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Handel im Internet Brot und Butter auf Bestellung

24.04.2008 ·  Die Dinge des täglichen Bedarfs gibt es nicht nur im Supermarkt, sondern auch im Internet. Die Zahl der Zulieferer ist überschaubar. Denn bei Lebensmitteln ist der deutsche Verbraucher - Service hin oder her - besonders knauserig.

Von Petra Kirchhoff
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Schon viele haben sich die Finger verbrannt. Das Versandhaus Otto ist nicht mehr dabei, die Tengelmann-Gruppe hat ihren Versuch in Frankfurt eingestellt, und auch die Supermarktkette Tegut aus Fulda ist ausgestiegen. Die Nachfrage sei zu schwach gewesen, heißt es auf Nachfrage. „Nur die wenigsten Kunden waren bereit, den finanziellen Aufwand zu tragen“, sagt eine Tegut-Sprecherin. Doch zum Discount-Preis sei die Lebensmittelzustellung nicht zu bewerkstelligen.

Deutsche Verbraucher wollen es billig. Vor allem bei Lebensmittelpreisen ist der Kunde hierzulande sehr verwöhnt. Das hat seinen Grund: Nirgendwo sonst in Europa stehen Supermärkte und Discounter in so einem scharfen Preiswettbewerb wie in Deutschland. Nirgendwo sonst sind die Margen im Lebensmittel-Einzelhandel so gering. Daher kommt es nach Meinung von Branchenvertretern, dass das Online-Geschäft mit Lebensmitteln, mit dem der britische Handelsriese Tesco auf seinem Heimatmarkt außerordentlich großen Erfolg hat, in Deutschland nicht in Gang kommt – anders als etwa bei Büchern und Bekleidung.

Lebensmittel - ein sensibles Produkt

Das wird nach Meinung von Thomas Steinmark, Geschäftsführer beim Bundesverband des Deutschen Versandhandels, auch so bleiben, solange nicht einer „der großen Player am Markt“, wie etwa Lidl und Aldi, die Dinge des täglichen Bedarfs ins Internet stellt und nach Hause liefert.

Eine Rewe-Sprecherin begründet die Zurückhaltung beim Online-Handel damit, dass der Kunde die Paprika vor dem Kauf auch riechen und anfassen wolle. Einkaufen sei ein „haptisches Erlebnis“. Kunden wollten Frische, sagt Verbandschef Steinmark. „Lebensmittel sind ein sensibles Produkt.“ Umgekehrt stelle das Gewicht von Getränkekästen etwa die Händler vor ein logistisches Problem. Am Markt behauptet hätten sich nur Nischenanbieter.

Das sind in der Rhein-Main-Region Direktvermarkter wie Querbeet und Das Paradieschen. Beide sind aus der Bio-Bewegung Mitte der achtziger Jahre hervorgegangen und haben sich im Laufe der Jahre einen festen Stamm von Kunden erarbeitet, die sie regelmäßig an bestimmten Tagen in der Woche mit Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln für den täglichen Bedarf beliefern. Dabei geht das Angebot über das Sortiment eines Hoflädchens deutlich hinaus. Mehr als 2000 Artikel bieten die beiden Händler im Internet an, auch im Abo – doch dazu bestehe für Kunden keinerlei Verpflichtung, sagt Thomas Wolff, Geschäftsführer von Querbeet.

Aktuell hat der Händler einen festen Stamm von 1200 Kunden, unter diesen junge Familien mit vielen Kindern, berufstätige Singles und ernährungsbewusste Verbraucher. Die Preise – ein Liter Bio-H-Milch (1,5 Prozent Fett) kostet 1,39 Euro – sieht Wolff auf „normalem Naturkostniveau“. Dass er bei einer relativ moderaten Zustellgebühr und hohen Spritkosten Geld verdient, führt der Geschäftsführer auf einen hohen Durchschnittsbon zurück.

Beim Online-Einkaufen empfiehlt sich der Blick ins Kleingedruckte

Diesen gibt die Tengelmann-Gruppe, die den Lieferservice zurzeit nur in München und Berlin anbietet, mit 75 Euro an, das seit deutlich höher als im stationären Einzelhandel. Den Frankfurter Raum hat das Unternehmen noch nicht ganz abgeschrieben. „Sollten wir damit in ein weiteres Filialgebiet gehen, dann wird es die Rhein-Main-Region sein“, sagt eine Sprecherin.

