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Im Gespräch: Finanzprofessor Jan-Pieter Krahnen „Rendite wird immer Treiber der Finanzindustrie sein“

Der Frankfurter Finanzprofessor Jan-Pieter Krahnen ist ein wichtiger Berater der EU, der EZB und der Bundesregierung. Er fordert eine Abkehr von Rettungsautomatismen und die Rückkehr zur Ordnungspolitik.

© Eilmes, Wolfgang Die Finanzmärkte im Blick: Jan-Pieter Krahnen ist Direktor des Center for Financial Studies an der Goethe-Universität.

Ein turbulentes Jahr an den Finanzmärkten geht zu Ende. Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis aus 2012?

Dass die Krise sich nicht von alleine lösen wird. Ein großer Teil des europäischen Bankenapparats ist ohne Staatssubventionierung durch billiges Geld und staatliche Garantien nicht mehr standfähig und kann aus dieser Abhängigkeit nicht mehr allein herausfinden. Um aus dieser chronischen Krise herauszukommen, bedarf es entschlossenen Handelns.

Von wem?

Eigentlich sind Marktkräfte wie Preise oder die Gefahr, bankrottzugehen, die besten Kontrolleure. Im Bankensystem sind sie aber im Moment völlig außer Kraft gesetzt. Daher muss die Politik die Rahmenbedingungen so setzen, dass die Marktkräfte wieder ihre Kontrollfunktion einnehmen können. Wir brauchen die Rückkehr zur klassischen Ordnungspolitik.

Gilt das auch für den Staatsschuldenmarkt?

Es hat sich eine unselige Partnerschaft zwischen Staaten und Banken gebildet. Viele Staaten können ihre Mittel nur noch aufnehmen, wenn ihre nationalen Banken ihre Staatsanleihen kaufen. Gleichzeitig müssen die Banken aber immer wieder von den Staaten gerettet werden. Das ist ein Teufelskreis, der aufgebrochen werden muss.

Wie kann das gehen?

Der Rettungsautomatismus muss aufhören. Es darf nicht mehr selbstverständlich sein, dass Staaten die Banken, die in Schieflage geraten, retten. Wichtige Zwischenschritte sind hier aber schon gemacht: Das Restrukturierungsgesetz in Deutschland soll es ermöglichen, einzelne Institute aus dem laufenden Finanzbetrieb zu nehmen, ohne dass der Steuerzahler dafür geradestehen muss. Gesetzlich ist das also schon möglich, Aufsicht, Politik und Zentralbank trauen sich aber noch nicht zu, ein Institut aus dem Verkehr zu ziehen und dessen Eigentümer in Haftung zu nehmen.

Wenn Sie sagen, die Gläubiger müssten in solch einem Fall haften, gilt das auch für die Sparer bei einer Bank?

Die Sparer sind durch den Einlagensicherungsfonds abgesichert, sie würden daher, falls überhaupt, als Allerletzte haften. Die Eigentümer müssten hingegen sofort in Haftung gehen, und dann die Anleihenbesitzer. Hier zeigt sich aber das systemische Risiko: Die Eigentümer und Gläubiger von Banken sind in vielen Fällen selbst Banken. Dieser netzartige Zusammenhang führt dazu, dass der plötzliche Ausfall eines Instituts sich sehr schnell auf andere auswirkt.

Sie waren Mitglied der Liikanen-Gruppe, die für die EU-Kommission Vorschläge zur Reform des Bankensystems erarbeitet hat. Die Gruppe fordert zum Beispiel die Aufspaltung von Banken. Was soll das bringen?

Wir fordern, dass das Handelsgeschäft der großen, internationalen Banken organisatorisch, rechtlich und nicht zuletzt finanziell auf eigene Füße gestellt und unter dem Dach einer Holding vom Geschäft mit Privat- und Firmenkunden getrennt wird. Aufspaltung light sozusagen. Im Fall einer Krise ist die Bank dann leichter zu zerlegen. Allein das Signal „Wir können uns die Zerlegung einer Bank vorstellen“ ist schon wichtig, um die Marktmechanismen wiederherzustellen.

Besteht nicht die Gefahr, dass die großen Banken solche abgespalteten Handelsabteilungen dann komplett nach London verlagern, Frankfurt also verliert?

Die Handelsabteilungen der großen Banken sitzen auch heute schon zum großen Teil in London.

Sie sprechen viel vom System. Welche Rolle spielt jeder einzelne Banker in der Finanzkrise?

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