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Im Schatten der Produktionsstopps Opel Insignia startet in schwierigen Zeiten

22.10.2008 ·  Mit dem Insignia ist den Autobauern von Opel in Rüsselsheim ein vielbeachtetes Modell gelungen. Doch der Serienstart wird von Produktionsunterbrechungen für andere Modelle, die nicht in Rüsselsheim gefertigt werden, überschattet.

Von Jochen Remmert
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Opelaner aus Rüsselsheim reagieren in diesen Tagen entweder gar nicht oder gereizt, wenn sie auf die vom Opel-Management angeordneten Produktionsunterbrechungen angesprochen werden. Die Reaktion ist verständlich, denn als Untermalung für den Start der Serienproduktion des neuen Mittelklassemodells Insignia ist das Thema denkbar ungeeignet. Außerdem ist das Stammhaus zumindest bislang davon nicht betroffen.

Das Wort vom Hoffnungsträger hört das Management im Zusammenhang mit dem Insignia zwar nicht gerne, weil es auch auf einen besseren Absatz des kleinen Corsa und vor allem des Volumenmodells Astra hofft. Doch bei den 3500 Rüsselsheimer Autobauern schwingt jedenfalls reichlich Stolz mit, wenn sie über das neue Modell der gehobenen Mittelklasse sprechen, denn das Auto wird tatsächlich zum großen Teil in Rüsselsheim gefertigt und nicht nur endmontiert. Zwar kommt beispielsweise die Motorhaube aus Kaiserslautern, die Karosserie selbst aber aus dem Presswerk in Rüsselsheim. Der Insignia ist also mindestens für den Standort sehr wohl ein Hoffnungsträger.

Wie zu hören ist, hat es im Haus für erheblichen Ärger gesorgt, dass nun unmittelbar in die Premiere des neuen Autos die schlechten Nachrichten von der Absatzschwäche platzten. Aus der Nähe des Aufsichtsrats ist die Klage zu hören, das Management hätte die Produktion auch weniger spektakulär aussetzen können, beispielsweise jeweils um Wochenende herum. Da hätten aber wohl die Kostenrechner gegen das Marketing gewonnen, heißt es. Von Opel selbst ist dazu nichts Näheres zu erfahren, lediglich, dass es die moderne Arbeitsorganisation des Hauses erlaube, die Produktion an die derzeit schwierige Marktlage anzupassen.

Experte: Unterbrechungen richtig

Ferdinand Dudenhöffer, Experte für Automobilwirtschaft und seit kurzem Professor an der Universität Duisburg-Essen für dieses Fachgebiet, wird in seinem Urteil über die kolportierten Vorhaltungen dagegen recht deutlich: Er hält sie für Unsinn. Der von Opel gewählte Schritt sei in der Situation, in der sich der Automarkt in Europa zurzeit befinde, unbedingt richtig, sagte er gestern im Gespräch mit dieser Zeitung. Ein Unternehmen müsse zu allererst seine betriebswirtschaftlichen Hausaufgaben erledigen. Wegen des Insignia-Starts andere Modelle womöglich auf Halde zu produzieren, wäre fahrlässig und würde enorme Zusatzkosten verursachen, die niemand ernsthaft vertreten könne.

Teilt Dudenhöffer in diesem Fall auch die Meinung des Opel-Managements, kritisiert er den Auftritt der General Motors-Tochter in anderen Punkten ebenso deutlich. So hält er es für einen groben Fehler, gerade in der Kleinwagenklasse mit dem Agila lediglich einen Suzuki als echten Opel verkaufen zu wollen.

In Deutschland seien Modelle, bei denen mehr oder weniger nur das Emblem einer Marke durch das einer anderen ersetzt werde, in aller Regel keine Erfolge. Zumindest im Fall des allradgetriebenen Antara, der zusammen mit dem Chevrolet Captiva bei GM Daewoo in Südkorea gebaut wird, ist auch bei Opel das interne Urteil eindeutig: „ein Flop“, heißt es da.

Den Insignia hält auch Dudenhöffer für einen „hervorragendes Auto“. Er glaubt allerdings nicht, dass Opel sich in der gehobenen Mittelklasse, bei der vor allem das Image einer Marke entscheidet und weniger der technische Sachverstand des Käufers, so rasch etablieren kann.

Diskrepanz zwischen Qualität und Ruf

Die Ansicht, dass das Image der Autos mit dem Blitz auf dem Kühlergrill schon mit der Konkurrenz aus der Premiumriege von BMW, Audi und Mercedes mithalten kann, dürfte auch unter Optimisten bei Opel eher eine Mindermeinung sein. Gleichwohl sind die Verantwortlichen in Rüsselsheim durchaus davon überzeugt, dass der Insignia nicht nur beim Design der Premiumkonkurrenz das Wasser reichen kann, sondern auch bei Qualität, Wertanmutung und technischer Ausstattung. Nur gibt auch ein Unternehmenssprecher zu, dass zwischen der in Tests erwiesenen Qualität und dem Ruf der Marke Opel bei den Autokäufern noch immer eine erhebliche Diskrepanz herrscht. Von Premium kann da bislang tatsächlich nicht die Rede sein. Genau in diese Richtung will sich Opel aber bewegen, und zwar nicht nur mit dem Insignia, sondern auch mit dem neuen Astra, der nach heutigem Stand etwa von 2010 an ebenfalls in Rüsselsheim gebaut werden soll.

Dass die Absatzkrise in der Automobilindustrie, die schon lange vor der Finanzkrise ihren Anfang genommen hat, doch noch auch in Rüsselsheim zum verordneten Stillstand führen könnte, schließt Opel eben mit Hinweis auf die Insignia-Produktion aus. Marktexperte Dudenhöffer ist da nicht ganz so sicher. Da die Konzernmutter GM schwer angeschlagen ist, schließt er auch radikale Einschnitte nicht aus, die dann auch Rüsselsheim treffen könnten.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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