11.02.2010 · Das Anfang 2006 privatisierte Uni-Klinikum Gießen und Marburg kommt wirtschaftlich voran. 2009 hat es den Gewinn verdoppelt. Es stellt auch ein – allerdings nicht genug, wie der Betriebsrat bemängelt.
Von Thorsten WinterIm vierten Jahr unter der Führung der börsennotierten Rhön Klinikum AG hat das Uni-Klinikum Gießen und Marburg den Umsatz um gut ein Zehntel gesteigert und den Betriebsgewinn mehr als verdoppelt. Wie Rhön Klinikum in einer Trendmeldung zum Jahresergebnis 2009 berichtete, kletterte der Umsatz des bisher bundesweit einzige privatisierten Uni-Klinikums von 451,6 Millionen Euro im Vorjahr auf 500,3 Millionen Euro. Der Gewinn stieg von 2,2 Millionen Euro auf 4,8 Millionen Euro, nachdem er 2007 noch 1,1 Millionen Euro betragen hatte.
Vor der Privatisierung im Februar 2006 hatte das Klinikum tiefrote Zahlen erwirtschaftet. Dies lag vor allem am Standort Gießen, der noch über rund 100 Gebäude verteilt ist. Das wird sich aber ändern: Seit Frühjahr 2007 lässt Rhön Klinikum in Gießen einen zentralen Neubau hochziehen und investiert dafür mehr als 125 Millionen Euro. Die neue Kinderklinik ist schon seit 2008 in Betrieb.
Übernommene Verluste bewältigt
Rhön hat in Gießen und Marburg nach eigenen Angaben alle übernommenen Verluste des Staatsbetriebs bewältigt und zugleich besonderen Wert auf den Ausbau des medizinischen Angebots gelegt. Im Fall des Frankfurter Uni-Klinikums hat das Land dagegen bisher von einer Privatisierung abgesehen. Wirtschaftlichkeit soll aus eigener Kraft erreicht werden, wie es in der Vergangenheit hieß.
„Die Baumaßnahmen liegen voll im Zeitplan, und die Fertigstellung des Neubaus in Gießen wird ein weiterer Meilenstein für die positive Ergebnisentwicklung sein“, prognostiziert Gerald Meder, stellvertretender Rhön-Chef und früherer Vorsitzender der Geschäftsführung der Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, laut Mitteilung. Wie eine Sprecherin der Betreibergesellschaft mitteilte, soll der Neubau im ersten Quartal 2011 in Betrieb genommen werden.
Betriebsräte verlangen Betriebskonzept
Mit Blick auf dieses Ereignis und die Folgezeit erwarten die Betriebsräte die Vorlage eine Betriebskonzepts und einer Personalplanung, wie Klaus Hanschur, Vorsitzender des Betriebsrats in Gießen, sagte. Die Arbeitnehmervertreter durchforsteten derzeit gemeinsam mit der Gewerkschaft Verdi an beiden Standorten einzelne Abteilungen mit Blick auf die Frage, wie es um die rund 8500 Personen zählende Belegschaft und den Personalbedarf stehe. Ziel dieser Erhebung sei, vor allem in der Pflege mehr Arbeitsplätze zu erreichen. Zuletzt seien neue Mitarbeiter eingestellt worden, nachdem verschiedener Abteilungen stärker als zuvor ausgelastet worden seien. Der dadurch entstandene Personalbedarf sei allerdings nur zum Teil gedeckt worden, sagte Hanschur.
Zudem wollten die Betriebsräte wissen, wie der Arbeitgeber mit den „patientenfernen Abteilungen“ wie etwa Küche und Wäscherei nach Ablauf des Kündigungsschutzes zum Jahresende verfahren wollen. Mögliche betriebsbedingte Kündigungen müssten vermieden werden.