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Insolventer Textilfarbenhersteller KPMG soll Investoren für Dystar suchen

01.10.2009 ·  Die Unternehmensberatung KPMG soll Investoren für den insolventen Textilfarbenhersteller Dystar suchen. Auch der Betriebsrat ist für einen Verkauf des Frankfurter Unternehmens, das seit Jahren unter asiatischer Billigkonkurrenz und einem schwachen Dollar leidet.

Von Thorsten Winter
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Über das weitere Schicksal des insolventen Frankfurter Textilfarbenherstellers Dystar könnte Ende nächster Woche mehr Klarheit herrschen. Die Unternehmensberatung KPMG ist mit der Investorensuche beauftragt worden, wie die F.A.Z. erfuhr. Der einst aus der Hoechst AG hervorgegangene Konzern hatte zu Wochenbeginn für seine drei deutschen Tochtergesellschaften Insolvenzantrag gestellt. Wie mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten, sind die Kassen der Dystar Holdings GmbH „komplett leer“; Gleiches gilt demnach für die Textilfarben GmbH, die sich um den Vertrieb kümmert, und die mit der Produktion befasste Textilfarben GmbH & Co. Deutschland KG.

Die Mitarbeiter hatten laut Betriebsrat in Frankfurt kurz vor den Insolvenzanträgen erfahren, dass sämtliche Zahlungen eingestellt würden. Zuvor war über einen Verkauf des Konzerns durch Platinum Equity spekuliert worden. Der Finanzinvestor hatte Dystar vor gut fünf Jahren von Aventis, BASF und Bayer erworben. „Der Name Dystar genießt in der Textilindustrie einen hervorragenden Ruf“, erklärte Platinum seinerzeit: „Wir haben großes Vertrauen in die Zukunft des Unternehmens.“ In Deutschland setzten die Amerikaner aber den Rotstift an. Wenige Wochen nach der Übernahme gab Platinum bekannt, den letzten Frankfurter Produktionsbetrieb von Dystar mit knapp 60 Mitarbeitern zu schließen, in der Zentrale 185 der 600 Stellen abzubauen und nicht zuletzt in Ludwigshafen mittelfristig 270 der 370 Arbeitsplätze und 260 der 650 Stellen in Leverkusen zu streichen.

„Das Überleben zu organisieren“

Das Textilfarbengeschäft leide unter Preisverfall durch asiatische Billiganbieter sowie unter hohen Rohstoffkosten. Hinzu kämen die Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar und der sinkende Umsatz, hieß es zur Begründung. An diesem Befund hat sich seitdem im Grundsatz nichts geändert. Nach Angaben von Branchenkennern kostet die Kunden ein hierzulande hergestelltes Kilogramm Textilfarbe drei Euro - die gleiche Menge aus Indien aber nur 25 Cent. Mit diesem Preisdruck aus Asien kämpfen außer Dystar auch Clariant und der amerikanische Mitbewerber Huntsman. Angesichts dessen müssen westliche Anbieter mit Innovationen, besserer Qualität und höherer Verlässlichkeit aufwarten als die Billigkonkurrenz, wie Experten meinen.

Für den Betriebsrat in Frankfurt stellt die Produktqualität ein Pfund dar, mit dem die hierzulande noch 1306 Mitarbeiter starke Dystar unter neuer Führung wuchern könnte. In der Branche gilt dies aber als schwierig. Wird der Großteil der in alle Welt exportierten Textilien doch hergestellt, wo billige Farben gemischt werden: in Asien. Hinzu kommt, dass zwar Markenhersteller zu den Produkten von Dystar oder Clariant greifen, für Massenware aber billige Farben verwendet werden. Dessen ungeachtet geht es laut Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters der Textilfarben GmbH, Miguel Grosser, zunächst darum, „das Überleben zu organisieren“. Auch sollen Kontakte zu Interessenten, die es vor der Insolvenz gegeben habe, wiederaufgenommen werden.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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