gewinn. Stimmt denn die Ertragskraft besonders der Kleinen in der Branche?
Die stimmt eher bei den Großen nicht. Riesige Preisabschläge und Personalkauf haben dort dazu geführt, dass die Ertragskraft immer niedriger geworden ist. Das haben die Großen mittlerweile erkannt. Der Kleinen profitieren mit Blick auf die Finanzierung davon, dass Sparkasse sowie Volks- und Raiffeisenbanken nahe am Mittelstand sind. Es gibt da keinen Investitionsstau, und das finde ich gut.
Was erwarten Sie vom Gesamtjahr?
Eine Prognose abzugeben ist schwierig. Ich rechne mit einem leichten Umsatzminus, und dann kann man sich nur noch überraschen lassen, falls es besser wird. Lassen Sie es mich so sagen: Finanzprodukte waren zuletzt teilweise Luftgeschäfte, Glücksspiel, unrealistisch – was der Einzelhandel verkauft, ist dagegen real. Das wissen die Kunden.
Absurder Titel! Absurdes Interview!
Robert Hamacher (harohama)
- 03.02.2009, 16:50 Uhr