11.12.2008 · Hans-Joachim Tonnellier stellt sich als Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt nicht erneut zur Wahl. Unternehmer und Manager wurden von seiner Ankündigung überrascht. Wer Tonnellier folgen könnte, ist noch offen.
Von Manfred KöhlerUnternehmer und Manager in Frankfurt haben sich überrascht von der Ankündigung Hans-Joachim Tonnelliers gezeigt, nicht abermals für das Präsidentenamt der Industrie- und Handelskammer Frankfurt zu kandidieren. Von verschiedener Seite hieß es, Tonnellier habe in den vergangenen eineinhalb Jahren gute Arbeit in der Kammer geleistet, dass er nicht weitermache, sei bedauerlich. Der Sechzigjährige hatte am Dienstag in der Vollversammlung angekündigt, bei den im Januar anstehenden Wahlen zwar abermals für dieses Gremium, nicht aber für das Präsidentenamt kandidieren zu wollen. Auch die Vizepräsidenten waren erst wenige Minuten zuvor über diese Entscheidung informiert worden.
In der Vollversammlung, der 89 Unternehmer und Manager angehören, wurde die Rede Tonnelliers, in der er zugleich ein Resümee seiner Arbeit gezogen hatte, mit lang anhaltendem Beifall bedacht. Gelegenheit zu einer Aussprache sah die Tagesordnung jedoch nicht vor.
Viel Lob für Tonnelliers Arbeit
Frank Albrecht, einer der Vizepräsidenten, äußerte, Tonnellier habe einen sehr guten Job gemacht. Die Kammer kümmere sich jetzt nicht mehr nur um die großen Unternehmen, sondern auch um den Mittelstand. Tonnellier strahle Vertrauen aus, sagte Albrecht. Horst Platz, der ebenfalls dem Präsidium angehört, sagte, Tonnellier sei ein Präsident, der mit beiden Füßen fest auf dem Boden stehe. Für seine eigene Aufgabe, die Vertretung des Main-Taunus- und des Hochtaunuskreises, habe er von Tonnellier stets viel Unterstützung erhalten.
Der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Volksbank hatte das Amt als Kammerpräsident im Juni vergangenen Jahres von Joachim von Harbou übernommen, der nach schweren Auseinandersetzungen aufgegeben hatte. Auch wenn in der juristischen Frage, ob auch Aufsichtsratsvorsitzende Mitglieder der Vollversammlung sein dürfen, weiterhin Differenzen unter den neun Vizepräsidenten bestehen, war es dem neuen Präsidenten doch gelungen, dass das Gremium zur Sacharbeit zurückkehrte. Tonnellier prägte dafür den Begriff von der „versöhnten Verschiedenheit“. Mit einer neuen Wahlordnung, die in diesem Jahr verabschiedet wurde, wird überdies sehr viel unwahrscheinlicher, dass es abermals zu einem Streit über derartige Rechtsfragen kommt. So hatte Tonnellier seine Ankündigung, nicht abermals für das Präsidentenamt zu kandieren, auch damit begründet, dass er seine Aufgabe als erledigt ansehe. Zudem hatte er darauf verwiesen, dass er nicht mehr für eine volle Amtszeit zur Verfügung stehen könne. Tonnellier ist im März dieses Jahres 60 Jahre alt geworden; bei Ende der im Frühjahr 2009 beginnenden, fünfjährigen Wahlperiode wäre er mithin 66 Jahre alt.
Wer Tonnellier folgen könnte, ist noch offen. Zunächst solle die Wahl zur Vollversammlung abgewartet werden, weil der Präsident aus ihrem Kreis kommen müsse, hieß es. Es wurde darauf verwiesen, dass 2004 mit Wolf Klinz selbst ein amtierender Präsident bei der Wahl zur neuen Vollversammlung durchgefallen sei. Die Briefwahl dauert bis zum 17. Februar.