08.08.2006 · Auch wenn sie noch in der Minderheit sind - es gibt sie: starke Frauen in den Bankvorständen am Finanzplatz Frankfurt. Eine von ihnen ist Ingrid Matthäus-Maier, die Chefin der KfW-Bankengruppe wird.
Von Christian SiedenbiedelAuf dem alljährlichen Bankenabend im Frankfurter Römer fallen sie auf, zwischen all den Männern im Smoking. Ihre Zahl ist noch klein. In der Regel sind es bei dem traditionellen Dinner im Kaisersaal zu wenige, um an jedem Tisch auch nur eine zu plazieren. Trotzdem holen sie auf, ganz ohne Quote: die Frauen in den Bankvorständen am Finanzplatz Frankfurt. Was in Amerika schon gang und gäbe ist, könnte im Zeitalter der ersten Bundeskanzlerin in der Geschichte Deutschlands auch hierzulande an Bedeutung gewinnen - weibliches Bankmanagement, bis hinauf in die Spitzen.
Als Ruth Ellen Schneider-Lenne 1988 als erste und bisher einzige Frau in den Vorstand der Deutschen Bank einrückte, galt die Kreditrisiko-Expertin noch als absolute Exotin. Das amerikanische Magazin „Worldbusiness“ machte damals eine Erhebung zu den 50 mächtigsten Geschäftsfrauen der Welt. Schneider-Lenne tauchte als einzige Deutsche auf. Als sie 1996 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Vorstand ausschied und wenig später starb, rückte keine Frau mehr nach. Der spätere Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann übernahm ihre Aufgaben einfach mit.
Deutschland-Chefin und Mutter von drei Kindern
Mittlerweile haben die weiblichen Führungskräfte auf den Ebenen bis unter dem Vorstand in vielen Banken durchaus aufgeholt. Und einige haben es bis ganz nach oben geschafft. Wenn etwa Hans Reich, 65 Jahre alt, im Herbst als Vorstandssprecher der KfW-Bankengruppe in den Ruhestand wechselt, wird ihm eine Frau nachfolgen. Ingrid Matthäus-Maier, ehemalige Finanzpolitikerin der FDP und später der SPD im Deutschen Bundestag, gehört schon seit 1999 dem Vorstand der staatseigenen Förderbank an und hat sich dort unter anderem mit Projekten in Entwicklungsländern befaßt. Ihre Berufung war nicht unumstritten - allerdings weniger, weil sie eine Frau war, als vielmehr, weil sie nach wie vor auch der politischen Sphäre zugerechnet wurde.
Auch für den Personalvorstand der Deutschen Bank, Tessen von Heydebreck, war dem Vernehmen nach eine Frau als Nachfolgerin im Gespräch: Die Berufung der früheren IBM-Personalchefin Juliane Wiemerslage soll intern schon eine ausgemachte Sache gewesen sein. Doch Anfang des Jahres überlegten es sich die Beteiligten offenbar anders. Heydebrecks Vertrag wurde zunächst bis 2007 verlängert. Man wolle in der Bank keine „weitere Baustelle“ haben, hieß es nur.
Anders ging die Sache bei der Investmentbank Morgan Stanley aus. Lange Jahre war dort Lutz Raettig Deutschland-Chef gewesen, bis sich der am Finanzplatz hochangesehene Manager vor anderthalb Jahren in den Aufsichtsrat zurückzog und sein Herz für die Frankfurter Kommunalpolitik entdeckte. Nach-Nachfolgerin ist mittlerweile Dagmar Kollmann, 41 Jahre alt. Die Mutter von drei Kindern ist mit Peter Kollmann verheiratet, einem der beiden Chefs im Investmentbanking der Konkurrenz Merrill Lynch in Deutschland.
Gefragte Expertinnen
Bei der Citibank, die ihr Deutschland-Geschäft allerdings überwiegend von Düsseldorf aus führt, folgte an der Spitze vermutlich zum ersten Mal in Deutschland eine Frau auf eine Frau: Die einstige „Managerin des Jahres“ Christine Licci verließ vor zwei Jahren das Unternehmen, um anschließend für einige Zeit erstes weibliches Vorstandsmitglied der Hypo-Vereinsbank in München zu werden. Bei der Citibank folgte ihr die Amerikanerin Sue Harnett. Manchmal tauschen sich die Spitzenbankerinnen am Finanzplatz auch untereinander aus - ohne allerdings den Eindruck organisierter „Frauen-Power“ erwecken zu wollen. Karin-Brigitte Göbel, Vorstandsmitglied der Taunus-Sparkasse, und Renate Bloß-Barkowski, Vorstandsmitglied der SEB, etwa kennen sich von früher und treffen sich bisweilen zum Essen, um dieses oder jenes zu beratschlagen.
