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Ikea und der Wohnungsmarkt Preis, Preis, Preis statt Lage, Lage, Lage

10.03.2010 ·  Die Ikea-Tochter Boklok bringt den Wohnungsmarkt in Bewegung. Auch andere Bauträger setzen auf das niedrige Preissegment.

Von Rainer Schulze, Frankfurt
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Günstiges Bauen ist keine Zauberei. Die Ikea-Tochter Boklok wirbt mit erschwinglichen Reihenhäusern um Kunden. Die Preisspanne für ein Holzhaus des Typs „Immeln“ beginnt bei 179.000 Euro – inklusive Grundstück. Für ein vergleichbar großes Heim in Massivbauweise in Frankfurt-Zeilsheim zahlt man bei der Deutsche Reihenhaus AG sogar nur 140.000 Euro, ebenfalls mit Grundstück. Boklok und Deutsche Reihenhaus bieten zu niedrigen Preisen Wohnraum von der Stange an. Ihr Erfolg steht und fällt mit der Entwicklung der Grundstückspreise.

Mit seinem deutschen Lizenzpartner, dem Fertighaus-Bauunternehmen Bien-Zenker (siehe Bericht unten), bietet Boklok Wohnraum zu Preisen an, zu denen man in der Frankfurter Innenstadt nicht einmal eine Eigentumswohnung bekommt. Die hohen Grundstückspreise sorgen dafür, dass es Boklok im Frankfurter Stadtgebiet schwer haben wird. Auf dem Riedberg kostet ein Reihenhaus etwa 350.000 Euro. 2007 betrugen die Preise für neu gebaute Reihenmittelhäuser in Frankfurt zwischen 224.000 und 405.000 Euro, der mittlere Preis lag bei 324.000 Euro. Vor dem Hintergrund hoher Grundstückspreise hält es Frank Junker, der die Geschäfte des städtischen Wohnungsbauunternehmens ABG führt, daher für ausgeschlossen, dass sich Boklok flächendeckend in Frankfurt engagieren wird. „Wenn man sich die Architektur anschaut, ist das nicht unbedingt ein Verlust“, fügt er hinzu.

Nur über die hohe Stückzahl kommt das Geld

Da sich insbesondere die Mittelschicht generell als Käufergruppe zurückhält, können Bauträger derzeit fast nur noch im oberen und im unteren Marktsegment verdienen. „Das Luxuriöse läuft gut und das besonders Preiswerte“, sagt Lutz Wentlandt, Geschäftsführer des hessischen Landesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen. Er sieht einen wachsenden Markt für billige Eigenheime: „Viele können sich nur ein Eigenheim in Holzständerbauweise ohne Keller gerade noch leisten.“

Wentlandt rechnet damit, dass auch andere Bauträger vermehrt im niedrigen Preissegment tätig werden. Während sich aber schon der Bau von wenigen Luxuswohnungen lohnen kann, lässt sich in der günstigen Preisklasse nur über eine hohe Stückzahl Geld verdienen. „Die meisten Bauträger streben in den hochwertigen Bereich, denn der Billigbereich ist hartes Brot“, sagt er. Um die Grundstückspreise niedrig zu halten, müssen die Bauträger auch mit mittelmäßigen oder schlechten Lagen vorliebnehmen: „Die trauen sich hin, wo sich andere nicht hintrauen.“ Je näher sie dem Ballungsraum kommen, umso teurer wird der Grund. Und dort gilt laut Wentlandt wieder ein eisernes Gesetz: „Auf ein hochwertiges Grundstück muss ein hochwertiges Haus.“

„Die Masse möchte nicht auf einen Keller verzichten“

Auf der Suche nach günstigem Baugrund werden Bauträger im Rhein-Main-Gebiet besonders im Osten der Region fündig. Die Deutsche Reihenhaus AG, die in Deutschland bisher 3000 Häuser errichtet hat und etwa 400 Häuser im Jahr baut, hat unlängst in Hanau eine Fläche vom Land erworben, die zuvor von der Feuerwehr genutzt wurde. In Hanau bietet das Unternehmen 81 Quadratmeter große Häuser des Typs „Lebensfreude“ für 120.000 Euro an. Das 141 Quadratmeter große „Familienglück“ kostet 183.000 Euro. Entfernt sich ein Bauträger aber zu weit von den Trassen des Nahverkehrs, rechnet sich die Ersparnis für den nun auf ein Auto angewiesenen Käufer mitunter nicht.

Der Siegeszug der Ikea-Häuser könnte nicht nur an den Grundstückspreisen, sondern auch an den Gewohnheiten der Deutschen scheitern. „Die Masse möchte nicht auf einen Keller verzichten“, vermutet Rudolf Ridinger, Vorstandssprecher des Verbands der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft. Die Holzhäuser haben statt eines Kellers nur einen Aufbewahrungsraum vor der Haustür. Ridinger bezweifelt auch wegen der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die eine hohe Bereitschaft zur Mobilität verlangen, grundsätzlich, dass junge Familien verstärkt Eigentum nachfragen.

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