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Heimtierbranche Heute, Fiffi, wird’s was geben

26.12.2010 ·  Auch die Heimtierbranche versucht vom Weihnachtsrummel zu profitieren – mit Hundefutter in Tannenbaumform und dem Kratzbaum „Santa“ für die Katze.

Von Manfred Köhler, Frankfurt
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Auch so ein Hund soll es sich ja gemütlich machen an Weihnachten. Bloß wie? Glücklicherweise weiß man bei der auf Tierfutter spezialisierten Handelskette Fressnapf Rat. Das Feierabend-Set für den Vierbeiner kostet nur fünf Euro, drin sind zwei Flaschen geheimnisvollen Hundebiers und ein Päckchen Hundezigarren aus Fleisch. Die Katze schätzt vielleicht eher die Winterzauber-Edition ihres Lieblingsfutters, Ente und Garnelen mit Kürbis und Sesam. Die Auswahl an Weihnachtsprodukten ist durchaus üppig dieser Tage in den Zoofachgeschäften an den Stadträndern. Bei Kölle Zoo, im Rhein-Main-Gebiet zum Beispiel in Frankfurt und Weiterstadt vertreten, hat man nicht nur an Katzen gedacht, die sich am Kratzbaum „Santa“ in weihnachtlichem Rot erfreuen können, sondern auch an Kaninchen. Sie können sich mit Spielzeug und Snacks vergnügen, die in einer speziellen Weihnachtsbox für Nager angeboten werden.

Denn die Heimtierbranche will das Fest nicht an sich vorbeiziehen lassen. Schon seit einigen Jahren zielt sie mit speziellen Produkten auf Kunden, die beim Geschenkekauf auch an ihre tierischen Freunde denken. In diesem Jahr aber hat Fressnapf, eine der großen Handelsketten in dem Milliardenmarkt, aufgerüstet. Mit einem Fernsehspot werden die Tierliebhaber daran erinnert, dass Weihnachten auch ein Fest der Tierliebe sein kann. In der Kundenzeitschrift wird ausführlich beschrieben, wie sich die vierbeinige „Banja“ bei den Dreharbeiten an einer Hundehütte erfreute, an der lauter bunte Hundekuchen klebten.

Adventskalender mit Leckerlis

Der Industrieverband Heimtierbedarf hatte schon im November eine Umfrage veröffentlicht, nach der 64 Prozent der Hundehalter ihrem Vierbeiner etwas zum Fest schenken wollen, 60 Prozent der Katzenhalter und 58 Prozent derjenigen, die sich ein Kleintier wie ein Kaninchen oder einen Hamster halten. Sogar 53 Prozent der Aquarienbesitzer denken an Heiligabend auch an ihre Fische, selbst wenn unklar bleibt, wie die Geschenke überreicht werden. Frauen, so ergab die Umfrage, sind schenkfreudiger als Männer.

Das Saisongeschäft fällt dann aber doch nicht ganz so groß aus wie in anderen Branchen. Zwar bauen die Hersteller von Tierfutter ihre Weihnachtssortiment seit Jahren aus, wie es in der Unternehmenszentrale von Kölle Zoo in Korntal bei Stuttgart heißt. Das fange schon mit Adventskalendern mit Leckerlis an. Ein Sprecher des Branchenverbands weist aber nüchtern darauf hin, wenn derzeit allerhand Futter mit weihnachtlichem Aufdruck verkauft werde, gehe es doch weitgehend nur anstelle des üblichen Futters über die Ladentheke, nicht zusätzlich. Fressnapf-Gründer Torsten Toeller sagt, in echte Weihnachtsgeschenke für Tiere würden meist zehn bis 20 Euro investiert.

Messe für Endverbraucher

Wer sich längere Zeit nicht in ein Fachgeschäft für Heimtierfreunde verirrt hat, staunt aber sowieso über die Vielfalt an Produkten für Hund und Katze, das von intelligenzförderndem Spielzeug über Hundemäntel im Roaddesign bis zum Babyphone für die furchtsame Jungkatze reicht. 3,6 Milliarden Euro geben die Deutschen im Jahr für ihre tierischen Freunde aus, wie der Industrieverband Heimtier meldet, davon allein 2,7 Milliarden für das Futter. Erfreut berichtet der Verbandssprecher, der Umsatz sei im Grunde von konjunkturellen Wechsellagen unabhängig. In deutschen Haushalten leben nach den Angaben des Verbands 8,2 Millionen Katzen, 5,6 Millionen Kleintiere wie Kaninchen und Hamster, 5,4 Millionen Hunde und 3,4 Millionen Ziervögel. Vor der Vielzahl an Fischen, die in Aquarien schwimmen, haben auch die Zähler des Branchenverbands die Waffen gestreckt.

Es ist eine Branche, von deren Gedeihen auch die Messe Frankfurt profitieren möchte. Das sonst auf Fachmessen für Geschäftsleute spezialisierte Unternehmen organisiert für Juni eine dreitägige Messe namens Maintier für Endverbraucher, eine Idee des Nachwuchses im Haus, die der neue Messechef Wolfgang Marzin durchaus gerne propagiert. Denn endlich einmal öffnen sich die Hallen auch außerhalb der IAA und der Buchmesse für ein breites Publikum. Bei einem global tätigen Konzern wie der Messe hat man auch schon nachgeschaut, dass der deutsche Heimtiermarkt der fünftgrößte der Welt ist. Nicht weniger animalisch zeigen sich die Japaner, auch wenn sie sich wegen der kleinen Wohnungen eher kompaktere Tiere anschaffen. Auch dort ist die Messe Frankfurt präsent, mit der Interpets im August 2011 in Tokio, organisiert von der dortigen Tochtergesellschaft.

Silvester ist das nächste Fest

Tiere selbst werden zu Weihnachten weniger verschenkt als zum Beispiel an Ostern, wie es bei Kölle Zoo heißt. Eine Ausnahme seien Fische und Aquarien. Die Handelskette stellt sich eher auf zusätzliche Umsätze in der nächsten Woche ein, wenn viele Arbeitnehmer frei haben.

Dann steht mit Silvester auch schon das nächste Fest bevor. Geschäftstüchtig, wie man in der Heimtierbranche ist, sieht man auch dies als Anlass für Umsatz. „Stressfrei an Silvester“ heißt ein Prospekt, der in Fressnapf-Filialen ausliegt und Hunde mit weit aufgerissenen Augen zeigt oder unter einer Decke versteckt. Natürlich sind den Mitarbeitern in der Unternehmenszentrale in Krefeld auch einige Produkte eingefallen, die gegen Angst und Schrecken um Mitternacht helfen. „Pet-Balance Pro Relax“ zum Beispiel wirkt gegen Nervosität. Und bei Katzen tragen Pheromone zur Beruhigung bei. Wer knapp bei Kasse ist, kann aber auch einfach klassische Musik laufen lassen.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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