14.02.2008 · Secondhand hat beim Buch längst kein Geschmäckle mehr. Verbraucher verkaufen Bücher mit Vorliebe im Internet - das schafft Platz im Regal und schont das Portemonnaie. Ein Vergleich der Anbieter und Gebühren lohnt sich.
Von Petra KirchhoffSecondhand hat beim Buch längst kein Geschmäckle mehr. Was früher lebenslang das Billyregal zierte, wird heute unbedenklich online gestellt. Reich werden kann der Amateurhändler damit allerdings nicht, da auch die Online-Dienstleister bei der Vermittlung mitverdienen wollen. Außerdem kostet der Bücherverkauf Mühe und Zeit. Gleichwohl hat die Bereitschaft, sich von gelesenen Büchern zu trennen und gebrauchte billiger zu kaufen, zugenommen. Die Zuwachsraten für den Internet-Handel mit Büchern aus zweiter Hand beziffert die Branche mit rund 30 Prozent im Jahr.
Grundsätzlich sollte jeder vorher genau prüfen, ob sich die Mühe lohnt. Für Bestseller, die in jedem Haushalt zu finden sind, wird man nur schwer einen Käufer finden, und wenn, dann allenfalls zu einem mickrigen Preis. Der Verkauf auf dem Flohmarkt oder das Verschenken an eine caritative Einrichtung ist in diesem Fall die bessere Lösung.
Die bekanntesten Portale für den Handel mit gebrauchten Büchern sind Amazon, Booklooker, Bol.de und die Auktionsplattform Ebay, über die inzwischen nach Angaben des Unternehmens alle 3,5 Sekunden ein Buch verkauft wird.
Einstellgebühr in der Regel nicht (mehr) verlangt
Wer die Dienste und Datenbanken der Anbieter nutzen will, muss sich zuvor registrieren lassen. Das geht schnell und unkompliziert, ebenso das Einstellen der Bücher mit Bild auf der Internetseite. Dort finden sich auch Angaben über die Zuverlässigkeit des Verkäufers. Das Einstellen eines Buches kostet in der Regel kein Geld. Ebay wird die bisher verlangte Einstellgebühr (0,49 Euro, mit Galeriebild) zum 20. Februar abschaffen, wie das Unternehmen Anfang der Woche angekündigt hat. Dafür steigt jedoch die Verkaufsprovision von fünf auf acht Prozent.
Wichtig beim Ausloten des Angebotes ist zum einen die richtige Zustandsbeschreibung des Buches - die Kategorien bei Amazon etwa reichen von "neu" (ungelesen) über "sehr gut" (gelesene Ausgabe in hervorragendem Zustand) bis hin zu "akzeptabel" (lesbarer Zustand, Notizen). Noch wichtiger freilich ist es, den richtigen Preis auszuloten. Eine Orientierungshilfe dabei ist der Neupreis des Buches, den Amazon und Booklooker etwa mit veröffentlichen, ebenso der Preis, zu dem Konkurrenzanbieter ihre Bücher ins Netz stellen. Bei www.livesuche.de kann sich der Verkäufer wie der Käufer mit wenigen Klicks einen Überblick über die aktuellen Preise bei verschiedenen Online-Dienstleistern verschaffen.
Ein Beispiel: Der erst kürzlich erschienene Thriller "Kind 44" von Tom R. Smith (Dumont) kostet als Neuexemplar im stationären Buch- wie im Onlinehandel 19,90 Euro. So will es die Buchpreisbindung in Deutschland. Das günstigste Gebrauchtangebot für diesen Titel bei Amazon lag gestern Mittag bei 16,69 Euro. Das klingt aus Käufersicht zunächst gut, rechnet er aber noch die drei Euro Versandgebühren mit, die zusätzlich anfallen, ergibt sich eine Ersparnis im Vergleich zum Neupreis von gerade einmal 21 Cent, also nicht gerade ein Schnäppchen. Das muss der Anbieter vorab bedenken.
Und auch dies: Portalbetreiber, die den Kontakt zwischen Käufer und Verkäufer herstellen, machen dies nicht umsonst, sondern behalten dafür eine Provision für jedes verkaufte Buch ein.
Provision plus Mehrwertsteuer berechnet
Das Portal Amazon etwa, das bei Buchfreunden aufgrund seiner klaren Struktur und einfachen Handhabung - Amazon kümmert sich auch um die Zahlungsabwicklung - beliebt ist, schlägt kräftig zu. Das System erschließt sich nicht gleich auf den ersten Blick. Im Prinzip sind es drei Posten, aus denen sich die Gebühren für den Verkäufer zusammensetzen: eine feste Abschlussgebühr von 1,14 Euro plus 15 Prozent Provision auf den Verkaufspreis plus eine sogenannte Versandkostentransaktionsgebühr von 1,16 Euro. Das heißt, bei einem Buch zum Verkaufspreis von zehn Euro behält Amazon 3,80 Euro ein, das ist gut ein Drittel vom Verkaufspreis. Ärgerlich ist, dass Amazon nur einen Teil der drei Euro Versandkosten an den Verkäufer weitergibt, obwohl dieser das Buch verschickt. Als versteckte Gebühr freilich will dies eine Sprecherin des Unternehmens nicht verstanden wissen.
Zum Vergleich: Beim Portal Booklooker, das mit inzwischen 400.000 vorwiegend privaten Nutzern ebenfalls einen professionellen Auftritt hat, bekäme der Verkäufer rund neun Euro gutgeschrieben, also etwa drei Euro mehr als bei Amazon - und etwa gleich viel wie für ein Zehn-Euro-Buch im Auktionsformat bei Ebay.
Booklooker verlangt 6,9 Prozent Provision auf den Verkaufspreis plus 19 Prozent Mehrwertsteuer. Anders als bei Amazon bestimmen die Anbieter die Versand- und Zahlungsbedingungen selbst. Sie erscheinen zusammen mit den Detailinformationen zu einem Artikel. Üblich bei Privatverkäufen ist nach Angaben eines Sprechers von Booklooker die Vorauskasse. Versendet werden 80 bis 90 Prozent aller Bücher als Büchersendung für 85 Cent, das heißt mit einem entsprechenden Vermerk in einem nicht verschlossenen Umschlag, damit der Briefträger diesen zum Zweck der Überprüfung öffnen kann.
Weniger Buch - mehr Platz:
-Verschenken. Wer mit ausrangierten Büchern kein Geld mehr verdienen möchte, kann diese zu Oxfam bringen. In Frankfurt hat die internationale Hilfsorganisation in der Töngesgasse ein Geschäft für gebrauchte Bücher (www.oxfam.de.)
-Tauschen. Bücher, die man schon gelesen hat, kann man im Internet gegen solche tauschen, die man noch nicht gelesen hat. Beliebte Plattformen sind www.tauschticket.de und www.hitflip.de. -Verkaufen.
Für alle, die Bücher verkaufen möchten, empfehlen sich Internet- Portale wie zum Beispiel www.amazon.de, www. booklooker.de, www.bol.de und www.ebay.de. (hoff.)