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Veröffentlicht: 05.10.2016, 10:46 Uhr

Hainburg Hessisches Start-up erzeugt Strom in Afrika

Ein Unternehmen aus Hainburg bringt eine zuverlässige Stromversorgung ins afrikanische Mali. Dafür braucht es einfache Container und einige Solarmodule.

von Alex Wehnert, Hainburg
© Africa Green Tec Einfach und effizient: Mit einem kompakten Solarkraftwerk kann ein ganzes Dorf mit Strom versorgt werden.

Als der malische Präsident die neue Anlage sieht, fallen ihm fast die Augen heraus. „Du bist ein Mensch, dem man vertrauen kann“, sagt er zu Torsten Schreiber. Der Geschäftsführer und Gründer von „Africa Green Tec“ hat mit seinem Team im September 2015 das erste mobile Solarkraftwerk in Mali aufgebaut. Der Clou dabei: Die Energiequelle wird als Container nach Afrika verschifft und muss vor Ort nur noch aufgeklappt werden. Der Präsident posiert neben dem kleinen Kraftwerk stolz für das Staatsfernsehen und schließt es mit einem Stecker ans Stromnetz des nahe gelegenen Dorfes Mourdiah an. Die Dorfältesten und einige Kinder kommen ebenfalls herbei, um die Besucher kennenzulernen und sich das neumodische Gerät anzuschauen.

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Africa Green Tec, das Unternehmen, das den Solarcontainer nach Mali gebracht hat, kommt aus Hainburg bei Hanau. Die Idee, sich in Mali zu engagieren, kam Schreiber nach einem Besuch dort im Jahr 2013. Sein Schwager, dem eine Supermarktkette in der Hauptstadt Bamako gehört, hatte den Energieexperten eingeladen, um sich die Situation vor Ort anzuschauen. Schreiber konnte nicht fassen, was er sah: Die Hauptstadt Bamako wurde von zwei Dieselkraftwerken mit Strom versorgt. Jedes Kraftwerk bestand aus zwölf Generatoren, Baujahr 1957, deren Treibstoff über die Elfenbeinküste und den Senegal importiert wurde, weil Mali selbst keine Küste hat. Tag für Tag kamen neun Tanklastzüge von Abidjan und Dakar aus an, um die Versorgung sicherzustellen. Doch bei jedem kleineren politischen Konflikt mit den Nachbarn wurden die Lieferungen gestoppt – und Bamako hatte plötzlich keinen Strom mehr.

Crowdfunding und Freunde sicherten das erste Kapital

Schreibers erste Idee, die Versorgung zu verbessern, machte sich quasi ein anderes malisches Problem zunutze: Die 1,8-Millionen-Einwohner-Metropole Bamako versinkt im Müll, mancherorts türmen sich die Abfallberge neun Meter hoch auf. „In Frankfurt oder Darmstadt gibt es große Müllheizkraftwerke“, sagt Schreiber. Warum also nicht die gleiche Idee für Strom umsetzen? Der malische Energieminister sei sofort begeistert gewesen, doch die europäischen Geldgeber hätten nicht mitgespielt, berichtet Schreiber. Für acht Müllverbrennungsanlagen in der Nähe der großen Deponien brauchte Schreiber 48 Millionen Euro. Doch niemand habe in ein durch Krisen geplagtes Land wie Mali investieren wollen.

Schreiber war gezwungen, kleiner zu denken und entwickelte die Solarkraftwerke. Als Initialkapital brauchte er dafür 250000 Euro, von denen er 107000 binnen vier Tagen über Crowdfunding bekam. Den Rest gaben Freunde dazu. Mit Charlie Njonmou gründete Schreiber die Firma „Mobile Solarkraftwerke Afrika“, die von Africa Green Tec entwickelte Konzepte vor Ort umsetzen soll. Njonmou ist gebürtiger Kameruner und hat in Bad Homburg und Darmstadt studiert. „Charlie ist besonders wichtig für unsere Authentizität“, sagt Schreiber. Kennengelernt haben sich die beiden über Schreibers Frau Aida, die selbst aus Mali stammt. Mit ihrer Hilfe stellte Schreiber ein junges Team aus etlichen Nationen zusammen. Viele der 25 Mitarbeiter sind Studenten, die kein Gehalt bekommen. Doch die Arbeit zahlt sich trotzdem aus: Bei den Energy-Awards des Handelsblatts wurde Africa Green Tec nun als bestes Start-up ausgezeichnet.

„Eine Million Menschen mit Strom versorgen“

Auf das erste Kraftwerk folgten schnell weitere Bestellungen. „Wir haben in Mali bestimmt 50 bis 60 Würdenträger abgeklappert und alle von unserer Idee überzeugt“, sagt Schreiber. Ein Kraftwerk setzt 33000 Euro Strom im Jahr um, daraus zieht Africa Green Tec seine Gewinne. Drei weitere Anlagen sind schon finanziert, das Geld für die insgesamt fünfte soll über eine österreichische Crowdfunding-Plattform gewonnen werden. Doch die Pläne von Africa Green Tec sind größer: Im nächsten Jahr möchte das Start-up eine Anleihe über zehn Millionen Euro ausgeben. Mit diesem Geld sollen 25 weitere Standorte finanziert und alles in allem 250000 Menschen mit Strom versorgt werden.

Währenddessen entwickelt das Hainburger Unternehmen die Technik weiter. Künftig sollen die Module auf den Kraftwerken nicht aus Glas, sondern aus einem Kunststofflaminat bestehen. Dieses kann nicht durch Wüstensand zerkratzt werden. Zudem sind die Kunststoffmodule dünner als die aus Glas, und es passen doppelt so viele auf ein Kraftwerk. So kann mehr Energie erzeugt werden.

Der Bedarf an modernen Energielösungen steigt in Afrika mit dem Bevölkerungswachstum. Im Niger etwa sollen über die nächsten fünf Jahre 1000 Dörfer elektrifiziert werden. Schreiber, dessen Tochter die Geschäfte eines Tages übernehmen soll, hat eine Vision: „In meiner Lebenszeit will ich eine Million Menschen mit Strom versorgen.“

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