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Glücksspiel Spielbank Wiesbaden eröffnet Internet-Roulette - Kritik von Spielsüchtigen

16.07.2004 ·  Von diesem Freitagnachmittag an bietet die Spielbank Wiesbaden das derzeit einzige staatlich konzessionierte Online-Roulette an. Kritik kommt von der Interessenvertretung der Spielsüchtigen.

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Statt in den ehrwürdigen Hallen des Wiesbadener Kurhaus können Glücksspiel-Liebhaber künftig auch zu Hause am Computer zocken: Von Freitagnachmittag an bietet die Spielbank Wiesbaden das derzeit einzige staatlich konzessionierte Online-Roulette an. Anzug und Abendkleid können also im Schrank bleiben, künftig läßt sich auch in Jeans und T-Shirt per Mausklick setzen. Suchtexperten sehen darin eine große Gefahr: Sie befürchten, daß mehr Menschen zum Glücksspiel gelockt werden und damit auch die Zahl der Spielsüchtigen steigt.

Am Freitag um 15.30 Uhr soll es losgehen mit dem Internet-Roulette: Wer dabei sein will, muß sich aber vorher registrieren lassen. Dafür muß unter anderem ein Rahmenvertrag abgeschlossen werden. Darin muß der Roulette-Fan unter anderem bestätigen, daß er sich „nicht in ungeordneten wirtschaftlichen Verhältnissen“ befindet, nicht spielsüchtig ist oder in anderen Spielbanken gesperrt ist. Wer diese Prozedur hinter sich hat und von der Spielbank als Teilnehmer angenommen wurde, kann schließlich an den von einer Webcam ins Internet übertragenen Spielen teilnehmen.

Fachverband Glücksspielsucht: Rückschritt

Für die Vorsitzende des Fachverbandes Glücksspielsucht, Ilona Füchtenschnieder, ist dieses Angebot „ein Schritt zurück“ im Kampf gegen die Spielsucht. Weil die Menschen in der eigenen Wohnung spielen könnten, werde die Hemmschwelle gesenkt. Und die Folge ist für Füchtenschnieder klar: Je mehr Spieler, desto mehr Süchtige. Auch der Bremer Suchtforscher Gerhard Meyer sieht ein größeres Gefahrenpotenzial. So fördere das Spielen in der vertrauten Umgebung etwa das Risikoverhalten, sagt der Experte vom Institut für Psychologie und Kognitionsforschung der Universität Bremen.

Allerdings lehnt Meyer Online-Spiele nicht grundsätzlich ab: Es sei nicht für ein Verbot von Glücksspielen im Internet, es müsse aber ein ausreichender Spielerschutz bestehen. In Wiesbaden ist das seiner Meinung nach aber nicht der Fall. Meyer fordert unter anderem den Einsatz einer Software, die durch Aufzeichnungen des Spielverhalten oder der Spielfrequenz Hinweise auf eine Sucht geben kann. Für notwendig hält er zudem, daß sich die Spieler persönlich im Casino anmelden müssen. Das hessische Angebot hält er vor diesem Hintergrund für „sehr fragwürdig“. Dort sei auch das Spielbank-Gesetz „unter Ausschluß von Experten“ geändert worden, kritisiert Meyer.

Dieses Gesetzesänderung dürfte verhindern, daß es der Spielbank Wiesbaden ähnlich wie der Hamburger Konkurrenz ergeht. Dort hatte im Oktober vergangenen Jahres das Verfassungsgericht das virtuelle Glücksspiel der Spielbank gekippt. Das bis dahin erste und einzige staatlich konzessionierte Online-Roulette Deutschlands verstoße gegen das Spielbankgesetz der Hansestadt, entschieden die Verfassungsrichter. Sie begründeten dies unter anderem damit, daß das Online-Spiel eine niedrigere Zugangsschwelle für Teilnehmer aufweise und das Spielverhalten Süchtiger schwerer zu kontrollieren sei.

Innenministerium verteidigt Angebot

Das hessische Innenministerium als Aufsichtsbehörde der Spielbank Wiesbaden verteidigt das staatlich genehmigte Spiel im Internet: Es dürften nicht die Augen davor verschlossen werden, daß es viele illegal betriebene Online-Roulettes gebe, sagt Ministeriumssprecher Michael Bußer. Es sei eine „Gratwanderung“, aber der Bürger müsse vor illegalen Angeboten geschützt werden. Die Spielbank Wiesbaden selbst schweigt zu der Kritik. Vor dem Start des Online-Roulettes am Freitag lehnte sie jede Stellungnahme zu ihrem neuen Angebot ab.

Suchtexpertin Füchtenschnieder hält es für falsch, Angebote wie in Wiesbaden mit der illegalen Konkurrenz zu begründen. Bei solchen unerlaubten Spielen hätten die Menschen noch Vorbehalte, weil sie Furcht vor Betrug hätten. Ganz im Gegensatz zu einem staatlich konzessionierten Spiel: Denn das erwecke „den Anschein von Seriosität“.

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