Nicht einmal das bevorstehende Weihnachtsfest stimmt die Landeshauptstädte Mainz und Wiesbaden milde: Sie lehnen die Pläne von Ikea, neben der Deutschlandzentrale in Hofheim-Wallau einen sogenannten Homepark, ein Fachmarktzentrum, zu errichten, weiterhin ab.
Dabei hatte der schwedische Möbelkonzern in den vergangenen Wochen die geplante Verkaufsfläche um 29 Prozent auf nun 17.000 Quadratmeter verkleinert. Ein Markt, der ausschließlich Autozubehör anbieten sollte, wurde vollständig gestrichen. Im Konzept verblieben sind Märkte für Tiernahrung, Babyartikel, für Fahrräder, Haushaltswaren und Elektronik. Doch genau die missfallen den Nachbarstädten, die sich um den Einzelhandel in den eigenen Innenstädten, aber auch in ihren Stadtteilen sorgen. Die geplante Reduzierung sei „marginal“, teilte der Wiesbadener Stadtplanungsamtsleiter Thomas Metz auf Anfrage mit.
Standort auf der grüner Wiese abgelehnt
Schon die Ansiedlung der Ikea-Deutschlandzentrale 1977 im Mittelzentrum Hofheim sei ein Fehler gewesen, heißt es in Wiesbaden, und mit der geplanten Erweiterung auf dann 26.000 Quadratmeter Verkaufsfläche für den Möbelmarkt sei bereits dies eigentlich zu viel für den Standort. Darüber hinaus noch ein Fachmarktzentrum zu akzeptieren, lehnen die Landeshauptstädte ab. Ihre Funktionen als Oberzentren würden geschwächt, ihre eigenen Entwicklungspläne beeinträchtigt. Wiesbaden will am Petersweg in Mainz-Kastel selbst ein Möbelhaus ansiedeln, ein Vorhaben, dem die Regionalversammlung Südhessen schon zugestimmt hat.
Dieses Gremium ist auch im Fall von Ikea gefordert, denn im gültigen Regionalplan ist die für die Ikea-Erweiterung und den Homepark geforderte Fläche nicht als Sondergebiet Einzelhandel markiert. Im Juli hatte deshalb die Stadt Hofheim einen „Abweichungsantrag“ gestellt. Die dazu erforderliche Beteiligung der Nachbarn hatte erstmals deutlich gemacht, wie sehr das Vorhaben des Homeparks auf Kritik bei den Großstädten stößt. Außer Mainz und Wiesbaden war es auch Frankfurt, das unter Hinweis auf das regionale Einzelhandelskonzept einen solchen Standort auf der grünen Wiese ablehnte.
„Besondere Bedeutung“
Anfang Dezember verkündete dann Ikea, auf die Kritik der Nachbarn reagieren zu wollen und die Homepark-Pläne zusammenzustreichen. Aber auch für Kritiker in den Reihen der Hofheimer Kommunalpolitik und des Naturschutzes hatte Ikea ein Zuckerl zu bieten: Der Möbelkonzern änderte sein „Flächenlayout“ und verringerte seinen Stellplatzbedarf, so dass die Fläche, die versiegelt wird, um die Hälfte verringert wurde. Statt der geplanten 52.000 Quadratmeter seien nur noch 26.000 Quadratmeter notwendig, hieß es. Es müssen weniger Kleingärten als geplant weichen, die im benachbarten Naherholungsgebiet im „Wiesengrund“ eine Ersatzfläche finden sollen – einem Areal, das als grüne Lunge Wallaus gilt.
Hatte die Stadt Hofheim im Dezember noch die modifizierte Planung ausdrücklich gelobt, so dürfte man in der Kreisstadt nun enttäuscht sein, dass das Entgegenkommen insbesondere von Mainz und Wiesbaden nicht honoriert wird. Aber auch Frankfurt soll im Gespräch in der vergangenen Woche noch einmal seine Bedenken vorgetragen haben. Offen ist nun, wie die Geschäftsstelle der Regionalversammlung Südhessen, also das Regierungspräsidium Darmstadt, das Votum der Städte bewertet. Hofheim hatte die Behörde erst kürzlich noch einmal wissen lassen, welche „besondere Bedeutung“ die Pläne sowohl für die Stadt als auch für die Deutschlandzentrale des Unternehmens hätten. Vor allem der Homepark diene der „langfristigen Stabilisierung“ des Ikea-Standorts in Wallau.
Stadt Mainz im Matsch
Stefan Berger (stefberg)
- 23.12.2009, 14:27 Uhr
Stadt Mainz im Matsch
Stefan Berger (stefberg)
- 23.12.2009, 14:27 Uhr

