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Frühjahrsmesse Ambiente Die Welt ist zu Gast, die Frankfurter sind es nicht

 ·  Schade eigentlich: Bis Dienstag findet sich in den Frankfurter Messehallen die größte Konsumgüterschau der Welt. Und die Frankfurter dürfen nicht hin.

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Das eben macht ja den Reiz der Buchmesse und der Automobilausstellung aus: dass sie Fachmessen sind, natürlich, dass sie aber auch zu bestimmten Tagen für jedermann geöffnet sind. Bei der IAA ist die Zahl der Fachbesuchertage sogar weitaus geringer als die, in denen das Publikum vorgelassen wird. Bei den anderen großen Messen im Jahreslauf hingegen müssen die Frankfurter draußenbleiben. Von der Messe bekommen sie allenfalls die Begleiterscheinungen mit: Staus, überfüllte Züge.

Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob auch die Frühjahrs- und die Herbstmesse, die Heimtextil und die Sanitär- und Heizungsmesse ISH für das Publikum geöffnet werden sollten. Den jüngsten Vorstoß hat am Donnerstag Thorsten Klapproth, der Vorstandsvorsitzende von WMF, unternommen. „Wir brauchen die Nähe zum Endverbraucher“, sagte er, „unsere Bestecke haben sie öfter im Mund als ihre Zahnbürste.“ Am liebsten wäre ihm eine „Wetten, dass. .“-Sendung während der Frühjahrsmesse Ambiente in der Festhalle, mit Außenwette in einer der Hallen.

Frankfurter Einzelhandel wenig begeistert von einer Öffnung der Fachmessen

Das Management der Messegesellschaft hört bei solchen Vorstößen geduldig zu, weist aber darauf hin, dass derlei immer wieder geprüft worden sei. Zum einen: Auch wenn einige große deutsche Aussteller wie WMF sich Publikumstage wünschten, lehne es die Mehrzahl der Unternehmen doch ab. Auf der Messe wird hart gearbeitet, manche machen hier die Hälfte ihres Jahresumsatzes klar. Viele müssten bei der naheliegenden Frage, wo man denn ihre Produkte kaufen könne, passen – sie suchen auf der Messe ja gerade nach einem Abnehmer, der die Waren in die Regale seines Geschäfts stellt. Außerdem scheint der Einzelhandel in Frankfurt wenig begeistert von der Idee einer Öffnung der Fachmessen. Dort sorgt man sich, dass dann eines Tages dort auch Waren verkauft werden, wie es sich am letzten Tag der Buchmesse eingebürgert hat. Solche Konkurrenz ist das Letzte, was der schwer kämpfende Fachhandel will.

Dennoch aber hat es immer wieder Versuche einer Öffnung von Fachmessen gegeben. Die Versuchung, die riesigen Messehallen mit ihrem schier unerschöpflichen Warenangebot einem breiten Publikum zugänglich zu machen, ist einfach zu groß. Der Publikumstag während der Heimtextil wurde jedoch wieder abgeschafft. Der frühere Messe-Geschäftsführer Michael Peters hatte eine öffentlich zugängliche Messe namens Design Annual aufgebaut, die in der Fachöffentlichkeit viel Zuspruch fand, sich jedoch nicht halten konnte. 2007 wurde die Herbstmesse Tendence um eine Gourmet-Veranstaltung namens Taste It ergänzt, die ebenfalls für jedermann gedacht war. Auch hier war die Resonanz nicht so groß, dass daraus eine Dauereinrichtung wurde.

So bleiben die Fachmessen Fachmessen, riesige Veranstaltungen, bei denen die Welt zu Gast in Frankfurt ist – bei der gestern eröffneten und bis Dienstag dauernden Frühjahrsmesse Ambiente kommen die Aussteller aus 86 Ländern – und die Frankfurter außen vor bleiben müssen. Immerhin aber können sie hoffen, dass es manche Messeneuheit später auch in Frankfurter Geschäfte schafft.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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