23.02.2006 · Wer schmeckt schon gerne Schlamm und spült sandartige Körnchen in Wasser gelöst die Kehle hinunter? „Ich!“ dürften Abertausende von Sodbrennen geplagte Menschen freiwillig antworten. Diesen Schluß läßt die Menge an Luvos Heilerde zu, die in Friedrichsdorf hergestellt wird.
Von Thorsten WinterWer schmeckt schon gerne Schlamm und spült sandartige Körnchen in Wasser gelöst die Kehle hinunter? „Ich!“ dürften Abertausende von Sodbrennen geplagte Menschen freiwillig antworten. Diesen Schluß läßt die Menge an Luvos Heilerde zu, die in Friedrichsdorf hergestellt wird. Viele Dutzend Tonnen des Naturprodukts vertreibt die Heilerde-Gesellschaft Luvos Just jährlich vor allem in Deutschland sowie in Österreich, der Schweiz und Italien; aber auch in Skandinavien sowie in Amerika wird das Mittel nachgefragt.
Drei Viertel der Jahresproduktion sind für die innerliche Anwendung bestimmt. Dabei ist Luvos Heilerde hierzulande das einzige Arzneimittel dieser Art, das gegen Sodbrennen und säurebedingte Magenbeschwerden zugelassen ist, wie Marketingleiterin Ariane Kaestner sagt. Sie vertritt das Familienunternehmen in vierter Generation: Ihr Urgroßvater Adolf Just entdeckte einst die Heilerde und machte diese populär.
Eine nicht näher bestimmte Nervenkrankheit und die Unfähigkeit der Schulmedizin, für Abhilfe zu sorgen, hatte ihn nach einem Mittel zur Linderung des Leidens suchen lassen. Er besann sich auf die Kräfte der Natur, stöberte in einschlägigen Schriften, experimentierte herum. 1896 gründete Just im Harz die Kuranstalt „Jungborn“, die Franz Kafka zu ihren Patienten zählte. 1918 rief der Zeitgenosse von Sebastian Kneipp die Heilerde-Gesellschaft ins Leben. „Sein Faible war die Erde“, sagt Kaestner.
Grundstoff wird in Hessen abgebaut
Schon damals gab es Luvos Heilerde in den für die innerliche Anwendung gedachten Version „1“ und „Ultra“ sowie in der Variante „2“ zum Auftragen auf die Haut und die Behandlung von Gelenkbeschweren, Ekzemen, Juckreiz oder Akne bei Heranwachsenden. Vergleichsweise neu ist Heilerde in Kapseln. Diese Darreichungsform dient der Bequemlichkeit, allerdings setzt die Wirkung später ein als beim losen Pulver.
Daß die Heilerde-Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Sitz im Taunus genommen hat, ist Nachkriegswirren geschuldet. Zudem fand die Firma in Hessen geeignete Vorkommen von Löß, dem Grundstoff von Heilerde. Wo genau das zu 52 Prozent aus Quarz sowie aus Tonmineralen, Feldspat, Kalkspat, Dolomit und anderen Mineralstoffe bestehende Naturprodukt abgebaut wird, behält die Firma aber für sich.
Kaestner hebt jedoch hervor, die in Friedrichsdorf angelieferte Erde in keiner Weise zu verändern. Diese werde nur durch Erhitzen bei 130 Grad getrocknet, gemahlen und gesiebt, bevor das fertige Arzneimittel verpackt und über Apotheken, Reformhäuser und Drogerien vertrieben wird. Selbstredend sei es frei von Konservierungsstoffen.
Säurebindend wie Pharma-Produkte
Die säurebindende Wirkung von Luvos Heilerde haben Tests im Labor bestätigt, wie Kaestner berichtet. Demnach wirkt ein Teelöffel des Produkts genauso gut wie eine Dosis eines pharmazeutisch hergestellten Medikaments.
Aus Erfahrungsberichten ist zudem bekannt, daß diese Heilerde auch andere Leiden lindert oder ausgleichend auf den Magen-Darm-Trakt wirkt. Um dies zu klären, arbeitet die Firma mit dem Berliner Klinikum Charite zusammen.
Sollten die sogenannten Anwendungsbeobachtungen günstig ausfallen, dürfte dies wirtschaftliche Vorteile für die 15 Mitarbeiter zählende Firma haben. Sie könnte nicht nur ihr Marketing gezielter einsetzen, sondern auch mehr Umsatz erwirtschaften. Zuletzt erlöste sie etwa vier Millionen Euro im Jahr, zehn Prozent davon im Ausland. Fünf Prozent zum Umsatz steuert die Gesichtsmaske bei, ein Pflege- und Wellnessprodukt, mit dem Luvos Just im vergangenen Jahr ein Plus von 40 Prozent gegenüber 2004 verzeichnet hat. Obwohl es sich um eine kleine Firma handelt, bezeichnet sie sich als Marktführer. Weil sie in den vergangenen Jahren nicht groß geworben hat, müssen ihre Produkte in gewissem Maße längst Selbstläufer sein. Das Marketing soll allerdings verstärkt und der Auftritt aufgefrischt werden, um neue Kunden zu gewinnen. Schließlich ist Sodbrennen ein Massenphänomen.