31.01.2011 · Ikea-Deutschland-Chefin Petra Hesser hält nichts von einer Frauenquote, wie sie die Bundesministerinnen Schröder und von der Leyen planen. Mehr Unterstützung für Mütter und Väter in Unternehmen ist aus ihrer Sicht die bessere Beförderungsmethode.
Brauchen wir eine Frauenquote?
Aus meiner Sicht, nein.
Warum nicht?
Eine Quote ist etwas sehr Künstliches. Faktisch hätten wir zwar eine Veränderung, aber es bedeutete nicht, dass jede Frau in ihrer Position auch glücklich wäre. Außerdem würde die Akzeptanz der Frauen leiden, weil es dann hieße, diese oder jene Führungsfrau sei per Quote eingesetzt worden.
Wollen denn Frauen überhaupt Karriere machen?
Ja, es gibt inzwischen ausreichend gute emanzipierte Frauen, die gern in Führungsposition gingen.
Und warum tun sie es dann nicht? Woran liegt es, dass in der ersten Reihe immer noch so wenig Frauen sind?
Aus meiner Sicht brauchen wir eine andere Unternehmenskultur. Wir brauchen gemischte Gruppen auf allen Ebenen, das heißt: Nicht nur Frauen, auch Männern muss ermöglicht werden, Beruf und Familie besser in Einklang zu bringen. So gesehen, ist die Kennzahl, wie viele Männer in einem Unternehmen in Elternzeit gehen, für mich die weitaus interessantere Kennziffer als die der Frauenquote in Führungspositionen. Erst wenn es als natürlich angesehen wird, dass sich auch Männer um die Familie kümmern, werden auch mehr Frauen in Führungspositionen gehen.
Was halten Sie von der These: Frauen hätten alle Möglichkeiten der Welt, aber keine Lust auf Karriere – weil sie es sich nicht zutrauten oder auch, weil sie den Stress scheuten?
Ich bin überzeugt, wenn das Klima und die Arbeitsbedingungen stimmen, dann fühlen sich Frauen auch ermutigt. Ein gutes Umfeld, ein Mentor im Betrieb, der Mut macht und sagt: Du machst das, weil du das schaffst – dieses Getragenwerden bei der Entscheidung ist für mich einer der Kernpunkte auf dem Weg nach oben.
Sie selbst haben keine Kinder. Würden Sie von sich sagen, dass Sie Ihren Vorstandsposten auch in Kombination mit Familie hinbekämen?
Das ist in meinem Fall eine hypothetische Frage, aber ich denke, es gibt viele Frauen, die das mit ihren Organisations- und Managementfähigkeiten gut lösen. Unsere Marketingchefin mit internationalen Aufgaben ist ein sehr gutes Beispiel. Sie ist Mutter von Zwillingen, ihr Mann ist ebenfalls erfolgreich im Beruf, und trotzdem funktioniert es.
Solange alles in Ordnung ist, die Kinder nicht krank werden und die Haushaltshilfe nicht ausfällt ...
Das ist in der Tat ein Knackpunkt. Mütter in Führungspositionen haben bei uns jedoch die Sicherheit, dass solche Situationen gelöst werden. Das heißt, eine Führungskraft kann auch mal um vier Uhr nachmittags nach Hause gehen, wenn die Kinder von der Schule abgeholt werden müssen und niemand anderes Zeit hat. Wenn es ein Problem zu Hause gibt, wird halt auch mal ein Meeting verschoben, oder man nimmt einen Home-Office-Tag. So etwas ist bei uns auf Managementebene akzeptiert, auch bei Männern. Wir nehmen alle Rücksicht.
Immer mehr Männer gehen in Elternzeit. Auch, weil es ihnen die Möglichkeit gibt, für eine gewisse Zeit auszusteigen aus der Mühle. Sie selbst haben, auf Ihre Work-Life-Balance angesprochen, einmal gesagt, dass Sie sich inzwischen erlauben, ihr Handy am Wochenende sonntags erst um vier Uhr nachmittags einzuschalten. Ist das nicht ein hoher Preis, den Sie da zahlen?
Nein. Ich habe Spaß an meiner Aufgabe und an der Verantwortung. Außerdem bekomme ich Anerkennung für meinen Einsatz. Das ist sozusagen die Gegenrechnung. Wenn man Freude an der Arbeit hat, dann nimmt man die Sollseite gern in Kauf. Lust auf Verantwortung und Freude an der Arbeit ist, so gesehen, die Grundvoraussetzung für eine Führungsposition. Beides können sie mit einer Frauenquote im Übrigen nicht verordnen.
Die Fragen stellte Petra Kirchhoff.