An der Börse wäre ihm Applaus sicher. Denn Stefan Messer hat weniger versprochen, als er gehalten hat. Eine Milliarde Umsatz hatte die von ihm und Hans-Gerd Wienands geleitete Sulzbacher Messer-Gruppe für das Jahr 2006 angepeilt - tatsächlich kletterten die Erlöse auf annähernd 1,1 Milliarden Euro, wie sich aus dem gestern vom Aufsichtsrat verabschiedeten Jahresabschluss ergibt. Der Überschuss stieg ebenso, wenn auch nicht so stark wie der Umsatz. Aufwärts ging es nicht zuletzt mit der Mitarbeiterzahl. Und zwar um fünf Prozent auf 4227.
Für die nähere Zukunft plant der Konzern, sein Industriegase-Geschäft besonders in Vietnam auszubauen. In Deutschland ist Messer mit Industriegasen seit 2004 nicht mehr vertreten, da dieses Geschäft seinerzeit an den französischen Konkurrenten Air Liquide verkauft wurde; im Gegenzug konnte die Familie Messer die bei Finanzinvestoren liegenden Anteile am Konzern zurückkaufen und Schulden tilgen.
Tochter MEC mit Umsatzsprung
Im Rückblick auf 2006 spricht Stefan Messer von einem „recht erfolgreichen“ Jahr. Demnach konnte der Industriegasehersteller Messer Group, der einen Teil der Unternehmensgruppe darstellt, seinen Umsatz um annähernd zehn Prozent von 575 Millionen Euro auf 630 Millionen Euro steigern. Um 19 Prozent ging es bei der Schwestergesellschaft MEC aufwärts, zu der die Beteiligungen Castolin Eutectic, Messer Cutting & Welding und BIT gehören. Diese Firmen, die Schweißzusatzwerkstoffe für Verschleißschutz, Laser- und Plasmaschneidmaschinen und Blutanalysegeräte herstellen, haben zusammen 437 Millionen Euro umgesetzt - und somit merklich mehr als geplant: Die Zielmarke stand bei 400 Millionen Euro.
Bei der MEC stiegen die Erträge in etwa im Gleichschritt mit den Umsätzen, während der Gewinnzuwachs beim Industriegase-Geschäft mit den Erlösen nicht ganz mithalten konnte. Dies lag nach den Worten von Stefan Messer vor allem an Produktionsausfällen bei Kohlendioxid und dem Edelgas Argon, einem Bestandteil von Luft. Die Produktionsausfälle waren demnach wiederholtem Stillstand bei Firmen geschuldet, die Ammoniakanlagen betreiben, an die die Herstellung von Kohlendioxid gekoppelt ist. Infolgedessen musste die Messer Group ersatzweise Gase anderswo einkaufen und zu den Kunden bringen, was Kosten verursachte.
Rückzug aus Finnland und Sri Lanka
Wie der geschäftsführende Gesellschafter weiter sagte, hat die Messer Group im vergangenen Jahr rund 155 Millionen Euro investiert, 40 Millionen Euro davon in eine Luftzerlegungsanlage in Serbien; zudem erwarb das Unternehmen drei Beteiligungen in Belgien und Montenegro und baute ein Füllwerk in Dänemark. Im Gegenzug verkaufte es sein Finnland- und sein Sri-Lanka-Geschäft, um sich fortan auf Europa sowie auf China und Vietnam zu konzentrieren. In China sitzt mit dem Stahlkocher Xiangtan Steel der größte Kunde des Konzerns weltweit; dort erzielt Messer zwölf Prozent des Umsatzes.
Vietnam hinkt noch hinter China her und hat große Wachstumschancen, wie Stefan Messer sagt. Dort will sich der Konzern Abnehmer für Industriegase suchen und 2008 die Produktion aufnehmen. Nicht zuletzt strebt Messer an, mit Anlagen, in denen Luft in Stickstoff, Sauerstoff und Argon zerlegt wird, seine Präsenz in Lettland und Spanien auszubauen.

