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Industriepark Infraserv Höchst tritt auf die Kostenbremse

Der Industrieparkbetreiber Infraserv Höchst will bis 2016 seine Kosten um 75 Millionen Euro senken. Die Folgen der Energiewende bereiten der Firmenleitung erhebliche Sorgen: „Das Umfeld wird zunehmend unkalkulierbar.“

© Wolfgang Eilmes Vergrößern Sparzwang: Der Industrieparkbetreiber Infraserv Höchst bekommt den Druck zu spüren, unter dem seine Kunden stehen.

Nach einem durchwachsenen Jahr mit einem Umsatzrückgang vor allem im Energiehandel verordnet sich der Frankfurter Industrieparkbetreiber Infraserv Höchst ein ehrgeiziges Kostensenkungsprogramm. In den nächsten drei Jahren sollen die Ausgaben um 75 Millionen Euro sinken, kündigte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Jürgen Vormann, am Mittwochabend an. Infraserv sehe sich ebenso wie Kunden einem wachsenden Wettbewerbsdruck ausgesetzt und wolle aus einer Position der Stärke heraus vorbeugend handeln, um weitere Kunden gewinnen zu können. „Wir müssen die Effizienzkarte spielen“, sagte Vormann.

Thorsten Winter Folgen:    

Ob Infraserv nach Abschluss dieses „Perspektive 2015+“ genannten Programms weniger Stellen bieten werde als derzeit, mochte Vormann nicht vorhersagen. „Unter sonst gleichen Bedingungen könnten es vielleicht weniger sein“, sagte er. Allerdings könnte die Zahl der Arbeitsplätze in der Infraserv-Gruppe, die das Unternehmen mit 2700 angibt, auch steigen - wenn die im vergangenen Jahr vorgestellte Expansionsstrategie funktioniert und Infraserv weitere Industrieparks betreiben kann.

Geschäftsführer Mohr: „Wir sind national unterwegs“

In dieser Hinsicht äußerte sich Geschäftsführer Roland Mohr zuversichtlich: Gerade in Zeiten eines wirtschaftlichen Abschwungs gelinge es einem Industrieparkbetreiber besser als sonst, Firmen davon zu überzeugen, ihm Aufgaben wie Energieversorgung und Müllbeseitigung zu übertragen.

Denn in solchen Phasen konzentrierten sich Unternehmen verstärkt auf ihr Kerngeschäft. Dabei hat die Infraserv GmbH & Co Höchst KG ausdrücklich Industrieareale außerhalb des Rhein-Main-Gebiets im Blick: „Wir sind national unterwegs“, hob Mohr hervor. So betreibt das Unternehmen außer dem Industriepark Frankfurt-Griesheim auch ein Werk in Monheim im Rheinland. Zudem wird Infraserv gemeinsam mit einem Partner ein Gelände des Arzneimittel- und Impfstoffherstellers Novartis in Marburg neu gestalten.

Tochtergesellschaft spürt zunehmend verhaltene Nachfrage

Die ersten Erfolge des Vorhabens, außerhalb des Stammwerks zu wachsen, zeigen sich in steigenden Umsätzen: An anderen Standorten als Höchst dürfte Infraserv bis zum Jahresende die Erlöse auf 31,5 Millionen Euro nach gut 30 Millionen Euro im vergangenen Jahr steigern, wie Vormann weiter sagte. Leicht aufwärts geht es auch mit den Umsätzen des Ausbildungs- und Bildungsdienstleisters Provadis, der auf 41,3 Millionen Euro nach 40,6 Millionen Euro kommen dürfte, wie es weiter hieß.

Dagegen spürt die Tochtergesellschaft Infraserv Logistics schon seit einigen Monaten eine zunehmend verhaltene Nachfrage besonders von Kunden, die für Unternehmen etwa aus der Automobilbranche tätig sind, wie Vormann ausführte. Die Erlöse dürften binnen Jahresfrist von knapp 78 Millionen Euro auf 75,6 Millionen Euro sinken.

Ersatzbrennstoffanlage soll in Regelbetrieb gehen

Den größten Rückgang verzeichnet aber die Muttergesellschaft - und zwar infolge der Energiewende und des Vorrangs etwa für Wind- und Sonnenenergie. Der Energiehandel wird laut Vormann bis Ende Dezember gut 83 Millionen Euro weniger erlösen als im vergangenen Jahr; die Gesamtumsätze sinken um 6,8 Prozent auf 1,13 Milliarden Euro. Selbst der Betrieb einer hochmodernen Gasturbinenanlage lohne sich infolge der Energiewende derzeit nicht.

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„Das Umfeld wird herausfordernder und zunehmend unkalkulierbar durch die Politik“, hob Vormann hervor. Des gelte besonders für die Energieversorgung. Immerhin ist die Bauphase der lange Zeit notleidenden Ersatzbrennstoffanlage in Höchst abgeschlossen. Das rund 300 Millionen Euro teure Projekt soll nun in den Regelbetrieb gehen, zwei der drei Öfen laufen. „Gehen Sie davon aus, dass künftig drei Schornsteine rauchen werden“, sagte Mohr.

Stammwerk zieht weiter Investitionen an

Auch wird im Industriepark Höchst nach wie vor kräftig investiert. Auf 310 Millionen Euro beziffert der Betreiber die Summe der Investitionen im laufenden Jahr. Zwar weist die Kurve seit 2010 nach unten. Das liegt aber laut Vormann auch daran, dass Großprojekte wie der Bau der Kunststofffabrik von Ticona oder jener der Ersatzbrennstoffanlage abgeschlossen seien und vergleichbare Vorhaben nicht jedes Jahr anstünden.

Dessen ungeachtet zieht das Stammwerk der einstigen Hoechst AG weiter Investitionen an. So will der Arzneimittelhersteller Sanofi für etwa 60 Millionen Euro eine Abfüllanlage für Medikamente bauen, auch hat der Elektronikkonzern Samsung dort sein europäisches Forschungszentrum eingerichtet. „Wir sind sicher, dass wir dort in den nächsten Jahren eine gesteigerte Aktivität sehen werden“, sagte Mohr, der dann auch mit einem Zuwachs an Mitarbeitern rechnet.

Quelle: F.A.Z.

 
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