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Industriepark Höchst Hier Stellenabbau, dort Milliardeninvestition

12.10.2009 ·  Im Industreipark Höchst stehen vier Großprojekte vor der Vollendung - und viele Arbeitsplätze in Frage. Wirklich sorgenfrei kann kein Unternehmen in die Zukunft blicken.

Von Thorsten Winter, Frankfurt
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Stück für Stück wächst jenseits des Mains im Süden des Industrieparks Höchst die neue Fabrik des Kunststoffherstellers Ticona. Unweit davon entfernt baut der Arzneimittelkonzern Sanofi-Aventis eine Anlage, in der er biotechnologisch Zellkulturen für monoklonale Antikörper für die klinische Entwicklung herstellen will. Sogar kurz vor der Inbetriebnahme steht die gern als Müllkraftwerk bezeichnete Ersatzbrennstoffanlage des Industrieparkbetreibers Infraserv. Hinzu kommt die Gasturbinenanlage, die Ende 2010 laufen soll. Diese vier Großprojekte verschlingen beinahe eine Milliarde Euro – klare Zeichen der Stärke im Stammwerk der ehemaligen Hoechst AG im Frankfurter Westen.

Gleichzeitig stehen aber auch einige Fragezeichen hinter vielen Arbeitsplätzen; zahlreiche Stellen sind infolge der Krise und des harten Wettbewerbs schon gestrichen worden. Es sind also Tage voller Gegensätze für die etwa 22.000 Beschäftigten im Höchster Industriepark.

Schwäche des Dollars trifft die Unternehmen

Die stärksten Krisenzeichen sendet Dystar aus. Der Textilfarbenhersteller hat Ende September Insolvenz anmelden müssen. Die Kassen aller drei Teilgesellschaften in Frankfurt waren zu diesem Zeitpunkt leer. Dystar leidet seit Jahren unter der Billigkonkurrenz aus Asien. Während ein Kilogramm hierzulande hergestellte Textilfarbe bei den Kunden mit drei Euro zu Buche schlägt, ist dieselbe Menge aus Indien für 25 Cent zu haben.

Außerdem trifft die Schwäche des Dollar das Unternehmen, das einen erheblichen Teil seines Umsatzes in dieser Währung macht. Vor diesem Hintergrund hatte Dystar 2005 in Fechenheim seinen letzten Frankfurter Produktionsbetrieb geschlossen und in diesem Frühjahr den Abbau von 130 Stellen in Höchst bekanntgegeben. Derzeit zählt der Konzern dort 424 Mitarbeiter. Die Aussichten sind unklar. Die Unternehmensberatung KPMG soll Investoren suchen.

„Permanenter Kostendruck“

Auch das von der Rezession getroffene Chemieunternehmen Clariant hat dieses Jahr am Standort Frankfurt schon Arbeitsplätze reduziert: In einem ersten Schritt fielen bis zum Sommer 59 Stellen weg, danach in einem zweiten Dutzende weitere im Rhein-Main-Gebiet. Über das aus seiner Sicht unfaire Verhalten des in der Region 2300 Beschäftigte zählenden Unternehmens in der zweiten „Abbauwelle“ zeigte sich der Betriebsrat derart erbost, dass er Ende September zurücktrat. Und nun steht eine dritte Welle bevor (siehe Artikel rechts).

Ärger gibt es zudem in der Celanese-Gruppe, die in Höchst, Kronberg und Kelsterbach 75 Stellen in der Verwaltung der Geschäftseinheiten Chemicals, Emulsions, Nutrinova und Ticona streichen will; Letztere hat dieses Jahr schon 50 Arbeitsplätze verloren. Auch die zur Chemiebranche gehörende Celanese leidet unter den Folgen der Rezession, auch wenn sich etwa bei Ticona das Geschäft zuletzt leicht belebt hat, wie aus dem Betrieb zu hören ist. Hinzu kommt ein Patentende für einen Süßstoff der Nutrinova, die sich seitdem scharfer Konkurrenz aus China gegenübersieht. „Da herrscht nun ein permanenter Kostendruck“, sagt ein Celanese-Sprecher.

Nirgends sorgenfrei

Allerdings spüren einige Unternehmen auch nichts oder nur wenig von Krise – der 950 Mitarbeiter zählende Pflanzenschutzmittel-Hersteller Bayer Crop Science zum Beispiel und das Pharmaunternehmen Sanofi-Aventis mit 8500 Beschäftigten. Ihre Stabilität ist enorm wichtig, stellen sie doch gemeinsam fast die Hälfte der Belegschaft im Industriepark.

Doch auch die Betriebsräte von Sanofi-Aventis sind nicht sorgenfrei: Laut Betriebsratschef Michael Klippel ist unklar, ob der Konzern rund 400 auf bis zu vier Jahre befristete Verträge verlängert – wie vor der Betriebsvereinbarung, die diese Befristungen zulässt, in Aussicht gestellt. Betroffen sind laut Klippel Stellen in der Insulin-Fertigung, in die der Konzern erst jüngst 150 Millionen Euro investiert hat, weil das Geschäft mit Diabetesmitteln stetig wächst.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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