Zurück in die Zukunft also? Die Managementberatung A. T. Kearney hat im vergangenen Jahr eine Studie vorgestellt, wonach der schnelle, unkomplizierte Einkauf in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. Und auch McKinsey stellte fest, dass Geschäfte, die den Kundenwunsch nach Service befriedigen, so wie früher etwa Tante-Emma-Läden, vor einem Comeback stehen. Familien werden kleiner, die Zahl der Ein- und Zweipersonenhaushalte größer. Für viele erübrigt sich der Großeinkauf auf der grünen Wiese.

An ein Comeback in Frankfurt aufgrund „neuer Logistik-Strukturen“ glaubt auch Oliver Riedel, Geschäftsführer des Online-Supermarkts Doit24.de. Das Dresdner Unternehmen ist nach einem seinerzeit gescheiterten Versuch soeben an den Main zurückgekehrt. Es betreibt den Online-Lebensmittelhandel mit bundesweit 32 Regionallagern im großen Stil, es liefert auch ins Ausland.

Die Preise lägen zehn bis 20 Prozent über denen im stationären Einzelhandel, die Umsatzrendite sei „verhältnismäßig gut“, sagt Riedel. Mehr als 20.000 Artikel sind im Internet gelistet. In Frankfurt verlangt das Unternehmen – anders als in anderen Städten – eine Zustellgebühr, die unabhängig vom Gewicht erhoben wird. „Das soll auch so bleiben“, versichert der Geschäftsführer. Beim Einkaufen im Online-Supermarkt empfiehlt sich der Blick ins Kleingedruckte. Die Bezahlung per Nachnahme kostet fünf Euro extra. In Außenbezirken wird ein Zuschlag von 5,99 fällig.

Lieferservice in Rhein-Main

Querbeet: regionaler Direktvermarkter; liefert die komplette Palette ökologischer Lebensmittel (2500 Artikel, auch Konserven, Wein, andere Getränke) zu bestimmten Tagen in alle Städte und Stadtteile im Großraum Frankfurt; Abo möglich, aber kein Muss; Bestellung rund um die Uhr per Telefon, Fax oder E-Mail; Mindestbestellwert: 15 Euro; Liefergebühr: 2,50 Euro (entfällt ab 50 Euro Bestellwert); nur mit Bankeinzug-Erlaubnis; Kontakt und Infos: 0 60 35/92 00 75, www.querbeet.de.

Das Paradieschen: regionaler Direktvermarkter; liefert zu bestimmten Tagen rund 2000 Artikel aus ökologischem Anbau (Frische- und Trockensortiment, auch Kosmetik, Babynahrung) im gesamten Rhein-Main-Gebiet; Abo möglich, aber kein Muss; Bestellung rund um die Uhr per Telefon, Fax oder E-Mail; Mindestbestellwert: 15 Euro; Liefergebühr: 1,50 Euro bei Bestellwert unter 15 Euro; im Großraum Frankfurt zusätzlich 1,50 Euro Servicepauschale; Bezahlung per Einzugsverfahren vom Bankkonto; Kontakt und Info 0 60 24/6 37 30, www.paradieschen.de.

Doit24.de: konventioneller Online-Lebensmittelhändler; 27 000 Artikel; Mindestbestellwert: 60 Euro; Liefertage in Frankfurt ab Mai: Dienstag, Mittwoch, Freitag, Bestellung bis 18 Uhr am Vortag möglich; Gebühr in Frankfurt unabhängig vom Gewicht, aber abhängig vom Zeitfenster, in dem geliefert werden soll: 2,50 bis 5 Euro plus Zuschlag für Außengebiet; Bezahlung: u. a. Vorkasse, Kreditkarte, Nachnahme (5 Euro extra). Kontakt/Infos: 01 80/5 00 08 68 www.lebensmittel.de.

Einen Überblick über alle Liefer-Supermärkte können sich Verbraucher über das Online-Portal Easyeinkauf verschaffen: www.easyeinkauf.de.

Quelle: F.A.Z.
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