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Handel Schlecker will an jeder Ecke sein

10.06.2006 ·  Die Strategie, auch in kleine Läden zu ziehen, um näher am Kunden zu sein, hat Schlecker zum Drogerie-Marktführer gemacht. Doch Experten sehen Schwächen beim Primus.

Von Jochen Remmert
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830 Filialen in Hessen, mehr als 70 davon allein in Frankfurt, mehr als 25 in Wiesbaden und gut 15 in Darmstadt. Irgendwo in der Nachbarschaft läßt sich in jeder größeren deutschen Stadt ein Markt des Drogerie-Riesen Schlecker finden. Und überall sollen es noch mehr werden, auch im Ausland. So heißt es zumindest im Reich des Anton Schlecker, der es vom Metzgermeister zum Chef des Drogerie-Marktführers in Deutschland und - nach eigenem Bekunden - in Europa gebracht hat. Sein Vermögen wird auf 900 Millionen Euro geschätzt.

Zeitungs- und Internetanzeigen scheinen zu belegen, daß Schlecker weiter durch Expansion wachsen will. Auch Frankfurt und Wiesbaden seien nach wie vor interessant, heißt es. „Zwischen 120 und 400 Quadratmeter brauchen wir. Renovieren, einräumen, eröffnen. Am besten, Sie faxen uns das Angebot“, weist die Frauenstimme vom Schlecker-Immobilien-Telefon kurz und knapp an, ohne weiter darauf zu achten, wer fragt.

Strategiewechsel bei Schlecker

Zu den Erkenntnissen der Branchenexperten will dieser demonstrierte Expansionswillen allerdings nicht recht passen. Dort ist vielmehr zu hören, daß auch einige der Frankfurter Filialen nicht einmal kostendeckend arbeiteten, geschweige denn Gewinn erwirtschafteten. In anderen Städten, so heißt es weiter, sei das nicht anders.

Nach Einschätzung von Herbert Kuhn, Handelsexperte der Tradedimensions GmbH in Frankfurt, die mit detaillierten Marktuntersuchungen ihr Geld verdient, vollzieht sich bei Schlecker derzeit ein Strategiewechsel, weg von sehr kleinen Geschäften, hin zu größeren, die dann auch eine womöglich effizientere Bewirtschaftung erlauben. Die Konkurrenz macht das schon lange so. Dem Zahlenwerk der Marktforscher zufolge betreibt Schlecker derzeit aber im Rhein-Main-Gebiet, etwa im Kreis Groß-Gerau, Filialen, die weniger als 100 Quadratmeter Fläche haben.

Nach einer neuen Studie der internationalen Beratungsfirma Mercer zum Drogeriesektor in Deutschland ist Schlecker denn auch zwar nach wie vor Marktführer und liegt mit einem Umsatz in Deutschland von 5,5 Milliarden Euro im Jahr 2005 klar vor Konkurrent dm mit 2,4 Milliarden und Rossmann mit gut 1,9 Milliarden Euro. Die Schwierigkeit der Schlecker-Kette ist aber, daß sie ihren Umsatz in fast 11.000 Verkaufsstellen erwirtschaftet, Verfolger dm aber in gerade einmal 800 Geschäften, Rossmann in 1160 Filialen.

„Standortnetz optimieren“

Etwa die dm-Dependancen sind zwar in der Regel erheblich größer und daher die Mietkosten je Filiale auch entsprechend höher. Schlecker muß aber einen größeren Aufwand zur Belieferung betreiben und hat daher Effizienznachteile gegenüber der Konkurrenz. Daß Schlecker deshalb Filialen geschlossen hat, gilt in der Branche als sicher, wie viele es sind, bleibt das Geheimnis des Ehinger Patriarchen und seiner Mitarbeiter. Nachfragen bei Schlecker blieben gestern unbeantwortet. Sirko Siemssen, Handelsexperte von Mercer, ist sich aber sicher: „Schlecker muß sein Standortnetz deutlich optimieren.“

Daß der Umsatz bei Schlecker 2005 im Vorjahresvergleich stagnierte, während dm ein Plus von 8,9 Prozent vorweisen konnte und Rossmann sogar mit 12,8 Prozent glänzte, erklären die Autoren der Mercer-Studie vor allem damit, daß Schlecker bei der Kundenzufriedenheit massive Schwierigkeiten habe. Und gerade die - nicht etwa die bloße Expansion - sei der Wachstumstreiber auf dem Drogeriesektor. Ausschlaggebend für die Zufriedenheit der Kunden ist, neben der Qualität der Waren, vor allem der Preis. Und der ist nach Ansicht der Experten bei Schlecker nicht so niedrig, wie das „billige“ Ambiente der Geschäfte glauben machen könnte. Beispielsweise dm schneidet auch dabei in der Studie besser ab.

Obwohl Schlecker bei den Kunden das schlechteste Leistungsimage unter allen Drogeriemärkten hat, wie es in der Studie weiter heißt, zählt der Branchenprimus derzeit aber noch immer in jeder Woche mehr als 16 Millionen von ihnen in den Geschäften. Zumindest an dieser Stelle hat die Strategie Schleckers, räumlich näher am Kunden zu sein als die Konkurrenz, den gewünschten Effekt.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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