29.06.2007 · Die Bayern machen es längst, und die Hessen sollen es ihnen nach dem Willen des Landes gleichtun: Präsenz in China zeigen. Das Land will Mittelständlern den Weg in den Riesenmarkt ebnen. Doch der Versuch stellt sich als schwieriger als erhofft dar.
Von Thorsten WinterDie Bayern machen es längst, und die Hessen sollen es ihnen nach dem Willen der Landesregierung gleichtun: Präsenz in China zeigen. Das Land will mittelständischen hessischen Unternehmen den Weg in den Riesenmarkt ebnen. Doch der Versuch stellt sich als schwieriger als erhofft dar. Zwar sind einige hundert Unternehmen angeschrieben worden, doch ist noch fraglich, ob der hessische Gemeinschaftsstand auf der Hochtechnologiemesse „China Hi-Tech Fair“ im Oktober in der Stadt Shenzhen zustande kommen wird.
Bisher sollen lediglich zwei Unternehmen ihre Teilnahme zugesagt haben; sechs andere Firmen sind interessiert. Zum Vergleich: Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sind gut 700 hessische Firmen schon in China vertreten – und rund 1100 Unternehmen in Hessen zählt das Statistische Landesamt in Wiesbaden insgesamt zum Hochtechnologiesektor.
Fünf Unternehmen gesucht
Die Idee, einen Gemeinschaftsstand einzurichten, geht auf den Chinabesuch von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) vom vergangenen Jahr zurück und ist nach der Delegationsreise von Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) im März konkretisiert worden. Wächst doch die chinesische Wirtschaft seit Jahren mit zweistelligen Raten, und die Investmentbank Morgan Stanley hat gerade ihre Prognose für China für 2007 und 2008 angehoben und erwartet ein ungebremstes Wachstum.
So will die Hessen-Agentur für das Land mit der Wirtschaftsförderung Frankfurt und der Industrie- und Handelskammer dieser Stadt sowie dem regionalen Standortmarketing Frankfurt Rhein-Main GmbH den Messestand auf die Beine stellen. Ausdrücklich sollen sich beim Auftritt nicht nur die regionalen Wirtschaftsförderer präsentieren, wie bei der Hessen-Agentur zu erfahren ist. Demnach werden mindestens fünf Unternehmen gesucht, die sich in dem unweit von Hongkong gelegenen Shenzhen zeigen wollen. „Sonst wird es den Stand nicht geben“, sagte ein Vertreter der Hessen-Agentur dieser Zeitung.
Bayern sind schon da - und Sachsen auch
Die Bayern haben in den vergangenen Jahren offensichtlich kaum Probleme gehabt, Firmenchefs für einen Auftritt bei der „China Hi-Tech Fair“ zu begeistern. Seit dem Jahr 2000 hat sich der Freistaat jedes Jahr in Shenzhen präsentiert. Wie das deutsche Generalkonsulat in Kanton anmerkt, nahmen im vergangenen Jahr neun Aussteller aus Bayern an dem vom Wirtschaftsministerium in München, der IHK Nürnberg und Bayern International, einem staatlichen Unternehmen zur Förderung der Außenwirtschaft, organisierten Gemeinschaftsstand auf der Hochtechnologiemesse teil, die sich unter anderem an die Branchen Biotechnologie, Labortechnik, Optische Industrie, Messtechnik und Umwelttechnologie richtet. Auch hat sich Sachsen 2006 erstmals präsentiert, und zwar mit sieben Ausstellern. „Die deutschen Aussteller waren durchweg sehr zufrieden mit dem Verlauf der Messe“, heißt es beim Konsulat – nicht zuletzt wegen des auf konkrete Geschäftsbeziehungen ausgerichteten Publikums.
Vor diesem Hintergrund wollen beide Freistaaten auch bei der „China Hi-Tech Fair“ im Oktober wieder vertreten sein, wie eine Sprecherin von Nürnberg Global Fairs sagte. Nürnberg Global Fairs ist eine Tochterfirma der fränkischen Messegesellschaft und beauftragt, den hessischen Pavillon in Shenzhen hochzuziehen sowie gemeinsam mit der IHK Frankfurt Unternehmen für den Stand zu gewinnen. Letzteres gestalte sich schwieriger als angenommen, bestätigte der Mitarbeiterin. Viele der angschriebenen Unternehmen seien schon in China aktiv, manche zögen andere Technologiemessen vor, die zum Teil auf einzelne Branchen ausgerichtet seien. Immerhin hätten sechs hessische Firmen bei Nürnberg Global Fairs bisher telefonisch ihr Interesse bekundet.
„Das geht bei vielen Firmen immer kurzfristig“
Die Hessen-Agentur will sich angesichts dessen direkt an die Geschäftsführer der angeschriebenen Unternehmen wenden und fragen, ob sie eine Teilnahme fest planen. Je Quadratmeter Standfläche müssen die Firmen mit 140 Euro rechnen. Doch können sie auch einplanen, den Rücktransport der Ausstellungsstücke zur Hälfte vom Land Hessen bezahlt zu bekommen. Zudem kümmert sich Hessen-Agentur um Fax- und Internetanschlüsse und Verpflegung und zahlt die Hälfte der mit dem Stand verbundenen Kosten. Ob Nürnberg Global Fairs den Stand bauen muss, wird sich Ende Juli entscheiden. Bis dahin müssen sich die Firmen erklären. Hoffnung besteht: „Das geht bei vielen Firmen immer kurzfristig“, heißt es bei der IHK Frankfurt.