Vielleicht ist es kein Zufall, bei welchen Instituten Frauen am ehesten noch Karriere machen können. Bloß-Barkowski etwa hat bei der früher gewerkschaftseigenen BfG-Bank, die heute in schwedischer Hand ist und SEB heißt, den Weg nach ganz oben geschafft. 1951 in Lengerich in Westfalen geboren, machte sie als junges Mädchen eine Ausbildung im Einzelhandel. Ihr erster Arbeitgeber mußte schließen, daraufhin kam sie mit 18 Jahren zur Bank für Gemeinwirtschaft in Recklinghausen. Dort erledigte sie zunächst einfache Arbeiten mit Lochkarten, holte eine Art Lehre nach, wurde Bankkauffrau und lernte im Abendstudium Betriebswirtschaftslehre. In ihrer Filiale war sie im Betriebsrat aktiv und wurde sogar Vorsitzende - die Kontakte, die sie in dieser Zeit knüpfte, halfen ihr beim Aufstieg in der Bank. Stufe um Stufe ging es nach oben, bis sie 2003 in den Vorstand berufen wurde. Dort ist sie jetzt unter anderem für Personalangelegenheiten zuständig.
Karin-Brigitte Göbel ist seit 2002 im Vorstand der Taunus-Sparkasse in Bad Homburg - und verantwortet das heikle Ressort Firmenkredite. In einer Situation, in der es der Sparkasse schlechtging, holte man sie von der Bankgesellschaft Berlin. Dort hatte sie Erfahrungen mit notleidenden Firmenkrediten sammeln können und war damit in der Krise eine gefragte Expertin. In Bad Homburg verschaffte sich die vorsichtige, gleichwohl engagierte Managerin schon bald einen guten Namen. Sie prüfte das Kreditportfolio der Sparkasse auf Herz und Nieren und beendete auch einige Engagements. Nach und nach baute sie dann ein neues Kreditgeschäft auf - mit sehr sorgfältiger Risikobewertung.
Quotenfrauen wollen sie auf keinen Fall sein
Eine, die schon relativ lange ganz oben mitmischt, ist Marija Korsch. Als Partnerin beim Bankhaus Metzler ist sie für das „Corporate Finance“-Geschäft zuständig: Investmentbanking vom Feinsten. Die Amerikanerin, die als Kind mit ihren Eltern aus Kroatien in die Vereinigten Staaten kam, zieht bei großen Transaktionen, Unternehmenskäufen oder Beteiligungen die Strippen. Sie ist ein Profi mit mehr als 30 Jahren Berufserfahrung. Bevor sie zu Metzler wechselte, hatte sie bei Bankers Trust gearbeitet, einer New Yorker Investmentbank. Kollegen beschreiben die Investmentbankerin als Freundin offener Worte - Verhandlungspartner als gut informiert, professionell und engagiert. Mit der verstorbenen Deutsch-Bankerin Schneider-Lenne war Korsch befreundet.
Frankfurts Spitzenbankerinnen spielen alle das „typisch Weibliche“ an ihrer Art zu managen eher etwas herunter. Quotenfrauen wollen sie auf keinen Fall sein. Barkowski hat bei ihrem Amtsantritt im Vorstand angekündigt, sich besonders für die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit einsetzen zu wollen - auch für Väter. Korsch meinte einmal, wenn Männer in Industrieunternehmen früher in Chicago oder Cleveland ein Problem damit gehabt hätten, daß sie eine Frau sei, habe sie die eben nicht betreut.
Ein Ort, wo sich Spitzenmanagerinnen in Frankfurt regelmäßig treffen, ist die Konferenz „Women in European Business“ bei der Deutschen Bank. Dort tausch man sich aus, knüpft Kontakte und trifft auf hochrangige Politiker. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Frauen dort als Strategie ins Stammbuch geschrieben: „Mehr Gelassenheit zeigen - und dann zuschlagen“. Ihr Vorgänger Gerhard Schröder (SPD) gewann seinerzeit die Herzen der Managerinnen ausgerechnet mit einem Mao-Wort: Die Hälfte des Himmels hätten die Frauen schon - jetzt sollten sie auch die Hälfte der Erde bekommen.
The "statutory" woman - Frauen in den Vorständen
Fionn Huber (fionn)
- 08.08.2006, 13:13 Uhr
Christian Siedenbiedel Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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