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Gesundheitsrisiko Burnout Ausgebrannt im Bankenviertel

 ·  Krisen, Börsenchaos und die ständige Informationsflut zollen ihren Tribut. Die Zahl von Burnout-Erkrankungen steigt. In vielen Unternehmen gibt es inzwischen Vorsorgekurse.

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Irgendwann konnte Sabine Krüger einfach nicht mehr. Morgens blieb die Frankfurter Unternehmensberaterin einfach im Bett liegen, selbst Halbtagsarbeit überforderte sie. Krüger vergaß Namen von Geschäftspartnern, konnte sich kaum konzentrieren. Im Supermarkt war selbst eine Entscheidung zwischen zwei Reissorten unmöglich. Irgendwann ging sie gar nicht mehr zur Arbeit und schlief bis zu 16 Stunden am Tag. Trotz dieser Zeichen dauerte es fast fünf Monate, bis Sabine Krüger sich selbst eingestand, dass sie offenbar unter einem Burnout litt.

Die Diagnose ist keine Seltenheit mehr. Laut einer Studie der AOK waren im vergangenen Jahr in Deutschland 100 000 der gesetzlich Krankenversicherten wegen eines Burnouts krankgeschrieben. Die gelernte Betriebswirtin Natascha Derbort leitet in Frankfurt die Beratungsstelle „Intuere“ und kennt die Symptome der Krankheit – auch weil sie einst selbst darunter litt. Extreme Müdigkeit, Rückenschmerzen, starke Schlafstörungen und völlige Erschöpfung können laut Derbort Anzeichen sein. Etwa die Hälfte der Patienten leidet unter Depressionen.

„Bei einem Burnout geht nichts mehr“

Wenn sich die Betroffenen an Derbort wenden, ist die Burnout-Erkankung meist schon stark fortgeschritten. Vor allem Männern sei es oft unangenehm, sich Hilfe zu suchen. Für sie sei das ein Eingeständnis von Schwäche. „Viele leben nach dem Motto: ,Geht nicht gibts’ nicht‘. Aber bei einem Burnout geht nichts mehr“, sagt Derbort.

Ohne eine Therapie ist eine Burnout-Erkrankung kaum in den Griff zu bekommen. Doch die Plätze sind begrenzt und die Wartelisten lang. Deshalb organisieren sich viele Betroffene in Selbsthilfegruppen. Weil es in Frankfurt bis vor kurzem noch keine gab, schloss sich Sabine Krüger mit anderen Burnout-Patienten in der Region zusammen.

Viele Banken und andere Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern inzwischen auch Präventionskurse, Vorträge und Workshops zu dem Thema an – zum Beispiel die von Sandra Willis. Die 45 Jahre alte Diplomkauffrau bietet ein ganzes Spektrum an Kursen zum Umgang mit Blockaden, Angst und Panikattacken an. Sie bekommt nach eigenen Angaben immer häufiger Anfragen von Unternehmen.

„Raus aus dem Hamsterrad“

Für Willis ist nicht nur die Höhe der Arbeitsbelastung ausschlaggebend dafür, ob sich ein Burnout ausbildet. Eine wichtige Rolle spielt auch, wie sehr jemand sein Leben und seine Arbeit selbst beeinflussen kann. Deswegen habe die Wirtschaftskrise dazu beigetragen, dass die Zahl der Erkrankungen gewachsen sei. „Gegen die Gesetze des Marktes ist der Einzelne machtlos“, sagt Willis. Die aus der Krise resultierende Angst vor Entlassungen hätte zusätzlich Druck aufgebaut. Beriet Willis am Anfang ihrer Laufbahn nur sehr vereinzelt Burnout-Patienten, so sind heute mehr als die Hälfte ihrer Klienten von dem chronischen Erschöpfungszustand betroffen.

Um dem Burnout vorzubeugen, sei es wichtig, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Sport in Gemeinschaft hat laut Willis eine positive Wirkung und baut Stresshormone ab. Viele Berufstätige hätten solche Freizeitbeschäftigungen aus Zeitgründen aus ihrem Alltag gestrichen.

Für Philipp Loriz, der in Wirklichkeit anders heißt, war Freizeit lange Zeit ein Fremdwort. Auf seinem Posten als PR-Manager eines großen Unternehmens im Bankenviertel machte er oft Überstunden. In den Urlaub fuhr er jahrelang nicht und wenn er doch mal eine Reise plante, sagte er sie kurzfristig wieder ab. Für ihn waren es vor allem eigene Denkmuster, die zum Burnout führten. „Ich wollte immer alles perfekt hinbekommen, es allen Recht machen und konnte schlecht ,Nein‘ sagen“, erzählt er. Lange Zeit habe er nur funktioniert und sein Privatleben völlig außer Acht gelassen. Als er dann einige Zeit für seinen Chef einspringen musste, war er irgendwann völlig am Ende und ging zum Therapeuten. „Ich musste raus aus dem Hamsterrad“, sagt er.

Regelmäßige Gesundheitschecks

Viele Unternehmen haben mittlerweile erkannt, dass das Thema auch dem Geschäft schaden kann. Wenn Mitarbeiter auf unbestimmte Zeit ausfallen und neben den Lohnfortzahlungen auch noch externe Mitarbeiter zur Überbrückung eingestellt werden müssen, kann das teuer werden. Große Banken in Frankfurt sind mittlerweile dazu übergangen, ab einem bestimmten Alter regelmäßige Gesundheitschecks vorzuschreiben. Für Führungskräfte gibt es diese Kontrollen sogar altersunabhängig und in geringeren Abständen. Außerdem sollen Teilzeit- und Heimarbeit die Mitarbeiter zu entlasten.

PR-Mann Loriz arbeitet heute wieder in seinem alten Unternehmen, hat aber seine Management-Position aufgegeben. Nach zwei Therapien kennt er die Grenzen seiner Belastbarkeit. „Ich will keine Karriere mehr machen“, sagt er. Loriz hat seine Arbeitszeit reduziert und arbeitet nur noch vier Tage die Woche. Freitags macht er eine psychotherapeutische Ausbildung.

Auch Sabine Krüger ist in ihren Beruf zurückgekehrt. Sie achtet jedoch darauf, die Arbeit aus ihrem Privatleben herauszuhalten. Nach Dienstschluss ist das Blackberry tabu- und auch am Wochenende wirft sie höchstens einmal täglich einen Blick darauf. „Ich musste einfach raus aus dem ICE und rein in den Regionalexpress“, sagt sie.

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