Home
http://www.faz.net/-gzj-vwgm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Im Gespräch: Finanzminister Weimar „Wir werden keine Altlasten übernehmen“

15.12.2007 ·  Der hessische Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) sieht viele Vorteile bei einem Zusammenschluss von Helaba und West LB - so etwa Wachstumschancen im Privatkundengeschäft.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Der hessische Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) sieht viele Vorteile bei einem Zusammenschluss von Helaba und West LB - so etwa Wachstumschancen im Privatkundengeschäft.

Warum soll die Helaba mit einer Bank in Düsseldorf zusammengehen, die schwer angeschlagen ist?

Aus drei Gründen. Erstens lässt sich so die notwendige Konsolidierung der Landesbanken-Landschaft voranbringen. Zweitens entsteht so ein riesiges Geschäftsgebiet für das Privatkundengeschäft von Thüringen bis zum Rheinland. Drittens lassen sich aus den wechselseitigen Stärken erhebliche Synergien heben.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Helaba in die Krise hineingerissen wird?

Nein, da wir im Falle eines Zusammenschlusses eine Verbesserung für beide Seiten erreichen müssen und wir keinesfalls Altlasten übernehmen werden.

Aber warum gerade die Helaba?

Sie ist bestens geeignet, Partnern zu helfen. Wir sind stolz darauf, dass die Helaba, die lange Zeit als ein langweiliges, konservativ geführtes Institut galt, jetzt als diejenige Landesbank gilt, die am besten dasteht. Unsere Linie bestätigt sich jetzt. Gelegentlich ist man doch gut beraten, nicht zu viele Risiken einzugehen und eine Bank solide und vorsichtig zu führen. Ich sehe das auch als einen Beleg dafür, dass öffentlich-rechtliche Institute nicht notwendigerweise schlechter abschneiden als private.

Aber es geht doch auch um Machtpolitik. Die hessische Regierung will verhindern, dass sich andere Landesbanken zu Blöcken zusammenschließen und die Helaba auf einmal alleine übrig bleibt.

Machtpolitik ist das falsche Wort. Interessenvertretung wäre richtiger. Es dient nicht nur dem Land Hessen, sondern Deutschland insgesamt, wenn an seinem wichtigsten Finanzplatz Frankfurt auch eine gut geführte öffentlich-rechtliche Bank existiert. Wir sind an jeder Entwicklung interessiert, bei der die Helaba in eine noch günstigere Position kommt als jetzt schon.

Wie soll das gehen? Was brächte die West LB in ihrer derzeitigen Verfassung ein, was die Helaba nicht hat und was ihre Erträge steigern könnte?

Erstens ein außerordentlich attraktives Retailgebiet und eine intakte Sparkassenlandschaft. Zweitens spezielle Stärken der West LB wie zum Beispiel das Investmentbanking, die mit Stärken der Helaba kombiniert werden könnten.

Ihr Amtskollege Linssen in Düsseldorf hat von einem Zusammenschluss auf Augenhöhe gesprochen. Das kann man so oder so verstehen. Nach der Bilanzsumme und der Mitarbeiterzahl jedenfalls ist die West LB größer als die Helaba.

Finanzminister Linssen hat damit sicherlich gemeint, dass beide Seiten in den anstehenden Gesprächen fair miteinander umgehen. Am Ende wird es um Daten und Fakten gehen. Dabei sind Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl doch eher vordergründige Kriterien. Entscheidend ist welchen Wert ein Institut hat und wie es am Markt aufgestellt ist.

Welche Folgen würde ein Zusammenschluss für Hessen haben? Kommen auf den hessischen Steuerzahler Kosten zu?

Das darf und kann nicht sein. Diese Möglichkeiten schließe ich aus.

Müssen die hessischen Sparkassen mit neuen Risiken oder Kosten rechnen?

Auch das verneine ich.

Sie haben vom Heben von Synergien gesprochen – droht ein Stellenabbau bei der Helaba?

Da müssen sich die Beschäftigten wirklich keine Sorgen machen. Ein Zusammenschluss soll ja Vorteile für beide Seiten haben – ich denke, dass Frankfurt in dieser Hinsicht eher Ansprüche geltend machen kann.

Wo wird denn das Institut, wenn es denn Wirklichkeit wird, seinen Sitz haben?

Klar ist: Der Bankenstandort Frankfurt ist eine herausragende internationale Adresse. Alle übrigen Fragen sind einvernehmlich zu lösen und lösbar.

Kann am Ende der Verhandlungen auch eine Holdinglösung stehen mit weiterhin selbständigen Instituten darunter?

Das ist durchaus wie andere Konstruktionen vorstellbar. Es hätte den Vorteil, dass sich in einer ersten Stufe Risiken reduzieren könnten, und die Transparenz wäre auch höher. Eine Holding könnte auch eine Zwischenetappe zu einem Zusammenschluss sein. Es ist aber noch viel zu früh, darüber zu spekulieren.

Sind Sie sich sicher, dass der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen mitzieht? Die erste Stellungnahme des Verbandsvorstands fiel doch sehr knapp aus.

Die Signale, dass sie die Gespräche gutheißen, sind eindeutig. Der Verband hat ein massives Interesse an einer guten Verfassung der Helaba. Die Sparkassen können auch stolz sein auf die Helaba, die ihnen zu 85 Prozent gehört.

Aber um das Verhältnis zwischen Landesregierung und Sparkassenverband stand es zuletzt nicht zum Besten, als die Regierung durchsetzte, dass Sparkassen die Möglichkeit erhalten sollen, Stammkapital zu bilden.

Es hat Phasen gegeben, in denen wir drauf gedrängt haben, dass sich die Sparkassen weiterentwickeln können. Vielleicht ist da manches missverstanden worden. Die Landesregierung steht aber zu ihren Sparkassen.

In dem Zehn-Punkte-Plan der West LB-Anteilseigner ist auch von der Hereinnahme privater Investoren bei der West LB die Rede. Was halten Sie denn davon?

An dieser Stelle bin ich sehr skeptisch. Da sollen mir die Anteilseigner der West LB erst einmal erklären, was sie damit meinen.

Wenn Sie von einem einheitlichen Geschäftsgebiet für das Privatkundengeschäft sprechen: Bedeutet das, auch die nordrhein-westfälischen Sparkassen sollen nach hessischem Vorbild näher an die Landesbank heranrücken, durch einen Verbund oder gar vertikale Integration wie im Falle der Frankfurter Sparkasse?

Das ist in Nordrhein-Westfalen zu entscheiden. Wir halten aber jedenfalls unser Modell für erfolgreich.

Nun wäre doch ein Zusammenschluss zweier Landesbanken schon ein gewaltiger Kraftakt. Verhebt man sich nicht endgültig, wenn man gleich noch verkündet, dies könne der Kern für einen noch größeren Konzern sein?

Größe allein ist in der Tat nicht immer erstrebenswert. Es wäre ein Fehler, die große Aufgabe, die vor uns liegt, gleich mit neuen Plänen zu belasten. Außerdem kann ich mir auch nach wie vor vorstellen, dass die Helaba alleine bleibt.

Wie wird es denn jetzt weitergehen?

Zunächst sind beide Institute zu bewerten und eventuelle Risiken vollständig aufzudecken. Dann muss über das Geschäftsmodell und die operative Aufstellung gesprochen werden. Da liegt noch einiges vor uns auf dem Weg. Wir werden das mit der notwendigen Zeit und Transparenz angehen. Wir wollen die Einigung, aber nicht um jeden Preis.

Die Fragen stellte Manfred Köhler.

Quelle: F.A.Z.
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr