21.01.2010 · Die Stimmung am Finanzplatz ist laut einer Umfrage so gut wie zuletzt vor der Lehman-Pleite. Doch Kredite werden teurer, hier und da klemmt es.
Von Tim Kanning, FrankfurtFast jede dritte Bank will in den nächsten drei Monaten neue Mitarbeiter einstellen. In einer Umfrage des Centers for Financial Studies an der Goethe-Universität gaben dies 30 Prozent der knapp 100 befragten Kreditinstitute an, von denen die meisten in Frankfurt sitzen. Wie Institutsleiter Jan Pieter Krahnen gestern erläuterte, ist das eine deutliche Verbesserung gegenüber dem letzten Quartal 2009, als nur 14 Prozent der Befragten von einem Stellenaufbau sprachen.
Zugleich ist der bisherige Abbau von Arbeitsplätzen in den Kreditinstituten weit geringer ausgefallen als erwartet. In der regelmäßig durchgeführten Umfrage werden Führungskräfte jeweils nach den Erfahrungen im abgelaufenen Quartal und den Prognosen für das nächste befragt. Hatte im Herbst mehr als ein Viertel der Befragten erwartet, dass in ihrem Unternehmen die Stellenzahl verringert würde, so ist dies im Rückblick auf das vierte Quartal 2009 tatsächlich nur in 17 Prozent der Unternehmen geschehen.
Etwa zwei Drittel erwarten, dass sich die Kreditvergabe in diesem Jahr verringern wird
Insgesamt hat sich die Stimmung am Finanzplatz deutlich aufgehellt. Der Finanzplatzindex, der den Saldo aus positiven und negativen Aussagen zu unterschiedlichen Geschäftsgrößen abbildet, erreicht erstmals wieder das Niveau, auf dem er im zweiten Quartal 2008, also vor der Pleite von Lehman Brothers, gelegen hatte (siehe Grafik). In dem Index werden auch andere Branchen berücksichtigt, die mit dem Finanzplatz verbunden sind. Vor allem Unternehmensberater und Wirtschaftsprüfer haben bezogen auf die Erträge ein gutes Quartal hinter sich, für das gerade angelaufe erste Vierteljahr 2010 rechnen 37 Prozent der Befragten in dieser Gruppe mit steigenden Erträgen.
Trotz der verbesserten Stimmung gehen die Finanzinstitute allerdings davon aus, dass sich Kredite weiter verteuern. Dass die Risikokosten bei der Kreditfinanzierung in Deutschland dauerhaft steigen werden, dem stimmten 76 Prozent der befragten Kreditinstitute zu, nur 17 Prozent glauben das nicht. Etwa zwei Drittel erwarten, dass sich die Kreditvergabe in diesem Jahr verringern wird.
Kreditmediator
Die Gründe für diese Einschätzung sind allerdings unterschiedlich. Etwa die Hälfte der Banken erwartet, dass die höheren Risikoprämien von den Kunden nicht akzeptiert würden und sie deshalb weniger Kredite ausgeben könnten. Darin sieht Krahnen keine Kreditklemme, sondern eher den Abbau von Überkapazitäten. Weniger profitable Vorhaben, die früher aufgrund der günstigen Kreditkonditionen angegangen worden seien, würden jetzt eben nicht mehr umgesetzt.
Entscheidender ist für den Hochschulprofessor die Aussage von 69 Prozent der Banken, dass die Kreditvergabe gekappt würde, weil die Eigenkapitalausstattung der Finanzinstitute nicht ausreiche. Hier liege ein Indiz für eine Kreditklemme, mit dem sich nach Krahnens Auffassung die Politik bislang zu wenig ausseinandergesetzt habe. Stattdessen soll von März an ein Kreditmediator zwischen Banken und Mittelstand vermitteln. Davon versprechen sich nur wenige Befragte Erfolg.