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Getränkeverpackung Die Wiederbelebung der Dose

Nach Einführung des Pflichtpfandes 2003 ist die Bierdose aus dem Supermarkt verschwunden. Jetzt holen die Discounter die Büchse zurück. Ihre Ökobilanz ist jedoch umstritten.

© Jens Gyarmaty Neu-alte Konkurrenz: die Blechdose tritt abermals gegen Glasflasche und PET-Version an

Beim Edeka-Discounter Netto in Frankfurt stehen bereits die ersten Paletten mit Bierdosen der Hausmarke Schloss Pils - ein „Startschuss passend zur WM“, wie eine Sprecherin sagt, weitere Angebote sollen folgen. 29 Cent kostet bei Netto die 0,5-Liter-Bierdose und damit nicht erheblich mehr als das Dosenpfand von 25 Cent. Die Rewe-Tochter Penny hat in ihren Filialen in Nordrhein-Westfalen bereits zehn Dosengetränke in die Filialen gebracht - unter diesen auch Coca-Cola und Fanta sowie die Markenbiere König Pilsener und Bitburger. Auch in Frankfurt soll das bald der Fall sein.

Petra Kirchhoff Folgen:

Die Lebensmittelkonzerne begründen die Rückholaktion mit den Wünschen der Kunden nach Frische und Haltbarkeit. „Im Test haben wir viel positives Feedback für die Verpackungsform erhalten“, sagt Rewe-Sprecher Andreas Krämer. Für die Discounter selbst hätten Dosen den Vorteil, dass sie leicht und kompakt und daher besser zu handhaben seien. Wie die „Lebensmittel-Zeitung“ berichtet, dürfte jedoch auch der günstigere Preis eine Rolle spielen. Im Einkauf zahle der Handel vier bis fünf Cent je Stück weniger als für die PET-Flasche.

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Aluminium und Weißblech wird recycelt

Für überholt hält der Handel Kritik an der Getränkedose aus ökologischer Sicht. Die Hersteller hätten erfolgreich an der Konstruktion gearbeitet. Heute sei die Dose knapp ein Drittel leichter als vor ein paar Jahren. Außerdem seien die Dosen, anders als früher, mit einem Pfand belegt. Käufer bringen sie ins Geschäft zurück, das Material - Aluminium und Weißblech - wird recycelt.

Rückenwind bekommt der Handel durch eine aktuelle Studie des Heidelberger Instituts für Energie- und Umweltforschung, Ifeu, im Auftrag des europäischen Verbandes der Getränkedosenhersteller. Danach liegt die Dose ökologisch inzwischen gleichauf mit der Mehrwegflasche aus Glas und Plastik (PET). Vorteile für die Dose sieht das Institut vor allem bei überregionalen Vertriebswegen, wie sie für Discounter gelten.

Beim Umweltbundesamt, in deren Ökobilanz-Studien - die letzte liegt allerdings acht Jahre zurück - die Dose bisher stets Schlusslicht unter den Einwegverpackungen war, ist man über solche Aussagen nicht gerade begeistert. „Hier wurden Szenarien so ausgewählt, dass die Getränkedose besser abschneidet als in früheren Studien“, kritisiert Fachgebietsleiterin Christiane Schnepel. So sei das Ifeu etwa von einer hundertprozentigen DosenRecycling-Gutschrift ausgegangen, methodisch halte das Umweltbundesamt jedoch nur 50 Prozent für gerechtfertigt.

„Öko-Bilanz immer nur so gut wie die Annahme“

Maria Elander, Leiterin der Abteilung Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe, pflichtet der Kollegin im Umweltministerium bei. Das Ifeu sei zwar ein renommiertes Institut auf dem Gebiet Getränkeverpackungen, erhalte die Aufträge jedoch von der Industrie. Diese gebe die Annahmen vor, unter denen gerechnet werde. Je nach Auftraggeber und deren Vorgaben kämen so völlig unterschiedliche und zum Teil fragwürdige Ergebnisse zustande. „Eine Öko-Bilanz ist immer nur so gut, wie die Annahmen sind.“

Im Fall der genannten Ifeu-Studie etwa kritisiert Elander, dass Transportwege zu weit angesetzt und die Umlaufzahlen für die Glas-Mehrwegflasche heruntergerechnet wurden auf 25 - „im besten Fall“. Korrekt seien dagegen im Durchschnitt 50 Umläufe, wie Umfragen bei Abfüllern ergeben hätten. Die Frankfurter Radeberger-Gruppe, für die das Thema Dose bisher noch „keinerlei Auswirkungen hat“, nennt auf Nachfrage 30 Umläufe je Glasflasche.

„Kaufen, austrinken, wegwerfen“?

Glas muss es im Übrigen nicht zwingend sein. In der Ökobilanz schneidet die Mehrwegflasche aus PET inzwischen ebenso gut ab. Umwelttechnisch verbessert hat sich laut Umweltbundesamt auch die PET-Einwegflasche. Aufgrund des Pflichtpfandes kämen „reine PET-Fraktionen zusammen, die sehr gut recycelt werden können“, heißt es zur Begründung. Aus etwa einem Viertel bis der Hälfte der ins Geschäft zurückgebrachten Flaschen würden neue Flaschen.

Das Pflichtpfand ist es denn auch, das Dosen-Gegner die Entwicklung bisher entspannt beobachten lässt. Die schnelle Erfrischung unterwegs nach dem Motto „Kaufen, austrinken, wegwerfen“ funktioniere nicht mehr, meint Schnepel. Andere Marktbeobachter sind sich da nicht so sicher, schließlich würden Verbraucher auch Einwegflaschen aus Plastik fleißig in die Märkte zurücktragen.

Quelle: F.A.Z.

 
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