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Fünf Porträts Der Finanzmarkt hat viele Gesichter

In Frankfurt gehören auch stark fallende Kurse und steigende Zinsen für viele an der Börse, in Banken und Fondsgesellschaften zum Tagesgeschäft. Fünf Porträts, Blickwinkel und Stimmungslagen.

© dpa Vergrößern Derzeit gerne als Interviewpartner genutzt: Robert Halver von der Baader Bank

Der neue Mr. Dax

Er selbst will sich nicht als neuen „Mr. Dax“ bezeichnen. „Das wäre zu viel der Ehre“, meint Robert Halver. Dabei ist er in den vergangen Tagen mindestens so oft in den Zeitungen und Wirtschaftsnachrichten zu sehen wie Dirk Müller vor drei Jahren nach der Lehman-Pleite. Musste damals stets Müller die passende Stimmung zum Dax-Verlauf personifizieren, so wird derzeit gerne Halver mit missmutigem Gesicht auf dem Parkett abgelichtet.

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Doch nicht nur als Statist, auch als Kommentator der Marktverläufe steht der Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank hoch im Kurs. Mit rund 30 Medienvertretern am Tag spreche er im Moment, sagt er. Gestern hatte er schon um halb sieben den ersten Termin mit einem englischen Fernsehteam. In der Tagesschau und im Heute-Journal hat er den Zuschauern auch schon versucht, die Wirren der Finanzmärkte zu erklären. So gut es eben geht, manchmal auch nur mit markigen Sprüchen und knackigen Vergleichen. Der mit der Kneipp-Kur zum Beispiel: Die Finanzmärkte durchliefen ein Wechselbad aus heiß und kalt.

Henning Gebhardt - Business Lunch mit DWS Fondsmanager © Hagmann; Roger Vergrößern Versucht, den Überblick zu behalten: DWS Fondsmanager Henning Gebhardt, hier bei einem Business-Lunch

Gerne schimpft Halver auf die Politik. Rettungspakete und Gipfelergebnisse mit einer Halbwertzeit von nicht einmal zwei Wochen verunsicherten die Märkte. Die politischen Leitplanken fehlten. Auf José Barroso und seine Rede vom zu kleinen Rettungsschirm in der vergangenen Woche seien auf dem Parkett immer noch alle wütend.

Letztlich nehme aber jeder, der mit Leib und Seele Börsianer sei, die aktuellen Herausforderungen gerne an, sagt Halver. Aber Spaß mache es derzeit nicht - dafür sei die Verunsicherung zu groß. (kann.)

Der Fondsmanager

Henning Gebhardt hat dieser Tage viel zu tun. „Den Umständen entsprechend“, sagt der Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter DWS, wenn man ihn fragt, wie es ihm geht. „Man versucht, den Überblick zu behalten.“ Dafür telefoniert er auch schon einmal mit mehreren Handys gleichzeitig. Einen kühlen Kopf zu bewahren, nennt er als oberste Aufgabe. Denn wenn Gebhardt und seine 20 Mitarbeiter einen Fehler machen, kostet es Tausende Anleger Geld. Er ist bei der Fondsgesellschaft Leiter für europäische Aktien und managt mehrere bekannte Fonds wie den DWS Aktien Strategie Deutschland, der allein schon nahezu 900 Millionen Euro schwer ist.

Was im Moment an den Aktienmärkten geschieht, bezeichnet Gebhardt als irrational. „Es ist eine Menge Übertreibung im Spiel.“ Von einem Tag zum anderen sei völlig vergessen, dass das Umfeld eigentlich gut sei. Andererseits: Wer wisse schon, wie es mit der Wirtschaft weitergehe? Die Turbulenzen an den Aktienmärkten können auch Folgen für die Realwirtschaft haben, wie Gebhardt meint. Wie aber handelt ein Fondsmanager in solchen Zeiten?

Auf Qualität achten, so lautet das Credo Gebhardts: sich auf Unternehmen konzentrieren, die ordentliche Dividenden zahlen zum Beispiel. Immerhin: Der Fondsverwalter ist schon viele Jahre dabei. Er erlebt nicht zum ersten Mal, wie sich binnen kurzem der Markt dreht und Gewinne dahinschmelzen.

Viele kommen längst nicht mehr mit, wenn von der Finanzwelt die Rede ist. Gebhardt kann das nachvollziehen, er spricht von schnelllebigen Zeiten und davon, dass gerade im Moment vieles nicht nachvollziehbar sei. Nur er selbst kann sich nicht zurücklehnen und auf ruhigere Zeiten warten. Der DWS Aktien Strategie Deutschland hat in den vergangenen drei Monaten 21 Prozent seines Wertes verloren. Da muss Gebhardt jetzt dringend gegensteuern. (mak.)

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