31.08.2008 · Mit Beginn der neuen Heizperiode setzen die Energieversorger die Erdgaspreise hoch. Ein wenig lässt sich mit einem Tarif- oder Anbieterwechsel sparen - am ehesten in und um Darmstadt und Hanau.
Von Manfred KöhlerEigentlich eine gute Nachricht. Dank der Globalisierung steigt der Wohlstand, namentlich in Ländern wie China und Indien. Dank des Wohlstands steigt die Nachfrage nach Energie. Doch damit wachsen auch die Preise, für Öl ebenso wie für Erdgas. Und das nicht zu knapp. Saftige Preiserhöhungen sind in diesem Herbst auch bei Energieversorgern im Rhein-Main-Gebiet eher die Regel als die Ausnahme.
Einhellig verweisen die Unternehmen auf höhere Beschaffungskosten, die sie dringend weitergeben müssten. Entrinnen ist schwierig. Erdgas ist beliebt. Anfang der Woche teilte das Statistische Landesamt in Wiesbaden mit, dass auch bei den im vergangenen Jahr fertiggestellten Wohngebäuden noch zwei Drittel mit Gasheizungen ausgestattet wurden. Wer zu einem anderen Energieträger wechseln will, muss neue Anlagen kaufen - und kann vom Regen in die Traufe gelangen. Denn natürlich gleichen sich die Preise mittelfristig an.
Ersparnis von 48 Euro - im Jahr
So hilft nur Schadensbegrenzung - sofern man Herr des Verfahrens ist, weil man zum Beispiel ein eigenes Haus bewohnt. Dann hat es Sinn, zu prüfen, ob sich das Erdgas nicht preiswerter beziehen lässt. Allzu groß sind die Ersparnisse allerdings in der Regel nicht. Beispiel Frankfurt: Die Mainova AG verlangt in ihrem Tarif „Erdgas komplett“ von September an bei einem Jahresverbrauch von umgerechnet 20.000 Kilowattstunden 1336 statt 1222 Euro - gut neun Prozent mehr (siehe Tabelle). Ein Wechsel des Anbieters hat lediglich zur E wie Einfach Strom & Gas GmbH aus Köln Sinn, dem Billiganbieter des Eon-Konzerns. Das Unternehmen pflegt beim Arbeitspreis stets 0,24 Cent je Kilowattstunde unter dem sogenannten Allgemeinen Tarif der Konkurrenz zu bleiben, macht also Preiserhöhungen wie -senkungen mit kurzer Verzögerung mit. Nur wer bis Mitte Juni abschloss, profitiert noch von der früher gewährten einjährigen Preisgarantie. Nach Angaben des Unternehmens wird man bei dem erwähnten Jahresverbrauch künftig 1288 Euro zahlen - im Vergleich zu dem erwähnten Mainova-Tarif eine Ersparnis von 48 Euro.
Nicht viel geringer ist mit 30 Euro die Ersparnis, wenn man zwar der Mainova treu bleibt, aber den Tarif wechselt, in diesem Fall von „Erdgas Medium“ auf „Erdgas Komplett“. Wie bei Stromtarifen sollte jeder Kunde ausrechnen, welcher Tarif bei seinem Verbrauch besser ist. Mehr zu holen ist beim Wechsel zum Online-Tarif „Erdgas Direkt“, bei dem noch ein einmaliger Bonus lockt.
Eine Frage der Markteinschätzung
Ob man sich für einen der zunehmend angebotenen Festpreis-Tarife entscheidet, bei denen das Erdgas jetzt zwar teurer ist, weitere Erhöhungen aber auf bestimmte Zeit ausgeschlossen sind, ist eine Frage der Markteinschätzung. Wer an steigende Preise glaubt, sollte das einmal durchrechnen. Vor zu langen Festlegungen ist aber zu warnen. Bleiben die Preise wider Erwarten konstant oder sinken gar, zahlt der Gaskunde drauf.
Anderswo im Rhein-Main-Gebiet kann es lohnender sein, sich einmal auf den einschlägigen Seiten mit Preisvergleichen im Internet umzusehen. Vor allem südlich und östlich von Frankfurt können die Menschen unter weitaus mehr Erdgasanbietern wählen als in der Mainmetropole. Für Hanau und Dreieich nennt das Internetportal www.verivox.de acht Erdgastarife, für Darmstadt gar 15, und wer hier vom Standardtarif der Entega zum niedrigsten Angebot des gleichen Versorgers wechselt, spart inklusive einer Bonus-Zahlung im ersten Jahr bei 20 000 Kilowattstunden immerhin 346 Euro.
Doch selbst wer durch einen Wechsel weniger erwirtschaftet, tut nicht nur seinem Geldbeutel etwas Gutes. Je mehr Bewegung in den Markt kommt, desto spitzer werden die Preise von den Energieversorgern kalkuliert. Wettbewerb hat noch stets geholfen.
Nicht nur E- wie ... rechnet sich
Gerald Hart (ghartarc)
- 31.08.2008, 21:21 Uhr