Home
http://www.faz.net/-gzj-y6a3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Hessischer Regionalverband gegründet Unabhängige Musiklabels planen eigene Messe

23.08.2009 ·  Unabhängige Musiklabels vermarkten keine Superstars, sondern aufstrebende Künstler. 118 solcher Unternehmen gibt es in Hessen. Um mehr Gehör zu finden, haben Labels nun den Regionalverband VUT Hessen gegründet.

Von Tim Kanning
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Der breiten Masse sind sie weitgehend unbekannt. Aber letztlich basiert das Geschäftsmodell der unabhängigen Musiklabels darauf, dass sie eben nicht allseits bekannte Superstars vermarkten, sondern aufstrebende Bands und Künstler. Senor Coconut etwa, ein Elektro-DJ mit Big Band, wird vom kleinen Frankfurter Label Essay Recordings vertrieben, ebenso Shantel, der Balkan Pop mit Songs wie „Disko Partizani“ bekannt gemacht hat.

118 solcher Unternehmen, die nicht zu Konzernen wie EMI, Sony oder Universal gehören, zählt der Verband unabhängiger Musikunternehmen VUT als Mitglieder in Hessen. Das Land ist damit so stark vertreten wie kein anderes. Am deutschen Plattenmarkt machen alle sogenannten Indies zusammen nach Verbandsangaben 25 Prozent aus. Um ihr Gewicht stärker in der Politik, der Öffentlichkeit sowie gegenüber Einzelhandel und Medien zu zeigen, hat sich nun der VUT Hessen gegründet. Denn bei aller Liebe zur Kleinteiligkeit müssen auch diese Plattenfirmen ihre Kunden erreichen und sich im hart umkämpften Markt durchsetzen, in dem nach Ansicht der Kleinen viel über Absprachen der großen Verlage mit Einzelhandelsriesen und Medienhäusern läuft.

Mischung aus Messe und Festival

Erstes Projekt, das Vereinsvorstand Sven Robin angehen will, ist eine Mischung aus Messe und Festival. Im Vordergrund sollte die Musik der regionalen Labelkünstler stehen, sagt Robin – „mit Business im Hintergrund“. Für nächste Woche sei ein erstes Sondierungsgespräch mit der Messe Frankfurt angesetzt.

Eines der Vorbilder des VUT Hessen ist der Regionalverband Süd, der schon Erfolge vermelden kann. Einen Tag lang stellt die Stadt München den unabhängigen Labels kostenlos das Konzerthaus Gasteig zur Verfügung, 32 Bands sollen dort auf vier Bühnen die Bandbreite der lokalen Labels zeigen. „Die Idee wäre in jedem Fall auf Frankfurt übertragbar“, meint Robin. Die Wirtschaftsförderung Frankfurt unterstützt den Verband schon jetzt mit Büroräumen an der Hanauer Landstraße. Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) ließ zur Gründungssitzung am Donnerstag Abend die besten Wünsche ausrichten.

Scheck über zwei Cent aus Amerika

Den Mitgliedern brennen eine ganze Reihe von Themen unter den Nägeln, wie sich zeigte. Wie bekommt man einen Banker dazu, Künstler zu finanzieren, die noch nicht bei Thomas Gottschalk aufgetreten sind? Ist das Internet Fluch oder Segen? Das Internetradio Last FM hatte anfangs Musik ganz frei gesendet, mittlerweile bekommen die kleinen Verlage immerhin Lizenzgebühren. Allerdings fühlen sie sich dabei wieder benachteiligt, wieder profitierten nur die Platzhirsche, obwohl die Indies den Großteil der Inhalte stellten. Essay-Chef Jean Trouillet berichtete, er habe einen Scheck aus Amerika bekommen, über zwei Cent.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1982, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr