21.10.2004 · Beim Marktführer und Konkurrenten Schlecker sollen bis zu 1000 Filialschließungen und Entlassungen drohen. So gesehen geht es der Drogeriemarkt-Handelsgruppe dm auch in diesen Zeiten der Kaufzurückhaltung in Deutschland "noch Gold".
Beim Marktführer und Konkurrenten Schlecker sollen bis zu 1000 Filialschließungen und Entlassungen drohen. So gesehen geht es der Drogeriemarkt-Handelsgruppe dm auch in diesen Zeiten der Kaufzurückhaltung in Deutschland "noch Gold". In Hessen hat dm im abgelaufenen Geschäftsjahr, das zum 30.September endete, die Zahl der Filialen immerhin um sechs auf 35 erhöhen können, neu hinzu kam beispielsweise die Filiale an der Franfurter Kaiserstraße, eine Dependance in Büdingen und eine in Gründau-Lieblos. Und auch im Geschäftsjahr 2004/2005 sollen allein in Frankfurt zwei neue dm-Märkte, an der Victor-Flotosch-Straße und an der Borsigallee, eröffnet werden. In ganz Hessen werden den Planungen zufolge bis September 2005 acht neue Märkte entstehen. Der Umsatz in Hessen stieg um 14 Prozent auf 103,5 Millionen Euro und die Zahl der Mitarbeiter von knapp 480 auf 564.
Im Blick auf ganz Deutschland schlägt sich die sieche Binnennachfrage gleichwohl auch bei den Karlsruher Drogisten von dm nieder - aber lediglich im einem abgeflachten Wachstum, wie Geschäftsführer Marco Mescoli sagt. Er ist in der Unternehmensleitung für die Finanzen zuständig. Zugleich trägt er die Verantwortung für das Geschäft in den zu einer dm-Region zusammengefaßten Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. In Deutschland erzielte dm im Geschäftsjahr 2003/2004 einen Umsatz von mehr als 2,2 Milliarden Euro, 8,5 Prozent mehr als im vorigen Geschäftsjahr. 2002/2003 war noch eine Steigerung um 10,3 Prozent im Vergleich zum Jahr davor gelungen.
Von Personalabbau ist bei dm-Deutschland - anders als bei Schlecker - auch nicht die Rede: Hier sind zur Zeit rund 13570 Mitarbeiter beschäftigt, vor einem Jahr waren es noch knapp 12760. In der gesamten dm-Gruppe arbeiten gut 21200 Menschen. Das Unternehmen ist auch in Österreich, in der Tschechischen und in der Slowakischen Republik vertreten, in Ungarn, Slowenien, Kroatien, Serbien und in Italien.
Immer läuft aber auch bei dm nicht alles wie geplant: Während das Filialnetz in Deutschland von 660 auf jetzt 702 Dependancen angewachsen ist, trennte sich die dm-Gruppe von der Flic-Flac-Kinderbekleidungs-Handels GmbH. Die 81 sämtlich in Österreich angesiedelten Filialen werden dem Vernehmen nach von C&A übernommen oder geschlossen. Trotz einiger Neueröffnungen ging die Zahl der Filialen bei dm-Ausland so von 843 auf 796 zurück. Zurückgezogen habe sich dm auch aus dem "sehr interessanten" Geschäft mit Medikamenten, wie Mescoli sagte. Die hatte dm für die niederländischen Versandapotheke "Europa Apotheek" testweise vertrieben. Wegen rechtlicher Risiken habe man sich zu diesem Schritt entschlossen, so Mescoli.
Großen Wert legen die Karlsruher Drogisten auf die Feststellung, die preiswertesten Anbieter zu sein: Nach dm-eigenen Berechnungen kaufe der Kunde bei dm im Vergleich zum Marktführer Schlecker mehr als 14 Prozent günstiger ein, im Vergleich zur Drogerieabteilung des Verbrauchermarktes Real sogar um mehr als 22 Prozent billiger, sagt der Geschäftsführer.
Marktführer Schlecker liegt mit einem Umsatz von 4,55 Milliarden Euro (2003) deutlich vor dem Branchenzweiten - nämlich dm - mit 2,04 Milliarden Euro Umsatz, wie ein dm-eigenes Zahlenwerk unter Berufung auf M+M Eurodata und andere Quellen besagt. "Man muß sich aber die Frage stellen, mit welchem Aufwand das geschieht", meint Mescoli. Und tatsächlich gilt es in der Branche bereits seit einiger Zeit als offenes Geheimnis, daß Schlecker nur mehr durch die Neueröffnung von Filialen wächst. Flächenbereinigt soll der Umsatz zurückgehen.
Drogerie-Discounter Rossmann (inklusive der kd-Drogerien) folgt dem dm-Zahlenwerk zufolge mit einem Umsatz von 1,58 Milliarden Euro auf Platz drei. Geschäftsführer Dirk Rossmann hatte unlängst davon gesprochen, daß Schlecker im Durchschnitt bei seinen Filialen lediglich auf einen Umsatz von 40000 Euro pro Dependance komme, sein Haus immerhin auf 150000 Euro und dm sogar auf 250000 Euro. Für dm-Geschäftsführer Mescoli steht fest, daß eine "besonders effiziente Logistik" der Schlüssel zum Erfolg ist, nicht unbedingt das rasche Eröffnen immer neuer Filialen. Natürlich könne man davon profitieren, wenn beispielsweise ein "Lebensmittler" aus einem Ladenlokal ausziehe. "Es ist aber keineswegs sicher, ob dann auch noch die Frequenz da ist", so Mescoli. Bei Mietverträgen mit einer Bindung von nicht selten zehn Jahren sei eine solche Entscheidung kein unerhebliches Risiko.
Von besonderer Bedeutung sei es vielmehr, die Standorte stetig zu erneuern. Das ist beispielsweise bei den beiden Wiesbadener Märkten im gerade begonnenen Geschäftsjahr geplant. In Mainz hat man sich sogar dazu entschlossen, aus einem "sehr gut laufenden" Geschäftslokal auszuziehen, um nur 100 Meter weiter neu zu eröffnen, "weil uns das Ladenlokal noch etwas erfolgversprechender erschien", berichtet Mescoli. Auf diese Weise will dm im neuen Geschäftsjahr 5,5 Millionen Euro in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland investieren. 140 neue Arbeitsplätze sollen so in jenem Bezirk entstehen, für den Mescoli die Verantwortung trägt. JOCHEN REMMERT