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Fusions-Gerüchte Dresdner Banker fordern Job-Garantie

14.06.2008 ·  Durch Banken-Fusionen sieht Verdi in Frankfurt Tausende Stellen bedroht. In der Tarifrunde will die Gewerkschaft vor allem Kündigungsschutz fordern. Die Belegschaft der Dresdner Bank kämpft schon jetzt dafür.

Von Tim Kanning
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800 Mitarbeiter hatten sich zur Betriebsversammlung der Dresdner Bank in der vergangenen Woche zusammengefunden, doppelt so viele wie sonst, wie Teilnehmer berichten. Doch viel zur Beruhigung konnte Personalvorstand Wulf Meier nicht beitragen. Er und seine Vorstandskollegen verhandeln mit dem Gesamtbetriebsrat, um die Ausgliederung des Privat- und Firmenkundengeschäfts in eine eigene Bank im Detail zu regeln. Die Arbeitnehmer fordern einen Kündigungsschutz für deren Mitarbeiter bis mindestens 2013. Die Arbeitgeberseite sieht eine solche Zusicherung derzeit aber gar nicht als Gegenstand der Gespräche.

Doch die Forderung der Belegschaft ist durchaus verständlich, ist doch abzusehen, dass das ausgegliederte Privat- und Firmenkundengeschäft in der erwarteten Konsolidierung der deutschen Bankenlandschaft zur Disposition stehen wird. So konkret und so vielfältig wie dieser Tage waren die Möglichkeiten, die Zahl der deutschen Großbanken durch Fusionen zu verringern, wohl noch nie.

Verdi: „Superbank“ könnte Arbeitsplätze gefährden

Die Dresdner Bank steht dabei mit an vorderster Stelle. Infolge der Finanzkrise war der Allianz-Tochter der Jahresüberschuss 2007 um mehr als die Hälfte eingebrochen. Wie diese Woche bekannt wurde, gewährt der Münchener Mutterkonzern Kaufinteressenten wie der Commerzbank und der Deutschen Bank derzeit Einblick in die Bücher der Dresdner Bank. Erweitert wird der Kreis der Fusionskandidaten noch um die Postbank und die deutsche Citigroup-Tochter Citibank. Als eine von vielen möglichen Optionen gilt eine Dreierfusion aus Commerzbank, Dresdner Bank und Postbank. Die Gewerkschaft Verdi sieht eine solche „Superbank“ als schlimmstmöglichen Fall an, da dadurch die größte Zahl an Arbeitsplätzen, bis zu 25.000 Stellen, gefährdet sei.

Gudrun Schmidt, Bereichsleiterin Finanzdienstleistungen bei Verdi Hessen, befürchtet, im Zuge einer gemeinsamen Lösung mit Dresdner Bank und Commerzbank könnten in deren Frankfurter Zentralen ein Drittel bis die Hälfte aller Stellen gestrichen werden. Schließlich würden gerade in den zentralen Abteilungen bei einem Zusammenschluss Doppelverwaltungen abgebaut. Insofern wäre es das kleinere Übel, sollte die Dresdner Bank durch einen ausländischen Wettbewerber übernommen werden, der sich dadurch Zugang zum deutschen Privat- und Firmenkundenmarkt sichern wolle und dafür die bestehenden Strukturen nutzen würde, anstatt sie abzubauen.

In den Tarifverhandlungen im Bankgewerbe, die nächsten Donnerstag beginnen, will Verdi vor allem für den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen eintreten. „Wir müssen verhindern, dass die Belegschaften der einzelnen Banken bei einer Fusion gegeneinander ausgespielt werden“, sagt Schmidt.

Kompromiss bis erste Juli-Woche erwartet

Die Mitarbeiter der Dresdner Bank pochen hingegen auf eine möglichst rasche betriebsinterne Einigung und fürchten, dass die Tarifeinigung zu spät kommen könnte. Denn als Frist für die Ausgliederung des Privat- und Firmenkundengeschäfts gilt der 30. August, da nur noch bis zu diesem Zeitpunkt die Geschäftszahlen von 2007 zugrunde gelegt werden könnten. Wie aus Arbeitnehmerkreisen zu hören ist, ergibt sich daraus für die derzeitigen Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung ein enger Zeitplan. Damit die Mitarbeiter fristgerecht über die Entscheidungen informiert werden könnten, müsste spätestens bis zur ersten Juli-Woche ein Kompromiss gefunden sein, der aus Arbeitnehmersicht den Kündigungsschutz enthalten sollte.

Am 25. Juni kommen in Frankfurt die Betriebsräte der Dresdner Bank aus ganz Deutschland zu einer außerordentlichen Versammlung zusammen. Wie zu hören ist, wollen sie die Gelegenheit nutzen und mit einer Demonstration auf dem Jürgen-Ponto-Platz ihren Forderungen Nachdruck verleihen, sollte die Arbeitgeberseite bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Zugeständnisse bei der Jobsicherung gemacht haben.

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