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Industrie Neue Schläge gegen Industriepark Griesheim

20.07.2007 ·  Der von Stellenabbau gebeutelte Industriepark Griesheim steht vor weiteren Einschnitten. So will der Chemiekonzern Clariant auf dem Gelände der ehemaligen Hoechst AG bis Oktober 2008 einen Betrieb schließen. Und Bayer verlässt den Standort.

Von Thorsten Winter
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Der schon seit Jahren von Stellenabbau gebeutelte Industriepark Griesheim in Frankfurt steht vor weiteren weitreichenden Einschnitten. So will der Chemiekonzern Clariant auf dem Gelände der ehemaligen Hoechst AG bis zum Oktober nächsten Jahren einen Betrieb schließen, in dem Vorprodukte für Gelbpigmente hergestellt werden. Dies geht aus einem internen Papier von Clariant hervor, das der Rhein-Main-Zeitung vorliegt. „Für die 53 Mitarbeiter dieses Betriebs streben wir an, ihnen Ersatzarbeitsplätze im Rhein-Main-Gebiet anzubieten“, wird Hans Schmidt, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Clariant-Verwaltungsgesellschaft, darin zitiert. Die geplante Schließung hat wiederum Folgen für die Betreibergesellschaft Industriepark Griesheim GmbH & Co. KG (IPG). Diese Tochtergesellschaft des Chemiekonzerns soll schon im Herbst in die Clariant Produkte GmbH eingegliedert werden.

IPG-Geschäftsführer Michael Molter begründet diesen Einschnitt mit der Notwendigkeit, angesichts der „schwierigen Gesamtsituation im Industriepark“ alle Möglichkeiten zu nutzen, die Kosten zu senken. Zumal der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer AG einen Betrieb für Pflanzenschutzmittel mit 35 Mitarbeitern geschlossen hat, sich von dem Standort zurückzieht und Clariant das in Griesheim vertretene Geschäftsfeld Speciality Fine Chemicals an die Firma Weyl-Chem verkauft hat. Nicht zuletzt ist die Zahl der Mitarbeiter im Industriepark im vergangenen Jahr erstmals seit Jahrzehnten unter die Marke von 1000 gefallen. 986 Beschäftigte zählte die Stammbelegschaft laut Molter. Zum Vergleich: 1990 arbeiteten noch 2700 Frauen und Männer auf dem Gelände an der Stroofstraße, das längst nicht mehr nur chemische Betriebe beherbergt, sondern auch Bauunternehmen, einen Getränkefachhändler und einen Cateringservice. Molters Werben um die neue Fabrik des Kunststoffherstellers Ticona hat sich als vergebens erwiesen.

Produkte werden künftig in Asien zugekauft

Infolge des Arbeitsplatzabbaus ist die Betreibergesellschaft an manchen Stellen nicht mehr leistungsfähig genug. So hat sie schon die Aufgaben der Anlagensicherheit auf die Clariant verschmolzen: „Zwei Sicherheitsingenieure, die ich nicht mehr ernähren konnte, sind zu Clariant nach Höchst gewechselt, wo es Bedarf gab“, erläutert Molter. Auch wird die Personalbetreuung künftig von Clariant mit erledigt. Aus Molters Sicht ist dies auch sinnvoll, denn die Betreibergesellschaft verfügt nur noch über eine einzige Kraft für diese Aufgabe: „Mit einer solchen Personalstärke ist das nicht mehr aufrechtzuerhalten.“

Auch verteidigt er den Entschluss, den Produktionsbetrieb für Vorprodukte für Gelbpigmente zu schließen. „Solch ein Schritt tut ungemein weh“, meint er zwar. Schließlich habe die Belegschaft stetig die Kosten senken können. Doch gibt es Überkapazitäten am Markt, auf dem sich Hersteller aus China und Indien heftige Preiskämpfe liefern und die deutschen Preise unterbieten, wie er sagt. Und nicht nur das: Asiaten verkaufen sogar billiger, als in Frankfurt produziert werden kann. Hinzu kommt die Aufwertung des Euro gegenüber dem amerikanischen Dollar, also jener Währung, mit der Vorprodukte bezahlt werden. Ein steigender Euro verteuert die Produkte aus Frankfurt. Vor diesem Hintergrund wird Clariant diese Vorprodukte fortan von drei asiatischen Chemiebetrieben beziehen, mit denen der Konzern langfristige Lieferverträge abgeschlossen hat. Das Unternehmen spart dadurch nach eigenen Angaben sechs Millionen Euro im Jahr. Schmidt: „Dieser Betrag ist nicht zu vernachlässigen. Wir können aus wirtschaftlicher Sicht nicht auf diese Ersparnis verzichten.“

Mitarbeiter sollen auf andere Betriebe verteilt werden

Wo die 53 Mitarbeiter, die ihre bisherigen Arbeitsplätze verlieren werden, untergebracht werden sollen, ist offen. Sicher dürfte nur sein, dass Clariant eine solche Stellenzahl nicht einfach so andernorts vorhält. Schließlich durchläuft der Konzern seit knapp vier Jahren das „Clariant Performance Improvement Program“ und hat im vergangenen November angekündigt, bis 2009 weitere Stellen und Standorte schließen zu wollen. In der jüngeren Vergangenheit hatte das in der Schweiz ansässige Unternehmen schon unter anderem zwei Betriebe mit 120 Arbeitsplätzen im Industriepark Griesheim geschlossen.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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