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Handgepäck Schminkkoffer und Rasierwasser ade

07.11.2006 ·  Auch am Frankfurter Flughafen gelten die neue Bestimmungen fürs Handgepäck: Flüssigkeiten dürfen nur noch in Verpackungen mit maximal 100 Milliliter Füllmenge transportiert werden. Das befürchtete Chaos blieb jedoch aus.

Von Isa von Bismarck-Osten
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„Schatz, weißt du, wo mein Rasierwasser ist?“ Am Eingang der Abflughalle A im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens wühlt ein älteres Ehepaar nervös in seinem Handgepäck. Auch eine Mitarbeiterin der Fraport AG beteiligt sich an der Suche und zeigt auf ein braunes Lederetui. „Vielleicht hier drin?“ „Nein, das ist mein Rasierer“, raunt der Passagier.

Ein Schlafanzug, ein Buch und eine Zahnbürste kommen nacheinander zum Vorschein. „Ich hab' es“, ruft schließlich die Ehefrau und hält triumphierend eine blaue Flasche in die Höhe. Zusammen mit Zahnpasta und Mundwasser verschwindet das Rasierwasser kurz darauf in einem durchsichtigen Gefrierbeutel, den die Flughafenmitarbeiterin bereithält.

„Das ist völlig übertrieben“

„Hier dürfen Sie nur einen Liter Flüssigkeit einfüllen, und jedes Gefäß darf höchstens 100 Milliliter beinhalten“, warnt die junge Frau. Sie ist eine von 200 Mitarbeitern, die eigens für die Einführung der neuen Sicherheitsrichtlinie eingestellt wurden. Gemeinsam mit den Kollegen, die mit großen Informationsschildern und -zetteln durch die Halle laufen, versucht sie auf die neuen Bestimmungen, die von nun an für alle Flüge aus der Europäischen Union gelten, aufmerksam zu machen. „Aber die meisten wissen es eh schon aus den Medien oder von ihren Reisebüros“, sagt sie.

Video: Handgepäck von Fluggästen wird schärfer kontrolliert

Weiter hinten am Check-In der Lufthansa herrscht an den „Packtischen“, so nennt die Fraport AG die bereitgestellten Umpacktische, trotzdem reger Betrieb. Tief über ihre offenen Gepäckstücke gebeugt, stehen dort die unwissenden Passagiere auf der Suche nach Flüssigem. Unter ihnen ist auch Maria-Rita Bargolini. Empört nestelt die Mittvierzigerin in ihrem geräumigen Schminkkoffer herum. „Das ist völlig übertrieben“, flucht sie mit italienischem Akzent. „Wie in der Steinzeit müssen die Frauen jetzt wieder ohne Kosmetik klarkommen, oder was?“ Nervös steckt sie Creme, Make-up und Zahnpasta in eine der bereitliegenden Plastiktüten.

„Jetzt muß ich das alles in den Koffer packen, den ich eigentlich gar nicht aufgeben wollte. Bestimmt geht alles kaputt.“ Immer neue Plastiktüten befüllt sie mit Tübchen und Döschen. „Ich war viele Jahre lang Flugbegleiterin bei der Pan Am und bei der Lufthansa. Ich weiß, wie trocken die Luft da oben ist. Wie soll eine Dame da auf einem Zehn-Stunden-Flug ohne Lippenpflege und Creme zurechtkommen?“ Mit einem dumpfen Knall schließt sie den nun fast leeren Kosmetikkoffer. „Während ich hier umpacke, lachen sich die Terroristen doch kaputt und denken sich etwas Neues aus“, sagt sie und verschwindet in Richtung Gate.

„Heute ist Ausnahmezustand“

Um 14 Uhr ist am Eingang zum Gate C alles ruhig. „Sie hätten heute morgen zwischen acht und elf Uhr hier sein müssen“, sagt einer der „Queue Manager“, der den Strom der Reisenden überwacht. Ein Blick in die schon mit Getränke- und Shampooflaschen gefüllte Mülltonne neben dem Gate-Eingang liefert den Beweis. „Zwar wissen die meisten Passagiere Bescheid, aber wenn zu Stoßzeiten auch nur einer nicht vorbereitet ist, dann kommt gleich alles zum Stillstand.“

Scheinbar regungslos steht hingegen eine lange Menschenschlange vor Gate B. „Heute ist Ausnahmezustand“, sagt ein Flughafenmitarbeiter. „Wir sind das Gate für die ganzen Ferienflieger. Einfach schon die Masse macht's, daß es sich hier staut“, erklärt er. Mit Hilfe von Schildern teilt er die Wartenden in zwei Gruppen ein: Passagiere mit „unverpackten Flüssigkeiten“ schickt er nach links zu den Packtischen hinten im Sicherheitsbereich.

Der Gang unter dem Schild „Keine Flüssigkeiten + gepackte Flüssigkeiten“ führt die Passagiere dagegen direkt zur Sicherheitskontrolle, wo sie die Plastiktütchen noch einmal auf ein Band legen müssen. „Wir sprechen jeden einzelnen an, um herauszufinden, zu welcher Gruppe er gehört“, sagt der Sicherheitsmann genervt. „Wenn aber die Passagiere schon von weitem mit ihren Plastikbeuteln wedeln, freu' ich mich.“

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