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Fußball-WM Hessenland der Ideen

06.12.2005 ·  Bei der Fußball-WM will Deutschland als „Land der Ideen“ für sich werben. Die FC Deutschland GmbH zählt die Börse AG, der Industriepark Höchst und das Goethe-Haus, die GTZ und Hessens Innenministerium zu „Orten der Ideen“ - warum, sagt sie nicht.

Von Manfred Köhler
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Es kommt ja alles immer nur scheibchenweise ans Licht, und so durften die Hessen gestern im Internet zwar nachlesen, wo sich in ihrem Sprengel die Innovativsten der Innovativen aufhalten, aber es blieb leider ein Geheimnis, warum die Wahl auf sie gefallen war.

Doch der Reihe nach: Schon die rot-grüne Bundesregierung, die vor fernen Zeiten einmal in Berlin das Sagen hatte, meinte, Deutschland solle die Fußball-Weltmeisterschaft nutzen, um für sich zu werben - und wenn dies mit einiger Wahrscheinlichkeit schon nicht durch den Fußball als solchen möglich sei, sollten die Unternehmen ran. Nach einigem Hin und Her ist daraus die Initiative „Deutschland - Land der Ideen“ geworden, und die hat gestern in Berlin erstmals konkret gesagt, was sie vorhat.

Nicht richtig überraschend ist angesichts dieses Namens, daß sich Deutschland als „Land der Ideen“ präsentieren soll, und das nicht nur zur Sommerzeit, während der WM, sondern das ganze Jahr über. 365 „Orte der Ideen“ hat die Initiative gestern präsentiert, und 29 liegen in Hessen. Keine schlechte Quote, wenn man bedenkt, daß sich 1.200 Institutionen beworben hatten.

Regional, aber rätselhaft

Jetzt also wird es regional, aber rätselhaft wird es auch. Denn gestern ließ sich also zwar einerseits ermitteln, das zu den „Orten der Ideen“ die Deutsche Börse AG, der Industriepark Höchst und das Goethe-Haus in Frankfurt zählen, die GTZ in Eschborn und das hessische Innenministerium in Wiesbaden - aber leider nicht, warum. Die Organisation FC Deutschland GmbH, die hinter dem Standortmarketing steht, wollte auch nicht damit herausrücken. Die Jury, der der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Martin Roth, vorsaß, habe keine Gründe veröffentlicht. Und so müssen wir leider herumgrübeln, ob vielleicht bei der Börse der Rauswurf Werner Seiferts als innovativ gilt, während uns beim hessischen Innenministerium partout überhaupt nichts Innovatives einfallen will.

Schon einfacher nachzuvollziehen ist die Berufung des Passivhaus-Instituts in Darmstadt und des Konrad-Zuse-Museums in Hünfeld in den edlen Kreis der Innovativen, während das Rosenmuseum Steinfurth bei uns noch ein wenig Überzeugungsarbeit leisten muß. Daß die Goethe-Universität ein „Ort der Ideen“ ist, versteht sich hingegen von selbst, seit dort alles umgekrempelt wird und tolle englische Namen bekommt.

„Tage der offenen Tür“ bei Innovatoren

Aber bloß weil gestern alles noch ein wenig rätselhaft war, heißt das ja nicht, daß dies so bleibt. Alle 365 Einrichtungen werden sich an einem Tag im Jahr mit einem „Tag der offenen Tür“ oder einer Ausstellung präsentieren, und so werden wir schon am 13. Januar erfahren, was die Börse so innovativ macht, am 4. Juni ist das Rosenmuseum dran und schon bald drauf, am 11. Juni, das Innenministerium, während die ohne Zweifel innovative Koziol GmbH in Erbach, die zum Beispiel Toilettenbürsten mit Gesichtern produziert, noch bis zum 9. Dezember 2006 warten muß. Dann aber wird jeder überzeugt sein, daß Deutschland nicht nur ein Land der Ideen ist, sondern auch weltoffen und begeisterungsfähig, wie es gestern in Berlin hieß. Und Hessen mittendrin.

Als nächstes ist in der Hauptstadt zur WM ein „Walk of Ideas“ angekündigt, wahrscheinlich tagt dann wieder eine Jury. Und wenn es dann abermals mit rechten Dingen zugeht, dann muß auch dieser Weg durchs innovative Hessen führen, wo denn sonst.

Quelle: F.A.Z., 06.12.2005, Nr. 200 / Seite 52
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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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