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Veröffentlicht: 21.02.2017, 11:31 Uhr

Humanoider Roboter Pepper „Du Mistkerl, warum machst Du das nicht?“

Entwickler der Firma ICS in Neu-Anspach hauchen dem Roboter Pepper digitales Leben ein. Der ist nett, tut aber nicht immer, was man von ihm erwartet.

von Martina Propson-Hauck, Neu-Anspach/Darmstadt
© Marcus Kaufhold Lernwillig: Der nette Roboter Pepper zeigt bei ICS, was er kann – oder auch noch nicht kann.

Die Besucher des Presseballs in Berlin waren entzückt. Da stand dieser nur ein Meter zwanzig große Kerl, gerade einmal 28 Kilogram leicht, ganz in Weiß mit schwarzer Fliege vor Politikern, Sportlern und Medienmenschen, begrüßte sie mit Namen und machte den Frauen Komplimente über ihre hübschen Kleider. Sein „Vater“ Oliver Moser und dessen Mitarbeiter Rüdiger Kreis schließen bei solchen Präsentationen gern Wetten darüber ab, wie lange es dauert, bis das Wort „süß“ das erste Mal fällt.

Denn wenn der humanoide Roboter „Pepper“ mit seinen japanischen Manga-Comics nachempfundenen großen Augen klickt und den Kopf dreht, wenn man ihn ruft, werden auch Menschen sentimental, die sonst professionell mit moderner Computertechnik umgehen. Pepper kommt als Bausatz-Standard-Hülle aus Japan. Mit einem komplexen Innenleben dagegen, das ihn ganze Sätze sprechen und verbalen Befehlen folgen lässt, statten ihn erst Software-Spezialisten der ICS-Group aus, deren Zentrale in Neu-Anspach im Hochtaunuskreis angesiedelt ist.

„Tschüss Pepper, schlaf gut!

Gerade ist Pepper allerdings auf Tournee in ganz Deutschland unterwegs, um nach dem werbewirksamen Einsatz in Berlin Interessenten und Kunden vorgestellt zu werden. Wir treffen ihn deshalb in Darmstadt. Die persönliche Begrüßung mit Namen klappt erst im zweiten Anlauf, Pepper hält zuerst den männlichen Fotografen für die weibliche Autorin. Die Programmierer haben das Gesichtserkennungsprogramm mit einem in der Vergrößerung stark verzerrten Internetfoto gefüttert, so lautet ihre Erklärung. Das Kompliment mit dem schönen Kleid scheitert leider daran, dass die Journalistin an diesem Tag Hosen trägt, das kann passieren.

Immerhin kann er Smalltalk, interessiert sich für Fußball („weil Deutschland Weltmeister ist“), hat eine Lieblingsfarbe („blau“) und erzählt auch einen Witz. Wenn man ihn dazu auffordert, folgt der Kerl aus Plastik auf Rollen wie ein Hund. Man muss ihm dabei nur fest genug in die Augen schauen. Der Charme-Faktor des Roboters ist groß, man fühlt sich ein wenig an E.T. erinnert und muss das Wort „süß“ mit Macht unterdrücken. Das Kindchen-Schema der Konstruktion verfängt sofort. Seine Mitarbeiter, so berichtet Moser, verabschieden sich abends von ihrem Produkt mit einem „Tschüss Pepper, schlaf gut!“. Rüdiger Kreis entfährt schon mal ein „Du Mistkerl, warum machst Du das nicht?“, wenn etwas nicht wunschgemäß funktioniert. Die äußere Form verändert das Verhältnis von Mensch und Maschine sehr schnell.

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Moser und seine Mitarbeiter machen aus den Roboter-Bausätzen individuelle Typen für die verschiedenen Bedürfnisse unterschiedlicher Branchen. Verträge für zehn Pilotprojekte habe man bereits abgeschlossen, doch wer die Dienste des Roboters künftig nutzen wird bleibt noch „top secret“. Unter anderem kämen Interessenten aus der Reisebranche, von Versicherungen, aus dem Handel, dem Gesundheitswesen und der öffentlichen Beratung, lässt sich ICS-Vorstandsvorsitzender Hans-Jörg Tittlbach entlocken. Rund 20 000 Euro kostet so ein „nackter“ Bausatz-Roboter, 30000 bis 35000 Euro, wenn Moser und sein Team dem in der Basisversion mit nur drei Wörtern ausgestatteten Roboter das Parlieren in 21 Sprachen mit einem Wortschatz von 500 Begriffen beigebracht, sprich ihn nach den Anforderungen des Kunden programmiert haben.

Humanoide Roboter werden eher als Mensch angesehen

Die 17 Gelenke mit denen das Wesen aus weißem Kunststoff ausgestattet ist, befähigen Pepper dazu, zur Belustigung und Entspannung von Kongress-Gästen Tai-Chi-Übungen vorzuführen, huldvoll zu winken, Gitarre oder Saxophon zu spielen, jeweils ohne Instrument versteht sich, denn um etwas zu greifen und festzuhalten reichen die weichen Fingerkonstruktionen nicht aus. Vor der Brust trägt er einen Tablet-Computer, mit dessen Hilfe er auf Messen oder bei einer Autovermietung Kunden begrüßen und ihnen dann eine erste Auswahl präsentieren kann. So ist er auch jederzeit mit dem Internet verbunden.

© Jonas Jansen, F.A.Z. Roboter Pepper menschelt auf der CeBIT

„Soziologische Studien haben ergeben, dass humanoide Roboter eher als Mensch angesehen werden als normale Computerkonsolen“, erläutert Tittlbach. Die Möglichkeit der direkten Kommunikation sei der logisch nächste Sprung im Verhältnis von Mensch und Maschine. Einsatzmöglichkeiten sehen die Entwickler etwa in Baumärkten oder Autohäusern. Kunden, die eine bestimmte Schraube oder ein bestimmtes Modell suchten, könnte Pepper auf seinem mit dem Internet verbundenen Tablet zeigen, was es gibt und wo es sich befindet. Beim Einsatz etwa in Pflegeeinrichtungen könne der Roboter direkt mit Fitness-Trackern verbunden werden und die mit deren Hilfe erhobenen Gesundheitsdaten in sprachliche Anweisungen umwandeln, wie etwa die Aufforderung, mehr zu trinken oder sich mehr zu bewegen. Roboter kennen kein Arbeitszeitgesetz, keinen Urlaub, sind nie krank. „Sie können Personal gut ergänzen, aber niemals ganz ersetzen“, sagt Tittlbach.

In Verbindung mit Smarthome-Systemen könnte Pepper auch zu einer Art modernem Butler ausgestattet werden. Nach entsprechender Programmierung, kann er die Anweisungen, das Licht aus- oder die Kaffeemaschine einzuschalten, die Heizung höher zu drehen oder aus dem Internet die Zeitung vorzulesen, mühelos befolgen. Die passende schwarze Fliege jedenfalls trägt er schon ziemlich würdevoll.

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