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Industrieparks In alten Klinkerbauten gedeihen junge Betriebe

11.07.2008 ·  Wenn es um Industrieparks geht, überstrahlt Höchst die Konkurrenz. Doch hat sich auch in Frankfurt-Fechenheim einiges getan: Auf dem Areal der Allessa-Chemie finden sich auch junge Unternehmen.

Von Thorsten Winter
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Wer auf der Hanauer Landstraße stadtauswärts fährt, stößt zur Rechten auf einen Zeugen der großen Tage der Chemieindustrie in Frankfurt: Ein rundes Schild mit einem Erlenmeyerkolben in der Mitte thront auf dem Rotklinkerbau – das Logo der Cassella, die jahrzehntelang dort residierte.

Das Unternehmen zählt zwar längst zur Wirtschaftsgeschichte, doch dreht sich auf dem weitläufigen Gelände nach wie vor alles um Chemie – oder besser: fast alles. Denn neben der Cassella-Nachfolgerin Allessa haben sich nach und nach junge Unternehmen auf dem Areal niedergelassen. Diese Firmen eint mindestens zweierlei: Sie haben nur am Rande etwas mit Chemie zu tun – und sie loben Standort und Vermieter.

Zentrale Lage, günstige Mieten

Sylvia Wojczewski zum Beispiel. Die promovierte Chemikerin, die gemeinsam mit Hüseyin Aygün die Biospring GmbH leitet, arbeitet schon im achten Jahr auf dem traditionsreichen Industriegelände. 1997 aus der Universität Frankfurt heraus ins Leben gerufen, zog das Biotech-Unternehmen vier Jahre später dorthin um und lernte das Umfeld schätzen. Grundsätzlich sei das Gelände mit seinem Mainhafen für einen Industriepark recht zentral gelegen und mit der Straßenbahn und dem Auto gut erreichbar. „Das war uns mit Blick auf die Mitarbeiter wichtig.“ Vor allem aber lobt die Chefin von 25 Frauen und Männern, die künstliche Genfragmente für Diagnostik und Therapie entwickeln und herstellen, das günstige Preis-Leistungs-Verhältnis am Standort.

Besonders die Mieten seien niedriger als anderswo in der Region. „Das war wichtig für uns, als wir angefangen haben, denn da hatten wir für hohe Mieten nicht wirklich Geld“, erläutert sie. Schließlich haben sie und ihr Geschäftspartner schon teure Labors zu unterhalten, die den hohen Anforderungen an die „Good Manufacturer’s Practice“ genügen, wie sie von der Europäischen Union und der Weltgesundheits-Organisation für die Produktion etwa in der Pharmaindustrie festgelegt worden sind. Darüber hinaus gefällt der geschäftsführenden Gesellschafterin die Übersichtlichkeit des Areals. Dort drohe ein kleines Unternehmen wie Biospring, anders als in anderen Industrieparks, nicht zwischen Betrieben großer Konzerne unterzugehen, meint sie.

Wulf Bentlage argumentiert ähnlich. Der Chef der mit mehreren Gründer- und Umweltpreisen dekorierten Geohumus International GmbH kann sich „keinen besseren Standort vorstellen“ als jenen in Fechenheim, wo der Hersteller eines stark wasserspeichernden Granulats im dritten Jahr produziert. Denn sein Büro an der Carl-Benz-Straße liegt nur einen Steinwurf vom Industriepark entfernt. Vor allem aber schätzt der Unternehmer die Flexibilität und Hilfsbereitschaft des Vermieters. So habe Allessa Geohumus etwa geholfen, rasch eine neue tonnenschwere Maschine an ihren Bestimmungsort auf dem Gelände zu verfrachten. Und das für vergleichsweise wenig Geld.

Lob für Fechenheim

Auch sei das Labor des Chemieunternehmens für Geohumus nutzbar, ohne darum viel Aufhebens machen zu müssen. Nicht zu vergessen die biologische Kläranlage, die Feuerwehr, den Werksschutz und die mit Notstromaggregaten gesicherte Stromversorgung. Eine solche Infrastruktur könnten Start-ups gar nicht bezahlen. Und viel Geld hat die 18 feste Mitarbeiter zählende Geohumus laut Bentlage auch gespart, weil die Firma bei Aufnahme der Produktion auf einen Tank zurückgreifen konnte, in dem der Rohstoff Acrylsäure lagert. Diesen gab es noch, weil dort schon früher Superabsorber hergestellt worden war, ein für Windeln verwendeter Stoff, den Geohumus jetzt mit Lavagesteinsmehl veredelt.

Im Wortsinne nahe lag es für Eduard Blesius, sich mit seiner 2007 gegründeten Corium Oberflächentechnik GmbH bei der Allessa einzumieten. Hatte er, der Mittel zur Veredlung von Schuhleder entwickelt, doch zuvor jahrelang bei diesem Unternehmen gearbeitet, das dem früheren Hoechst-Vorstand Karl-Gerhard Seifert gehört.

Seifert hatte nach seinen Worten durchaus von Anfang an im Sinn, aus dem Gelände einen Industriepark zu machen, auch wenn die bis 2001 zum Clariant-Konzern gehörende Allessa in den ersten Jahren der Eigenständigkeit etwa wegen starker asiatischer Konkurrenz andere Sorgen hatte, als Mieter zu finden. Nun freut er sich über Wachstum bei der Allessa und aufstrebende wie zahlende Mieter.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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