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GTZ Von Eschborn aus in die entlegenen Winkel der Welt

10.07.2009 ·  Wer für die GTZ ins Ausland geht, landet nicht selten fernab der Zivilisation. Ob ein guter Berater auch in solcher Umgebung zurechtkommt, sollen Psychologen schon im Bewerbungsgespräch herausfinden.

Von Tim Kanning, Eschborn
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Was tun, wenn man in einem Lager in Afghanistan sitzt, unweit davon eine Demonstration immer größer und gewalttätiger wird und die Krawalle näher kommen? Auch wenn Gefahren dieser Art eher selten sind – die Mitarbeiter, die die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) von Eschborn aus in entlegene Winkel dieser Welt entsendet, landen meist fernab von dem, was sie in der Heimat als Zivilisation kennen, und müssen auf solche Situationen vorbereitet sein. Hauptsächlich aber sollen sie helfen, die Strom- oder Wasserversorgung, die Staatsfinanzen oder die Energieeffizienz zu verbessern. Doch zum Anforderungsprofil gehört eben auch, in einem fremden Kulturkreis zurechtkommen.

„Wenn wir einen falschen Bewerber auswählen, kann das sehr teuer werden“, sagt Ulrich Heise von der Personalbereitstellung der GTZ. „Und im Extremfall kann es uns auch alle mühsam aufgebauten Kontakte, die wir vor Ort brauchen, kaputtmachen.“ Deshalb gibt sich die GTZ nicht mit einem einfachen Bewerbungsgespräch zufrieden. Vier Stunden lang werden die Interessenten von fünf Gesprächspartnern unter die Lupe genommen.

Abenteuersuchende werden aussortiert

Einer der Gesprächspartner ist Kai Werner – Psychologe. Seine Aufgabe liegt einzig darin, den Bewerber auf seine Stressfähigkeit hin zu beobachten. Bricht er in Schweiß aus, wenn er mit einer schwierigen Situation konfrontiert wird, die in seinem Einsatzland durchaus üblich sein kann? Will der Bewerber nur nach Afghanistan, weil er es spannend findet? Oder kann er auch glaubhaft begründen, warum er der Richtige für das jeweilige Land ist?

Jetzt in der Wirtschaftskrise bekomme er immer mehr Bewerbungen von wirklich hochqualifizierten Männern und Frauen, sagt Heise. Nun gesellten sich zu jenen, die schon länger an Entwicklungspolitik interessiert seien, auch Kandidaten, die unfreiwillig Zeit hätten und sich nun nach einer neuen, „sinngebenden“ Aufgabe umsähen. Bewerber, die nur das Abenteuer suchten, müssten möglichst schon aussortiert werden, bevor sie zu dem umfangreichen Auswahlverfahren geladen werden.

Denn in den fernen Länden, in denen die GTZ-Mitarbeiter ihren Dienst tun, sind sie meist auf die gute Zusammenarbeit mit lokalen Gruppen oder der Regierung angewiesen, auf langfristig aufgebaute Kontakte. Schließlich soll Entwicklungszusammenarbeit heute keine reine Entwicklungshilfe mehr sein: Die Zeiten, in denen Westeuropäer auf eigene Faust Brunnen bohrten und wieder wegfuhren, seien vorbei, heißt es. Stattdessen werde vor allem beraten und zusammen mit einheimischen Gruppen und Autoritäten an Konzepten gearbeitet.

Caroline Heidtmann geht in diesen Tagen nach Mali. Hier soll sie vor allem malische Gruppen koordinieren, wenn sie Solarzellen im Land verteilen, und an runden Tischen zusammen mit Vertretern der jeweiligen Dörfer, Krankenhäuser und Schulen zum Beispiel regeln, wie Preise für den Strom festgelegt werden und für wen das rare Gut wie lange zugänglich ist. In ihrer Diplomarbeit und in längeren Praktika hat die studierte Umwelttechnikerin bereits ähnliche Projekte kennengelernt. Französisch und Englisch spricht sie fließend.

Eigene Schwächen eingestehen

Dennoch muss auch sie sich im Vorstellungsverfahren einer kniffligen Situation stellen: Angenommen, die Dorfältesten haben ihr ein Büro und einige Mitarbeiter zugesagt – als sie mit der Arbeit loslegen will, ist aber nichts davon da. Erst muss Heidtmann sagen, wie sie reagieren würde, dann noch in einem Rollenspiel zeigen, wie sie mit den Dorfältesten umginge. Sie habe versucht, als Berufseinsteigerin erst gar nicht den Eindruck zu erwecken, sie könne alles alleine, erzählt die Neunundzwanzigjährige im Rückblick, sondern offen gesagt, dass sie erst einmal mehr Informationen brauche und wen sie um Hilfe bitten würde.

Psychologe Werner weiß, dass es im Bewerbungsverfahren wichtiger ist, Schwächen einzugestehen, als irgendetwas vorzuspielen. Eine der Standardantworten auf die Frage nach den eigenen Schwächen – „ich bin zu perfektionistisch“ – lasse er erst gelten, wenn derjenige ihm genau erklären könne, in welcher Situation sich das jemals als Schwäche erwiesen habe.

Heidtmann empfand ihr Gespräch mit dem Psychologen in ihrer Vorstellungsrunde eher hilfreich, sagt sie. Dessen Fragen hätten ihr sehr viel klarer gemacht, was da eigentlich auf sie zukomme, und ihren Willen gestärkt. Werner bietet seine Dienste als Diagnostiker indes nicht nur für die GTZ-Bewerber an, die ihren Dienst fernab der Zivilisation tätigen müssen. Inzwischen kommen die Anfragen auch aus einem anderen Krisengebiet: Auch Banken buchen ihn jetzt häufiger.

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